Unterwegs - bemalte Reisetaschen als Symbole für die Globalisierung. (Foto: eva/.rufo)
Dienstag, 13.12.2005
Dt.-Russisches Künstlertreffen: Pinsel im Gepäck
St. Petersburg. Das Deutsch-Russische Austauschzentrum (DRA) zeigt eine Ausstellung mit Arbeiten von Künstlern aus Petersburg und Berlin. Sie machen sichtbar, was bei der Berührung von Ost und West entsteht.
Es ist zwar nur als originelle Beschriftung gedacht, doch die kleine graue Fotokopie eines russischen Visums neben jedem Werk, auf der Autor und Titel festgehalten sind, prägt die Ausstellung deutlich. Dieses Stück Papier steht gleichzeitig für alles Verbindende und alles Trennende zwischen Ost und West, für Öffnung und Misstrauen, für Berührungsängste und Dialog - Kontakt ist möglich, aber nur limitiert. Zwei Felder schieben sich zur Hälfte übereinander, und es entsteht ein „Polpolya“, ein halbes Feld.
Die Kunst als Spielwiese zwischen den Kulturen. (Foto: eva/.rufo)
Zustand zwischen Grenzen und Kulturen
Unter diesem Titel haben sich am vergangenen Wochenende im DRA-Konferenzsaal vier Petersburger und fünf Berliner Künstler der Muchina-Akademie und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee getroffen und untereinander und mit ihrem Publikum diskutiert. Im Zentrum der Eröffnungsfeier und des Werkstattgesprächs, an denen über jenen „menschlichen Zustand zwischen Grenzen, Staaten und Kulturen“ gesprochen wurde, standen Bilder und Installationen, die während des Austauschprojekts entstanden sind.
Reisende Leinwände
Ausstellung und Forum sind die Fortsetzung des russisch-deutschen Kulturprojekts „Remigration“, das im Juni in der Peter- und Paulsfestung stattgefunden hat. Dabei waren nach Deutschland ausgewanderte Russinnen und Russen in ihre Heimat „zurückgekehrt“ hatten die russische Kunstszene in Deutschland vorgestellt.
Urbane Graffitikultur: „Der schmutzige Rat“ von Pavel Pominschuk. (Foto: eva/.rufo)
Am klarsten bringen die bemalten Reisetaschen von Nastia Jelisejewa in der Ausstellung das kulturelle Hin und Her auf den Punkt. Auf ihren „reisenden Leinwänden“ sind Dinge und Menschen angedeutet. Verwischte Farben und Linien zeigen Geschwindigkeit und Bewegung auf, die ein wichtiges Element der heutigen Reise- und Begegnungskultur sind. Ebenso wie für unbegrenzte Mobilität können sie für Oberflächlichkeit und das kulturelle Einerlei der globalisierten Gesellschaft stehen.
Urbane Fantasiewelt zwischen Schwarz und Weiß
Die Wildheit urbaner Graffitikultur steckt in Pavel Pominschuks Cartoons - Szenen, wie „Liebe im Ölmeer“ oder „Der schmutzige Rat“ zeigen die Fantasiedialoge schwarzweißer Köpfe. Mit sehr knappen Mitteln geht Michael Otto das Thema Konsumwelt an - ein Preisschild, in Bleistift auf weißem Papier gezeichnet, bildet den ganzen Inhalt eines Bilds in „Interferenz 87“.
Spielwiese zwischen den Kulturen
„Russland ist ein weites Feld. Das Feld reitet man nicht ab wie einen Parcours, sondern reitet und reitet, bis man versteht, dass es nicht darauf ankommt, wohin man reitet. Wichtig ist allein, dass man reitet.“ Mit diesem Motto werden dem Städtischen in einem Riesengemälde die Weite und das Land entgegengestellt. Zwei Kinder mit Schaukel und Bauklötzen entschärfen den Ernst von Gegensätzen und Auseinandersetzungen und machen das Feld zwischen den Kulturen zu einer Spielwiese. Die Ausstellung ist noch bis am 26. Dezember, jeweils während der Veranstaltungen des DRA geöffnet, Anmeldung erwünscht (Telefon 718 37 93, www.obmen.org).
(eva/.rufo)
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