Gerade kleine Loklae wie dieser Chinese in der Karawannaja bieten oft günstige mittagstische (Foto: hh/SPZ)
Donnerstag, 26.04.2007
„Bisnes-Lantsch“-Test: Satt werden für 150 Rubel
St. Petersburg. Viele Restaurants und Kafes im Stadtzentrum bieten von 12 bis 16 Uhr Mittagstische an, die sich durchaus sehen lassen können. Mehr als ca. 150 Rubel muss man nicht bezahlen, um satt zu werden. Mahlzeit!
Russland ist für Westeuropäer billig – das stimmt nur noch sehr bedingt, etwa bei Metro-Fahrten. Bei den Lebensmitteln erkennt man als Zugereister schnell, dass Aldi, Penny und Lidl die hiesigen Filialen von „Pjatorotschka“, „Dixi“ oder „Poluschka“ meist mit kleineren Preisen schlagen können.
Gerade für Studenten reißt das durchaus schnell ein Loch ins Portemonnaie. Denn die im Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbaren (weil subventionierten) deutschen Mensen gibt es in Russland nicht. Petersburger Unikantinen bieten oft weniger für mehr Geld.
Eine Alternative ist hingegen die private Gastronomie: Allzu große Ansprüche sollte man zwar nicht mitbringen, aber bei umgerechnet 4,50 Euro für einen sog. „Business-Lunch“ wird man wohl den einen oder anderen Makel verkraften können. Wir haben in Newski-Nähe probegegessen.
IL Patio: Italiener mit viel Auswahl
Diese Restaurantkette findet man gleich zweimal auf dem Newski (Haus-Nr. 30 und 182): gemütlich eingerichtet und Eros Ramazzoti im Hintergrund, also fast wie beim deutschen Italiener um die Ecke. Das sehr junge und freundliche Personal muss man manchmal daran erinnern, dass es das Mittagangebot für 155 Rubel bei ihnen gibt, und die russisch-englische Extrakarte nachbestellen.
Dann kann man sich zwei Speisen und ein Getränk aussuchen. Gut zueinander passen zum Beispiel Salat und Pizza. Durch die große Auswahl ist IL Patio das einzige Restaurant im Test, in dem Vegetarier garantiert etwas Passendes finden. Mit der Rechnung bekommt man gewöhnlich noch ein kleines Stückchen Zartbitterschokolade und verlässt zufrieden und gesättig den Laden. Das honorieren wir mit der Maximalnote von 5 Suppentellern
Line_Café: Stylish europäisch
Direkt gegenüber des Gostiny Dwor (Newski Prospekt 46) befindet sich das Line_Café, gut versteckt im 1. Obergeschoss des edlen Kaufhauses „Nord“. Vorbei an westlichen Designer-Boutiquen und Kosmetikläden gelangt man in das modern eingerichtete Cafe. Das Interieur erinnert an die Petersburger Starbucks-Versionen von KofeHouse. In der Mitte des Raums hängt ein Flachbildschirm, auf dem internationale Popvideos laufen.
Zetnraler gehts nimmer: Das Line_Cafe befindet sich gegenüber des Gostiny Dwor (foto: hh/SPZ)
An jedem Arbeitstag der Woche kann man aus drei Gerichten der europäischen Küche auswählen. Erst nach drei Wochen sollte einem hier also das Mittagessen langweilig werden. Der 150-Rubel-Lunch ist die Sparversion ohne Suppe. Er bietet für diesen Preis deshalb weniger Essen, als der Großteil der Konkurrenz in dieser Preisklasse. An Salat und Hauptgericht gibt es aber nichts aussetzen, und man bekommt noch einen leckeren Saft dazu. Eine würdige Leistung für drei Suppenteller
„Nostalgia“: Russisch durch und durch
„Dom Kino“, Uliza Karawannaja 12, vierter Stock: Ein heller Raum mit hohen stuckverzierten Decken. Die Tische stilvoll gedeckt, die Stühle mit zur Tapete passenden Bezügen versehen. Der Kellner im schwarzen Anzug begrüßt uns mit „Was wollen Sie hier?“ und weist einen Platz zu. Die großen Fenster mit Blick auf den malerischen Manege-Platz sind im Moment leider mit Baugerüsten verbaut. Aus der Microanlage schallt Radio Melodia. Die Heizung kommt nicht ganz gegen die Lüftung an. Ja, wir sind eindeutig in Russland!
Entscheiden braucht man sich hier auch nicht großartig. Für 150 Rubel gibt es nur ein (täglich wechselndes) Mittagsmenu. Man setzt sich einfach und bekommt aufgetischt. Und zwar nicht zu knapp: Salat und zwei Sorten Brot, Suppe, Hauptgericht, Nachtisch und Tee werden vom aufmerksamen Personal gereicht. Nebenbei kann man sich soviel Wasser aus der Karaffe nachschenken wie man möchte. Das Essen ist gute russische Hausmannskost, nur ab und zu ein bisschen kalt. Den hiesigen Sättigungswert taxieren wir auf vier Suppenteller
Kafe Hua-Juan – Essen top, Atmosphäre flop
Ganz in der Nähe des Dom Kino, in der Uliza Karawannaja 6, stößt man auf dieses asiatische Kafe im Kellergeschoss. Von der Straße kommend müssen sich die Augen erstmal an das Schummerlicht gewöhnen. Gut zu hören ist allerdings der „Russkij Rap“ aus den Boxen. Die Speisekarte bietet sieben verschiedene Mittagstische für 108 bis 158 Rubel bestehend aus Suppe, Hauptgericht und grünem Tee.
Als Testgericht diente uns Huhn mit Erdnüssen. Die heiße und nahrhafte asiatische Pilzsuppe und das Hauptgericht mit Gemüse und Reis waren sehr lecker. Es schmeckte mindestens so gut wie in einem normalen chinesischen Restaurant in Deutschland. Mit der Rechnung bekommt man noch ein Wrigley’s Doublemint und denkt sich: „Obwohl es hier nicht sehr gemütlich ist, komme ich wohl nochmal wieder.“ Bei der Benotung führt das zu drei Suppentellern
Und sonst?
Überall in der Stadt findet man an belebten Straßen Lokale, die ebenfalls auch „Bisnes-Lantsch“, „Obed Dnja“ oder „Kompleksni Obed“ anbieten, obwohl das außen nicht immer explitit beworben wird. Wenn man nicht gerade ganz im innersten Stadtzentrum befindet, geschieht dies oft für sogar noch weniger als 150 Rubel.
Meist kann man am Tresen Hauptgericht, Beilage, Suppe und Salat aus einigen wenigen Varianten auswählen. Das Essen wird dann in der Mikrowelle nochmal ein bisschen aufgewärmt. Tee zum Abschluss gehört meist dazu. Oft werden derartige Bistros von „Gastarbeiterfamlien“ aus dem Süden oder Osten geführt, weshalb das Essen oft einen leicht orientalischen Geschmackseinschlag bekommt.
(Hanno Heitmann/SPZ)
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