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Anna-Christin Albers schuf in Petersburg die Kult-Kneipe Datscha (Foto: privat)
Anna-Christin Albers schuf in Petersburg die Kult-Kneipe Datscha (Foto: privat)
Donnerstag, 03.05.2007

"Datscha"-Wirtin Albers: Eine Kneipe wie zuhause

St. Petersburg. 2004 eröffnete die Hamburgerin Anna-Christin Albers eine Bar, wie man sie von der Reeperbahn kennt. Die „Datscha“ beim Gostiny Dwor ist seitdem aus dem Petersburger Nachtleben kaum wegzudenken.


Früher oder später landet jeder Nachtschwärmer in dem kleinen Lokal in der Dumskaja Uliza und taucht in die ausgelassene Menge ein, die erst nach Hause geht, wenn die Metro wieder fährt. Wir sprachen mit der Gründerin der schon zum Klassiker gewordenen DJ-Bar.

SPZ: Die immergleiche Frage am Anfang: Was treibt eine Deutsche nach Russland?

Albers: Nach Russland verschlagen hat mich mein Russistik- und Linguistik-Studium. Im Verlaufe des Studiums bin ich regelmäßig hier hergefahren, um dann mit dem Vorsatz, eine Kneipe aufzumachen, hier zu bleiben. Die Stadt fand ich von Anfang an toll. Und da die Berufsaussichten für Linguisten nicht so berauschend sind, war es eine gute Option, sich hier selbstständig zu machen.

SPZ: Was war der Auslöser dafür, dass du dich entschieden hast: „Ich mach’ hier ne Kneipe auf?“


Albers: Der Mangel an guten Lokalitäten. Vor drei Jahren war die Kneipenlandschaft eher dürftig. Eine Kneipe im Sinne der Datscha gab es in der ganzen Stadt nicht. Es gab die „Fishfabrique“, wo aber eher laute Konzerte laufen und man sitzend zuhört, oder auch das „Zynik“, wo Küche dabei ist.

Aber so eine typische Kiezkneipe, in der die Leute eher stehen und tanzen, wann sie wollen, wo alles ein bisschen lockerer ist, eng und rauchig, das hat’s nicht gegeben. Im Prinzip war’s purer Eigennutz: Ich wusste, dass ich in dieser Stadt leben wollte, und dass so ein Laden erstmal keine Konkurrenz hat: Die Gelegenheit musste ich nutzen.

War es schwierig, ganz von Null anzufangen? Ich stelle mir da ja unendlich viele Formulare und Beamte vor, mit immer neuen Regeln, an die man sich halten soll…


Albers: Nein es war nicht schwer. Alle stellen sich das immer so vor, aber ich glaube, im Endeffekt ist das in Russland nicht komplizierter als in Deutschland. Es gibt da natürlich ein paar Stationen, die man abarbeiten muss, vom Finanzamt übers Brandschutzamt bis zum „Lizenzpalast“. Man muss natürlich bestimmte Auflagen erfüllen, aber die Fristen sind in der Regel human, die Schlangen nicht zu lang und die Beamten eigentlich fair.

Ich denke, Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Auch im Lauf der drei Jahre lief alles glatt. Die einzige Sache, die sich geändert hat: Es ist deutlich teurer geworden, eine Lizenz zu bekommen. Während ich die erste vor drei Jahren noch für ’n Appel und ’n Ei bekommen habe, wird die demnächst fällige deutlich mehr kosten.

Und die Gründungsphase hast du ganz alleine geschafft?


Albers: Nein, ich hatte natürlich meine Helfer. Ich habe ja eine Firma nach russischem Recht gegründet, da hatte ich einen Juristen für. Am Anfang hatte ich auch noch einen russischen Partner, mit dem ich das zusammen gemacht habe. Nicht, dass er für mich morgens um acht bei den Ämtern gestanden hätte… Aber so jung und unerfahren, wie ich herkam, war es auf jeden Fall gut, jemanden zu haben, mit dem ich etwas besprechen konnte. Eben einfach als moralische Unterstützung.

Mittlerweile mache ich alles alleine und habe gemerkt: Wenn man russisch kann, die Stadt gut kennt und Freunde hier hat, ist das alles nicht so kompliziert.

Nun ist es ja offensichtlich, dass der Laden gut läuft. Hattest du dir das am Anfang so vorgestellt, oder bist du eher überrascht von der Entwicklung, die die Datscha genommen hat?


Albers: Ich war mir von Anfang an ziemlich sicher, dass der Laden laufen würde. Dass er aber wirklich soo eine Furore hervorrufen würde… Es war die Rede von der „Eröffnung des Jahres 2004“, der „DJ-Bar“ als nie da gewesenes Konzept. Ich musste wirklich nach zwei Wochen an den Wochenenden von keinem Türsteher auf drei Türsteher aufstocken. Das hätte ich nicht gedacht. Natürlich hat’s mich aber wahnsinnig gefreut.

Und wenn man sich jetzt mal in der Stadt umguckt, findet man einige neue Läden, die ich nicht als Nachahmer bezeichnen will, die aber der Datscha vom musikalischen Konzept und auch der Einrichtung her recht ähnlich sind. Das finde ich schön!

Ich komme mir ein bisschen vor wie ein erfolgreicher Missionar: Heute glaubt man in der Stadt an die DJ-Kneipe ohne Küche, ohne Techno und House, und ein Fernseher muss auch nicht sein! Vor drei Jahren wurde ich für dieses Konzept noch ausgelacht. Doch was man heute sieht, beweist doch einfach das Gegenteil.

Stehst du selbst noch ab und zu hinterm Tresen?


Albers: Nee, das nicht mehr. Am Anfang noch sehr viel: Ich hatte nur unerfahrene Leute eingestellt, die ich von Null an angelernt hab. Aber das läuft jetzt alles. Nur ab und zu erlaube ich es mir, ein bisschen mitzuwurschteln und die Tresenkräfte zu stören. Was ich immer noch mache, ist samstags als DJ selbst aufzulegen.

Die Datscha ist bis jetzt dein einziges Baby?


Bei Russland-Aktuell
• Gastronom Fopp: „Was bedeutet das: Eine Kneipe?“ (01.12.2006)
• Kneipentipp: Das ganze Jahr russischer Winter (17.10.2005)
• Deutsche Grundschule in Piter – mit einer Lehrerin (29.03.2007)
• Axel Schrick: In Uniform bin ich eben phantastisch (26.10.2006)
• Dagmar Lorenz: „Der offizielle Weg dauert länger“ (26.09.2006)
Albers: Ich hatte zwischendurch immer mal überlegt, noch was anderes aufzubauen. Doch wenn ich so hin und herüberlege, finde ich immer irgendwas, das nicht so passt. Bei der Datscha ist jetzt ja eigentlich nur noch Pflege und Wartung angesagt, doch irgendwie reicht das.

Eigentlich denke ich selbst, dass es nicht so viel Arbeit ist, aber am Ende bleibt irgendwie doch recht wenig Zeit und Energie übrig. Letztendlich bin ich lieber ungestresst und gesund, als noch drei weitere Läden zu betreiben und mit grauen Haaren am Stock zu gehen.

Abgesehen von der Datscha – wo verbringst du am liebsten deine Zeit?


Albers: Hmm, es ist ja schon so: Wenn man selbst ne Kneipe besitzt, geht man selbst nicht mehr so viel weg. Ich treffe mich mit Freunden am liebsten in irgendwelchen kleinen, günstigen georgischen Cafés. Und wenn nicht gerade irgendwo eine tolle Party oder ein Konzert ansteht, muss ich gestehen, dann bin ich auch wirklich gerne einfach mal zu Hause.

Was gibt es in der Stadt, das dich ab und an mal zu ein wenig Heimweh veranlasst?


Albers: Jetzt wird ja demnächst die 50-jährige Partnerschaft von Hamburg und Petersburg gefeiert. Ausgerechnet Hamburg! Da kommt schon ein bisschen Heimweh auf. Ansonsten fehlt nach wie vor ein schöner Ort zum Brunchen oder Frühstücken. Und das sprießende Grün im März. Der Frühling kommt hier zu spät.

Und andersrum: Was gibt es sonst nirgendwo und hält einen immer in Petersburg?



Albers: Die Datscha natürlich!

Anna-Christin, danke für das Gespräch!



(Interview: Hanno Heitmann/SPZ).

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