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Foto: Die Peter-und-Pauls-Festung in den Weißen Nächten (foto: Deeg/rufo)
Foto: Die Peter-und-Pauls-Festung in den Weißen Nächten (foto: Deeg/rufo)
Mittwoch, 08.06.2005

REmigration: Kultureller Re-Import aus Germanija

St.Petersburg. Vom 10.-12. Juni präsentiert sich die russische Kulturszene Deutschlands am Strand der Peter-und-Paul-Festung. Das Kulturfestival „REmigration“ vermittelt deutsch-russisches Multikulti als Beachparty.

Russische Künstler aus Deutschland zu Gast bei deutschen Veranstaltern in Russland: „Es ist super, wie viele interessante Bewerbungen eingegangen sind“, freut sich Hanno Gundert, der Büroleiter des Deutsch-Russischen Austauschs (DRA). Über 40 Künstler haben sich für das Kultur-Projekt „REmigration“ beworben. 16 Programmpunkte wurden ausgewählt, um in St. Petersburg vorgestellt zu werden.

Die Open-Air-Veranstaltungen am Strand
Freitag, 10. Juni:
18 Uhr: Poetry slam \"Berlin vs. St. Petersburg\",
20 Uhr: Konzert \"Deti Picasso\" (Moskau)

Samstag, 11. Juni:
21 Uhr: \"Nowyje Kompository\"; Visual Music Valerija Alachowa (Petersburg) und Holophonic (Hamburg)

Sonntag, 12. Juni
19 Uhr: \"Architektur ohne Grenzen\", Vorstellung von Architektur-Installationen,
20 Uhr: \"Jana Mishenina and the United Color Ensemble\", Ethno-Jazz aus Hamburg.
Es handelt sich dabei um junge russische Künstler, die aber in Deutschland leben: Musiker, Schriftsteller, Film- und Theatermacher. Drei Tage werden sie ihre Werke an einem ganz besonderen Platz an der Newa präsentieren: Open Air auf einer Bühne am Ufer der Peter-und-Paul-Festung. Dort wird ein russischer Architekturstudent zudem Installationen mit Kiosk-Häuschen präsentieren: als Kunstobjekt und Teil des Veranstaltungsorts. Weitere Events finden in der Kultur-Katakombe „Kasemat“ tief in der Festungsmauer statt.

Die Idee zu dem Projekt bestehe bereits seit zwei Jahren, erklärt Mit-Organisator Gundert. „Es gibt eine sehr lebendige russische Kulturszene in Deutschland.“ Wunsch ist es, die „Kulturszene in Deutschland und St. Petersburg zusammen zu bringen“. Im vergangenen Jahr gab es die erste Veranstaltung im Rahmen der „Deutschen Kulturtage“, jedoch in vergleichsweise kleiner Ausführung:
Bei Russland-Aktuell
• www.kriegsende.aktuell.ru
Zwei russische Bands spielten damals eine kleine Konzertreihe. Doch stießen sie damit auf solch positive Resonanz, dass der DRA entschied, in diesem Jahr im größeren Format mehr Künstler an die Newa zu holen. Anlass ist der 60. Jahrestag des Kriegsendes, in diesem Zusammenhang soll auch ein Gespräch zum Thema „Erinnerung“ stattfinden.

Die Low-Budget-Veranstaltung ist nichts für Spesenritter

Als Mitveranstalter hat der Verein das deutsche Generalkonsulat gewinnen können. „Trotzdem ist ‚REmigration’ ein Low-Budget-Projekt“, erklärt Gundert. Die Künstler bekommen einen Pauschalbeitrag von 400 Euro für Flug und Visum. Außerdem erhalten sie Unterstützung bei der Wohnungssuche. Gundert kennt kein anders Festival, dass mit so wenig Geld auskommt, sagt er. Deshalb seien es auch nicht die großen Stars der Szene, die in der Newa-Metropole erwartet werden, sondern der engagierte Nachwuchs.

Zu den Programmpunkten wird ein deutsch-russischer Poetry-Slam zählen, bei dem anschließend das Publikum über die vorgetragenen Werke abstimmen muss. Ebenso ist eine Buchpräsentation einer Petersburgerin Autorin geplant, die Briefe an eine Freundin in Berlin schreibt. Auf den Festungsmauern sollen deutsche und Petersburger Fotografen ihre Bilder ausstellen. Eine Diskussion wird Kunst und Emigration zum Thema haben.

„Ein junges Festival“

Weiter sind Theater und Video-Aufführungen geplant, drei Bands werden die Veranstaltungstage musikalisch begleiten. Außerdem stehen Filmprojekte auf dem Programm, in denen Künstler ihre Stadt mit den Augen der Weggezogenen betrachten.

„Alle jungen Leute aus Piter“ will Gundert damit ansprechen, Russen, die sich für Deutschland interessieren, ebenso wie deutsche Einwohner und kunstinteressierte Touristen. „Es ist ein junges Festival“, sagt der Mit-Organisator. Die Besucher sollen einen angenehmen und unterhaltsamen Tag am Strand verbringen.


Das Festival wolle vor allem der Frage nachgehen, was junge Russen machen, die nach Deutschland ausgewandert sind, erläutert Gundert. „Austausch und Begegnung zwischen Emigrierten und Hiergebliebenen“ soll ermöglicht werden. Und wenn diese Begegnung so gut läuft wie die Bewerbungsphase, wird es auch im kommenden Jahr eine Neuauflage geben und „REmigration“ wohl zur jährlichen Veranstaltungsreihe werden.

(Oliver Bilger/SPZ)


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