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Leningrad 1937 - so sah der Maler I. Wladimirow die Stadt in der Hochzeit des Stalinschen Terrors. (Foto: vvv.ru)
Leningrad 1937 - so sah der Maler I. Wladimirow die Stadt in der Hochzeit des Stalinschen Terrors. (Foto: vvv.ru)

80 Jahre Leningrad – ein fast vergessenes Datum

Von Susanne Brammerloh, St. Petersburg. Hieße die Stadt noch Leningrad, würden wir in diesen Tagen ein weiteres Jubiläum begehen – vor 80 Jahren starb Lenin und wenige Tage danach erfolgte die Umbenennung von Petrograd in Leningrad. Im heutigen St. Petersburg erinnert sich kaum jemand an dieses in historischer Hinsicht sehr interessante Ereignis.

Petersburg, Petrograd und Leningrad – wem das alles zu schwierig ist, sagt eh einfach nur Piter. Das hat Seltenheitswert in der Welt – eine Stadt mit vier verschiedenen Namen! Bis 1914 war der offizielle Name St. Petersburg, ab dem 18. August 1914 Petrograd (denn Petersburg klang zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu deutsch), seit dem 26. Januar 1924 Leningrad.

Den Schlusspunkt in diesem verwirrenden Namens-Karussell setzte der Erlass vom 6. September 1991, der Newa-Metropole ihren Geburtsnamen (St. Petersburg) zurückzugeben.

Von oben verordnet


1914 war die Initiative von Zar Nikolaus II., der russischen Hauptstadt im Angesicht des deutschen Feindes einen richtig russisch klingenden Namen zu verleihen, auf die ungeteilte Begeisterung der patriotisch aufgeheizten Volksmassen gestoßen.

1991 hatten die Leningrader sich in demokratischer Abstimmung für die Rückbenennung der Stadt in St. Petersburg ausgesprochen. Im eisigen Januar 1924 griff Stadt-Parteichef Gigori Sinowjew die Appelle aus den großen Fabriken auf, der Stadt den Namen Lenins zuzusprechen.

Herauszufinden, ob die Arbeiter dies freiwillig taten oder auf Druck der Parteileitung handelten, würde ein paar Sitzungen im Stadtarchiv lohnend machen.

„Ich schlage vor, Genossen…“


Ein Blick in die Details: Am 21. Januar war der „Führer des Weltproletariats“ Wladimir Lenin gestorben. Und so stand es bisher in den Geschichtsbüchern: Kaum war die Nachricht darüber eingetroffen, kamen in allen großen Werken von Petrograd die Arbeiter zu Trauer-Kundgebungen zusammen.

In Resolutionen forderten sie die Umbenennung der Stadt in Leningrad. Sinowjew trat daraufhin vor dem Stadtsowjet auf und forderte: „Ich schlage vor, Genossen, auf der heutigen Sitzung des Petrosowjets zu beschließen, die Stadt Petrograd in Leningrad umzubenennen...“

Gesagt, getan. Das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei in Moskau bekam ein Telegramm mit der Bitte, diesen Beschluss eiligst abzusegnen. Am 26. Januar kam die Antwort: „Der II. Rätekongress der UdSSR hält es für völlig gerechtfertigt, der Bitte des Petrograder Sowjets [...] um die Umbenennung der Stadt Petrograd in Leningrad zu entsprechen.“

Einfach nur „Lenin“


So weit, so gut. Die Tageszeitung „Sankt-Peterburgskije wedomosti“ veröffentlichte vor wenigen Tagen einen Ausschnitt aus der „Krasnaja gaseta“ von 1924, aus dem hervorgeht, dass eben doch nicht eitel Einigkeit herrschte um den zukünftigen Namen der Stadt: „Keinen Arbeiter befriedigt der gekünstelte Name ‚Leningrad‘.

Bei Russland-Aktuell
• Geschichte Russland: Leningrad wird St. Petersburg (06.09.2009)
• Geschichte Russland: Lenin kommt nach Petrograd (16.04.2009)
• Kein Treffen mehr an der Ecke 25. Oktober und 3. Juli (13.01.2009)
• Russische Oktoberrevolution: Das Pulverfass explodiert (05.11.2007)
• Der lange Weg von Leningrad nach Petersburg (14.09.2006)
Wahrlich, was hat unser revolutionärer Lehrer gemein mit dem Wort ‚grad‘, das an die Kirchengesänge der ausgedienten Popen, die nationalistischen Bestrebungen der damals an der Macht stehenden Bourgeoisie und wer weiß was noch erinnert, nur nicht an die Ziele und Aufgaben der Arbeiterklasse.“

Als Alternative wird kurz und bündig „Lenin“ angeboten – „einfach und verständlich für jeden Arbeiter und Bauern“.

Es hätte also auch ganz anders kommen können, und die Stadt an der Newa wäre 67 Jahre ihres Lebens mit Uljanows Pseudonym „Lenin“ durch die Welt gewandelt. Aber es kam, wie es kam.

Zwangsmaßmahnen setzen neue Bezeichnung durch


Jubel war im Januar 1924 allerdings nicht zu hören gewesen, von demokratischer Abstimmung ganz zu schweigen. Ganz im Geiste des kommunistischen Regimes war die Umstellung auf den neuen Namen von Zwangsmaßnahmen begleitet.

Die Post wurde angewiesen, nach Ablauf von sieben Tagen Briefe mit der Aufschrift „Petrograd“ nicht mehr zuzustellen. Es erging der Befehl, in Privatgesprächen „Leningrad“ zu sagen.

Die Newa schäumt über vor Wut


Über die sowjetische Umbenennungswut hat sich damals eigentlich nur ein einziger Bewohner der Stadt gründlich und folgenreich aufgeregt – die Newa!

Eine Anekdote erzählt, sie sei im September 1924 nur deshalb so mächtig über die Ufer getreten (es war die zweitgrößte Überschwemmung in der Geschichte von St. Petersburg-Petrograd-Leningrad-Piter), weil sie erfahren hatte, dass man sie in „Rosa Luxemburg“ umbenennen wollte...



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