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Swwetlana Smirnowa spielt die Antigone (Foto: Marina Skorlupkina)
Swwetlana Smirnowa spielt die Antigone (Foto: Marina Skorlupkina)
Samstag, 03.03.2007

Antigone: Griechisch-russisch-deutsches Theater

St. Petersburg. Im „Theater Pokolenii“ inszeniert der deutsche Regisseur Eberhard Köhler gemeinsam mit Theaterleiter Danilo Korogodski die Tragödie „Antigone“ des antiken Autors Sophokles. Ein Besuch bei den Proben.

Der Chor hat das Schlusswort. Antigone starb, weil sie sich nicht den weltlichen Regeln des griechischen Staats Polis unterwerfen und die traditionellen Riten aufrechterhalten wollte. Die Bedenken König Kreons, der sie zum Tod verurteilte, kommen zu spät – sie bringt sich um und er verliert seine Familie. Der Chor verlässt den Raum. Die öffentliche Hauptprobe der Antigone am Theater Pokolenii ist zu Ende.

Nächste Aufführungen
Nach den Premierenaufführungen im Februar wird „Antigone“ jetzt wieder am 7., 9., 12. und 24. März aufgewührt- jeweils um 19 Uhr. Ort: Naryschkin-Bastion (unter dem Flaggenturm) in der Peter-Pauls-Festung Info-Tel. 312 01 80 oder 911/9828443
Eberhard Köhler, der deutsche Regisseur der Aufführung, saß ebenfalls im Publikum und begutachtete das Werk. „Es war schon recht gut, es gibt aber noch vieles zu ändern. Wissen Sie, die Augen eines Regisseurs sehen mehr als das Publikum. Und ein Regisseur ist nie zufrieden…“. Er wollte zwar nach der Premiere Anfang Februar wieder nach Berlin fliegen und sich einem israelischen Werk widmen, doch seine „Antigone“ wird ab März während der ganzen Saison aufgeführt werden.

Spielraum wie ein altes griechisches Theater


Die Inszenierung nutzt seine neuen Räumlichkeiten in der Naryschkin-Bastion der Festung voll aus. Der Prolog wird im Foyer gespielt; die Schauspieler leuchten sich gegenseitig mit Stirnlampen an.

Der Saal ist dann wie ein altes griechisches Theater bestuhlt: Die Szene befindet sich in der Mitte; die Zuschauer sitzen außen herum. Der Boden wird als Tafel benutzt und mit Kreide bemalt und beschrieben. Das Spiel ist interessant gestaltet und nutzt auch Nischen und Fenster aus. So geht ein Lachen durch den Raum, als Kreon durch eines der Fenster den Raum verlässt, und seinen Text draußen auf den großen Platz schreit.

Und bei deutschsprachigen Zuschauern kommt ein Schmunzeln auf, als Antigone die Worte „schuldig“ und „guilty“ auf den Boden schreibt, und Kreon versucht, es Russisch zu lesen und auszusprechen. Eine kleine theatralische Sprachlektion.

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Die Schauspieler des kleinen und charmanten Theaters sind mit großem Engagement und Freude bei der Arbeit. Einige sind seit der Gründung der Truppe Ende der 90er Jahre durch den renommierten Pädagogen und Regisseurs Sinovi Korogodski dabei. Als Leiter der Theaterabteilung der St. Petersburger Universität setzte er sich für eine ganzheitliche Ausbildung der Studenten und für ein Theater ein, das Kindern jeglicher Herkunft zugänglich ist. Dazu gründete er das Zentrum „Familie“ mit dem „Theater Pokolenii“ („Generationen-Theater“) als Kern. Heute ist sein Sohn Danilo Korogodski künstlerischer Leiter des Theaters, das auch deutschsprachige Werke aufführt.

Die Zusammenarbeit zwischen der Pokalenii-Theatertruppe und dem deutschen Regisseur Eberhard Köhler begann vor sieben Jahren in Los Angeles, wo Köhler den Bühnenbildner Danilo Korogodski kennenlernte. Bisher haben sie sieben Stücke inszeniert, davon eines in Berlin und drei in St. Petersburg – Sophokoles „Antigone“ ist die jüngste Produktion.

Regiearbeit mit Simultanübersetzung


Eberhard Köhler (li.) und Danilo Korogodski bei den Proben (Foto: Marina Skorlupkina)
Eberhard Köhler (li.) und Danilo Korogodski bei den Proben (Foto: Marina Skorlupkina)
Welche Unterschiede bestehen beim Einüben eines Stückes in verschiedenen Ländern? „Zum einen ist da die Sprache“, meint Eberhard Köhler. „Die Aufführung ist in russischer Sprache. Ich spreche allerdings eher schlecht Russisch. Als Danilo noch nicht da war, musste einer der Schauspieler alle Anweisungen und die Ideen der Schauspieler übersetzen. Mit Danilo habe ich zum Glück praktisch einen Simultanübersetzer. Ich selber habe vom Stück eine zweisprachige Version, mit der ich das Geschehen auf der Bühne verfolge. Dazu mache ich mir Notizen in Deutsch, Englisch oder sogar in Russisch. Und verliere dabei natürlich komplett den Faden.“

Qualität der Schauspieler in Russland besser


Ein weiterer Unterschied, so fügt Köhler an, sei die Qualität der Schauspieler. Im Westen erhalte man häufig lediglich einen oder zwei sehr gute Schauspieler. Hier in St. Petersburg stehen ihm mehrere ausgezeichnete Akteure zur Verfügung. Dies ist vor allem bei einem Stück wie Antigone wichtig, das Köhler wie im alten Griechenland mit lediglich zwei Schauspielerinnen und einem Schauspieler inszeniert, die acht unterschiedliche Rollen besetzen müssen. Ergänzt wird diese Besetzung durch den Chor, der als Berater und als Sprachrohr des Autors wirkt.

Angstfreier Raum ohne Intendanten


„Die Rolle des Theater-Intendanten spielt auch eine wesentliche Rolle“, meint Köhler. „Dadurch, dass ich hier im Theater ohne Druck des Intendanten, meines Freundes Danilo, arbeiten kann, entsteht ein ‚angstfreier Raum’. Die Schauspieler bringen sich wesentlich mehr ein; machen mehr Vorschläge als im Westen. Dort herrscht eine gewisse Angst vor dem Intendanten, dem ‚Mann im Seidenanzug’, der ja auch das Budget verwaltet. Fällt jemand negativ auf, kann es durchaus sein, dass er später aus Spargründen nicht mehr eingesetzt wird.“

Ganz anders ist die Situation laut Köhler bei der Infrastruktur. Während diese zum Beispiel in den Vereinigten Staaten manchmal fast zu perfekt sei, wirke in Russland alles etwas provisorisch.

Dies sei auch im neuen Pokalenii-Theater in der Festung der Fall, das erst im August von der Truppe bezogen und selbst instand gesetzt worden sei. Daher fehle es manchmal hier oder dort an etwas, so Köhler. „In Russland wird bis zur letzten Minute improvisiert – aber am Ende klappt es immer.“ (Pascal Moormann/SPZ)


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