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Schwarzer Peter: Zeretelis Skulptur wollte niemand haben. (Foto: eva/.rufo)
Schwarzer Peter: Zeretelis Skulptur wollte niemand haben. (Foto: eva/.rufo)
Mittwoch, 27.09.2006

Surab Zereteli setzt sich ein neues Denkmal

St. Petersburg. Trotz höflichster Gegenwehr der Stadt gelang es dem Bildhauer Surab Zereteli, auch in Petersburg eine Skulptur unterzubringen. Sein „Geschenk“, ein riesiger Peter der Große, wurde jetzt enthüllt.

Zusammen mit der Gouverneurin Valentina Matwijenko zog Zereteli das Tuch von der Tafel am Sockel. Doch trotz vieler Zuschauer und schöner Reden konnte er sich nicht so richtig über den Anlass freuen, der ein einjähriges, peinliches Vorspiel um den Standort der Plastik gehabt hatte. Die Affäre begann im Frühling vergangenen Jahres als der Künstler seinen sechs Meter hohen Bronze-Peter vor die Manege-Halle gegenüber der Isaaks-Kathedrale pflanzte und damit großes Aufsehen erregte. Die Statue war schlichtweg zu groß, um in die Ausstellung Zeretelis gebracht zu werden und blieb deswegen draußen an der Luft.

Nicht bestellt und dann doch abgeholt


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Als sich Zereteli mit den Worten „ich fahre zurück nach Moskau, und Peter der Große bleibt hier“ verabschiedete, war der Skandal perfekt. Nicht nur die Skulptur selbst, eine gesichtslose Nullachtfünfzehn-Figur des Zaren mit Gründungsurkunde in der Hand, stieß bei einem Teil der Bevölkerung und in Kunstkreisen auf schroffe Ablehnung. Empörung rief vor allem jene Liste hervor, die Zereteli zusammen mit seinem Geschenk hinterlassen hatte, auf der seine Wunschstandorte festgehalten waren – alle wohlweislich im historischen Stadtzentrum gelegen.

Ganz offensichtlich wollte sich der Präsident der Akademie der Künste und Günstling des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow auch hier ein Denkmal setzen, das nicht zu übersehen war. Obschon nicht bestellt, wurde die Peter Statue erst einmal abgeholt und weggestellt, zum einen weil sie für zu viele unangenehme Fragen sorgte, zum anderen, weil sie durch ihr Gewicht den Untergrund zu beschädigen drohte.

Zereteli – vom Volk geliebt, in Fachkreisen umstritten


Volkskünstler: Zereteli wurde an der Einweihungsfeier von Autogrammjägern umringt. (Foto: eva/.rufo)
Volkskünstler: Zereteli wurde an der Einweihungsfeier von Autogrammjägern umringt. (Foto: eva/.rufo)
Die Diskussion um das Schicksal der Skulptur, welche zunächst vor allem durch Journalisten und Kunsthistoriker in den Medien bestritten worden war, wurde nun durch die Politiker und Kulturfunktionäre weitergeführt. Diese taten sich schwer mit einer Lösung, denn niemand in der Stadtregierung wollte sich durch diese lästige Angelegenheit Sympathien verscherzen.

Zereteli, der bereits Moskau mit einer gigantischen Plastik Peters des Grossen am Moskwa-Ufer beehrt hat und dessen Werke in einer ganzen Reihe russischer Städte stehen, erfreut sich großer Popularität sowohl im Volk wie auch unter den Mächtigen. Außerdem war es unmöglich, einer Figur, die der Stadt ihren Namen gegeben hatte, einen schlechten Standort zuzuweisen, geschweige denn sie abzulehnen. Andererseits wollte sich in der „Kulturhauptstadt“ niemand als Kunst-Banause outen, da Zeretelis dekoratives und volkstümliches Schaffen in Fachkreisen sehr umstritten ist.

Monumental-Skulptur vor Monumental-Architektur: Die Statue passt an ihren Standort vor dem Hotel Pibaltiskaja. (Foto: eva/.rufo)
Monumental-Skulptur vor Monumental-Architektur: Die Statue passt an ihren Standort vor dem Hotel Pibaltiskaja. (Foto: eva/.rufo)
Einig war man sich nur in einem Punkt: Zeretelis Werk konnte nicht im Zentrum untergebracht werden. Auf den Vorschlag des Schauspielers Juri Tolubejew, das Denkmal doch in Kronstadt, der Festungs- und Flottenstadt Peters des Grossen, aufzustellen, antwortete der Präsident der städtischen Kulturkommission, Nikolai Burow voller Ironie: „Wo denken sie hin – dort leben doch auch Menschen!“ Auch Schlüsselburg, die erste Festung an der Newa, wurde als Lösung gehandelt, doch passte dieser Standort Zereteli nicht.

Hier, und nirgendwo sonst


Der Kompromiss-Standort liegt weit und doch nicht zu weit weg vom Stadtzentrum, auf dem Platz vor dem Hotel „Pribaltiskaja“, einem monumentalen Plattenbau auf der Wassili-Insel.
Matwijenko und allen anderen Rednern stand an der Einweihungsfeier die Erleichterung ins Gesicht geschrieben – alle schienen nur das eine sagen zu wollen: „Hier, und nirgendwo sonst sollst Du stehen“. Die Feier mit Militärmusik, Kanonenschüssen und Feuerwerk entsprach in jeglicher Hinsicht dem Monument – pompös, banal und nicht sehr schön.

(eva/.rufo)

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