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Ein Kellereingang im Hinterhof - und daneben eine Gedenktafel für Viktor Zoi: Hier gehts nach Kamtschatka (Foto: ld/rufo)
Ein Kellereingang im Hinterhof - und daneben eine Gedenktafel für Viktor Zoi: Hier gehts nach Kamtschatka (Foto: ld/rufo)
Donnerstag, 10.05.2007

Rock-Geschichte: Viktor Zois "Kamtschatka" bedroht

St. Petersburg. Plätzen wie dem Heizungskeller, in dem einst Rock-Idol Viktor Zoi am Heizkessel stand, verdankt Petersburg seine Ruf als „Heimat des russischen Rocks“. Nun ist der Kellerclub namens „Kamtschatka“ in Gefahr.

Die Sowjetunion Anfang/ Mitte der 80er Jahre: Noch hat Gorbatschows Tauwetter die festgefressenen Strukturen nicht aufgeweicht. Noch können sich „nichtformale“ kritische Geister – seien sie Künstler oder Musiker – nicht frei entfalten. Um nicht als Landstreicher oder Arbeitsverweigerer belangt zu werden, braucht man eine offizielle Anstellung.

Heizungskeller – die Keimzellen der sowjetischen Untergrundkultur


Zois Gitarre hinter Glas wacht über das Geschehen im Kamtschatka (foto: ld/rufo)
Zois Gitarre hinter Glas wacht über das Geschehen im Kamtschatka (foto: ld/rufo)
Viele der Leningrader Intellektuellen nahmen damals einen Job als Heizer in den vielen Heizungskellern oder kleinen dezentralen Heizwerken in der Innenstadt an. In einer solchen „Kotelnaja“ hatte man – erst recht nachts – seine Ruhe, konnte dichten, musizieren und ungestört Freunde einlassen. Hier war es auch im tiefsten Winter warm und trocken und solange der Heizkessel richtig bullerte, beschwerte sich schließlich niemand. Faktisch waren die Heizkeller der Nährboden des Leningrader Untergrunds.

Eine der berühmtesten Kultur-Kotelnajas befand sich unter einem Wohnheim in der Uliza Blochina 15 auf der Petrograder Seite. Hier stand auch Viktor Zoi am Kessel – der Leadsänger der legendären Rockgruppe „Kino“, die damals noch im Untergrund agierte. In dem „Kamtschatka“ getauften Heizungskeller leistete ihm damals manche Gesellschaft, die auch heute noch in der russischen Musik-Szene Rang und Namen haben: Swjatoslaw Saderij („Alisa“, „Nate!“), Boris Grebentschikow („Aquarium“) oder Juri Schewtschuk („DDT“).

Rock-Idol Viktor Zoi starb den James-Dean-Tod


Zoi wurde zum vergötterten Idol des sowjetischen Rock – nicht nur dank seines schwermütigen, damals enorm beliebten Hardrocks, sondern auch wegen seines tragischen Tods: Er starb im Sommer 1990 bei einem Autounfall in Lettland.

Zois Ruhm lebt weiter bis heute – und auch der Heizkeller mit dem Namen der fernen russischen Vulkanhalbinsel im Pazifik wurde nicht vergessen: 1999 wurde er stillgelegt, auch die Bewohner des Wohnheims wurden nach und nach ausgesiedelt.

“Kamtschatka“ heute: Kleine Bühne und Zois Gitarre hinter Glas


2003 nutzen Zoi-Fans und einstige Weggefährten die Möglichkeit und mieteten den Heizkeller für zehn Jahre an: Das „Kamtschatka“ wurde als Musikclub mit integriertem Zoi-Museum wiedergeboren. Wichtigstes Exponat ist eine hinter Glas ausgestellte Original-Gitarre des großen Meisters.

Jeden Abend finden unter der rußschwarzer niedrigen Decke in höchst rustikaler Atmosphäre Konzerte statt – keine großen Gigs, sondern meist Auftritte junger Bands und weniger dem Mainstream entsprechender Musiker.

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Doch nun schlugen die Kamtschatka-Betreiber Alarm: Die Stadt hat das weitgehend geräumte Wohnheim an einen Investor übergeben, der es nach seinem Gusto renovieren und umgestalten darf. Die Lage ist gut, ein Business-Center oder eine noble Wohnanlage wie auf dem Nachbargrundstück würden sich hier rentieren. Die Erhaltung des „historischen“ Heizkellers wie auch die Existenz eines Keller-Rockclubs sind in solcher Umgebung kaum vorstellbar.

Bei einer Sanierung passt der Rock-Keller kaum ins Konzept


Über die Zukunft des Kamtschatka-Kellers machte sich dabei bislang niemand große Gedanken: „Wir dachten, die Gedenktafel an der Fassade ist genug“, gestand Juri Salnikow, Generaldirektor der Immobilienfirma „Gradostroitel“.

Ein Platz für Unkonventionalität. Diese beiden Rockmusiker traten mit Pappnasen auf (Foto: ld/rufo)
Ein Platz für Unkonventionalität. Diese beiden Rockmusiker traten mit Pappnasen auf (Foto: ld/rufo)
Das Problem dabei ist, dass der Keller trotz seiner – zumindest für die Rockmusik – grundlegenden Bedeutung offiziell keinen besonderen Status genießt: Das „Kamtschatka“ ist bei der Stadt weder als Denkmal, schützenswerte kulturelle Einrichtung noch als Museum registriert. Und für den Investor ist es eben nichts mehr als ein ehemaliger Heizungskeller, dessen Mietvertrag man nun vorzeitig wegen der Generalsanierung kündigen möchte.

Und wer wäre bereit, für den Erhalt zu kämpfen?


Die Nachricht vom anstehenden Ende des „Kamtschatka“ kam in Russlands Medien groß heraus. Zum Schutz des Clubs meldeten sich viele zu Wort, etwa der Musiker Wladimir Rekschan: „Dies ist nicht nur Kulturgeschichte, sondern auch ein Teil der Geschichte Petersburgs und Russlands. Wenn wir wegen irgendwelcher wirtschaftlichen und kurzfristigen Gewinne dies verschleudern, dann leben wir bald in einer Retortenstadt, in der es viele wunderbare Häuser gibt, aber in diesen Gebäuden ist keine Geschichte, keine Seele, kein Petersburg.“

Ob derartige Appelle den Museums-Club allerdings retten können, ist fraglich. Denn ein Mekka der heutigen Petersburger Musikfans ist das „Kamtschatka“ ganz offenbar nicht: Als am letzten Wochenende dort ein „Festival des akustischen Rocks“ stattfand, waren unter den Zuhörern wohl kaum mehr anderthalb Dutzend zahlende Gäste – und dies trotz der umfangreichen Berichterstattung über den drohenden Tod des Clubs.

(Lothar Deeg/rufo/St.Petersburg)


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