Die Qual der Wahl: Das Sortiment einer Eistruhe am Newski Prospekt (Foto: SPZ)
Mittwoch, 26.07.2006
Russisches Eis auf West-Gaumen: ein Geschmackstest
St. Petersburg. Auf dem Newski lockt alle paar Meter eine mobile Tiefkühltruhe. Doch die vertrauten Tafeln mit dem Angebot fehlen hier, statt dessen gibt es ein Wirrwarr von Eispackungen mit russischen Insidernamen.
Angetreiben von der Sommerhitze haben Stefanie Barth und Steffi Schönrock sich in Aufklärungsmission für die „St. Petersburgische Zeitung“ durch die russische Eiswelt geschleckt und die wesentlichen Stichproben genommen.
Stakantschik – der Klassiker
ca. 10 Rubel. Ob Schokolade, Nuss, Karamel („Krem-Brjulle“), schwarze Johannisbeere oder klassisch Vanille - der Stakanschik ist DAS Lieblingseis der Petersburger. Der Geschmack ist in der Tat unübertroffen, doch die fehlende Knusprigkeit der Waffel erinnert an so manche DDR-Ware. Doch bei dem guten Preis-Leistungsverhältnis und der handlichen Größe können es bei herrlichen Wetter und der vielfältigen Auswahl auch gleich mal zwei „Becherchen“ sein. Und deshalb verleihen wir von fünf möglichen 4 Eiskugeln
Trubotschka – die Waffeltüte
15 bis 20 Rubel. Die typische Trubotschka besteht aus einer spitzen Waffeltüte und einem von Schokolade überzogenene Eiskern. Je nach Trubotschka-Sorte ist die Waffeltüte ebenfalls mit Schokolade glasiert. Gefüllt ist der Kern mit verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Karamel oder Fruchteis. Neben dem Stankantschik ist die im Volksmund vor allem als „Sacharnaja Trubotschka“ („Zucker-Hörnchen“) bekannte Eistüte ein Klassiker – was auch an der ähnlichen Waffelkonsistenz deutlich wird. Für ein gutes Eis in lapprigem Mantel vergeben wir aber leider nur 3 Eiskugeln
Vertraut in Anblick, Größe und Geschmack: Magnum heißt hier Mega! (Foto: SPZ)
Mega – das Magnum des Ostens
20 bis 30 Rubel. Wer das gute, alte Magnum schätzt und keine Experimente liebt, für den ist in Russland das Mega im Angebot. Dieses gibt es im weißem oder braunem Schokoladenmantel, mit Zitrone, Himbeere, Erdbeere, Vanille, Karamel, Nuss oder Chocos. Kämpft man sich durch die knackige Schokolade, erwartet den Erfrischungshungrigen wohlschmeckendes Eis. Das von Nestle hergestellte Produkt scheint im Vergleich zu hiesigen Eissorten sehr teuer, ist aber dennoch mit einem Preis von umgerechnet unter einem Euro wesentlich preiswerter als das westliche Pendant. Dafür gibt es 5 Eiskugeln
Bon Pari / Potschemuschka – das Wassereis
10 bis 15 Rubel. Das bunte Wassereis ist ein Gegenentwurf zum kalorienreichen Cremegenuß - und nicht nur bei den kleinsten Naschkatzen sehr beliebt.. Bei hohen Temperaturen mag es erst erfrischend schmecken, doch dann geraten schnell T-Shirt und Hose auf Grund der hohen Schmelzgeschwindigkeit in Gefahr. Die prickelnde Brausepulverfüllung im Bon Pari und die Vielfalt der Geschmackssorten bieten eine gute Abwechslung zu Schokoladenmantel und Pappwaffel. Unseren Geschmacksvorlieben nach verdient dieses Produkt aber nur 2 Eiskugeln.
Pharaon/Sphinx/Pyramida – Nuss und Schokolade am Stiel
ca. 15 Rubel. Vorsicht beim Öffnen der Verpackung, denn die Nussschokolade könnte einem bereits beim Anblick des Produktes entgegenpurzeln. Die Schokoladenkonsitenz ist sehr brüchig. Allerdings überzeugt der Geschmack, wahlweise gibt es verschiedene Sorten mit Schoko, Vanille oder Vanille–Karamel. Die Verpackung ist mit namenstypischer Symbolik bedruckt und somit sehr leicht in der Kühltruhe zu orten. Wir veranschlagen diesen cremigen Genuß mit 4 Eiskugeln.
ca. 30 Rubel. Wem das Eis in der Waffel oder am Stiel nicht genügt, der sollte Maxibon probieren. Mit Keksmantel auf der einen Seite und Schoko-Nussüberzug auf der anderen, stellt sich die Frage wie dieses Eis gegessen werden soll. Schmeißt man dummerweise die Verpackung gleich in den Papierkorb, sind Schokoladenfinger garantiert. Aber mit einem stolzen Gewicht von 150 Gramm macht diese Eisbombe wohl auch das größte Schleckermaul satt. Wegen der unhandlichen und doch sehr klebrigen Handhabung vergeben wir nur 3 Eiskugeln.
Mitja/Dascha/Belyje Notschi – die Eisriegel
10 bis 15 Rubel. Gänzlich waffel- wie holzfrei steckt ein schokolodenüberzogener Eisquader in der eckig-unscheinbaren Verpackung. Auch hier gilt: Das Papier erst nach dem Essen wegwerfen - und das Eis akkurat an einem Ende rausdrücken und abbeißen. Mitja erweist sich als langweiliges Schoko-Vanille-Eis, aber Dascha macht mit ihrer Karamel-Creme-Anreicherung schon bedeutend mehr her – und unter der Glasur hocken knusprige Erdnuss-Splitter.
Die Krönung sind die „Weißen Nächte“ - nicht nur wegen des lokalpatriotischen Namens das Lieblingseis unseres Chefredakteurs. Er schätzt es auch deshalb, weil helle Eiscreme in weißer Schokolade weit weniger verräterische Flecken auf der Sommerhose hinterlässt, wenn er damit über den Newski zu einem Termin hetzt. Dank dieses Arguments geben wir dieser Gruppe 4 Eiskugeln.
(SPZ)
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