Donnerstag, 14.07.2005

Peter der Übergroße kommt ins Lager

Kein Platz fur den Zaren: Das Peter-Denkmal von Zereteli wird jetzt abgeraumt. (foto: Deeg/rufo)
St. Petersburg. Wie ein Mann verweigern die Petersburger Behörden die Aufstellung einer gigantischen Statue von Zar Peter I.: Nachdem die Verbannung des Werkes von Surab Zereteli scheiterte, wird es jetzt eingelagert.
Nicht nur, dass der ziemlich scheußliche und noch dazu sechs Meter hohe Bronze-Zar nicht ins Stadtbild passt. Er macht es auch noch kaputt: Sein Gewicht zerdrückt langsam, aber sicher die Treppe vor der Manege, wo die Statue seit einer Zereteli-Werkschau im April steht.

\'Überlang
Dieser Standplatz war eher provisorisch gewählt, denn „Peter der Übergroße“ passte schlichtweg nicht durch die Türen des Ausstellungssaals. Aber da die Figur nun schon einmal da war, nutzte Surab Zereteli, vor allem bekannt als „Hofbildhauer“ des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, die Gelegenheit, sich den Rücktransport zu sparen Ц und schenkte die Peter-Statue der Stadt.

Bislang waren Zeretelis Versuche, mit seinen künstlerisch schlichten, aber dafür umso üppiger dimensionierten Monumentalwerken in St. Petersburg Fuß zu fassen, immer von der Stadt abgebogen worden. Doch bei der Ausstellung ließ sich Gouverneurin Valentina Matwijenko von dem umtriebigen Georgier um den Finger wickeln: Angesichts des geschenkten Gauls brachte sie es nicht fertig, nein zu sagen.

Zereteli will ins Zentrum

Damit hatte Petersburg ein Problem: Wohin mit dem zwei Stockwerke hohen Riesen? Zereteli selbst wünschte sich einen prominenten Platz im historischen Zentrum der Stadt und nannte einige Standorte. Doch da legten sich die Denkmalschützer quer: Ins gewachsene Stadtbild sei das Monstrum beim besten Willen nicht zu integrieren.

Als Kompromissvariante schlug das Denkmalschutzamt das Areal vor dem nicht minder gigantomanischen Hotel Pribaltijskaja vor. Doch angesichts dieser Neubauwüste wünschte sich Zereteli hier einen ebenso hohen wie teuren Sockel unter sein Werk. Auch das kommunale Städtebau-Komitee legte sich quer: Die Stadtplaner haben eigene Vorstellungen, wie dieses Territorium gestaltet werden soll.

Schließlich kam der Fall vor die für derartige Probleme zuständige „Kommission für Denkmalaufstellung des Gesellschaftlichen Beirates“ der Stadtverwaltung. Unter den dort versammelten Intellektuellen fand Zeretelis Werk erst recht keine Freunde: Nach einer ersten Beratungsrunde schlug der Beirat allen Ernstes vor, die Statue in der Festung Oreschek bei Schlüsselburg aufzustellen. Historisch wäre das durchaus angebracht: Mit der Einnahme der schwedischen Zwingburg am Ausfluss der Newa aus dem Ladogasee hatte Zar Peter seinerzeit die Voraussetzung für die Gründung Petersburgs geschaffen. Der Zar und seine Nachfolger nutzten die Festung dann aber vor allem als Gefängnis.

Festungshaft für Peter den Großen?

Zereteli ignorierte diesen Vorschlag, den er Ц zu Recht - als Festungshaft und Verbannung in einem empfunden haben muss. Auch wenn die Burganlage eine Filiale des Museums für Stadtgeschichte ist, so ist sie doch gut 50 Kilometer von Alt-Petersburg entfernt. Anstatt sich Oreschek auch nur einmal anzusehen, schickte Zereteli Anfang Juli der Gouverneurin eine neue Liste mit potentiellen Standorten Ц aber die waren wieder alle im Stadtzentrum.

Da auf diese Weise im Standortschacher vorerst keine Einigung zu erzielen ist, beschloss der Denkmals-Beirat nun auf einer zweiten Sitzung, den Bronze-Peter erst einmal aus dem Weg zu räumen: Offizielle Begründung: Das Manege-Portal sei der statischen Belastung nicht länger gewachsen. Das ungeliebte Geschenk Ц es wäre das 20. Peter-I.-Denkmal in St. Petersburg - soll nun bis zur Entscheidung seines Schicksals auf dem Werksgelände der Gussfirma „Monumentskulptura“ eingelagert werden. Parallel will man versuchen, Zereteli mit netten Briefen vielleicht doch noch für Schlüsselburg zu gewinnen.

(ld/rufo)