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Wie Peter sein "Piterburch" aus dem Sumpf stampfen ließ: Von der Festung zur europäischen Metropole

Erst schnitt er den Bojaren die Bärte ab, dann öffnete er sein Fenster nach Westen: Dem jungen und energischen Zar Peter I. war es im rückständigen, altbackenen Moskau zu eng; er wollte sein Land an die westeuropäischen Entwicklungen heranführen, wobei es ihm ganz elementar an einem Zugang zum Meer mangelte.

Den Hafen trotzte er im Frühjahr 1703 den Schweden im Delta der Newa ab. Sogleich legte er den Grundstein zu der "Festung und Stadt St. Piterburch".

Die Gegend war fast unbewohnt, bedeckt von Wäldern und Sümpfen und von zahllosen Wasserarmen und -ärmchen durchzogen. Kaum blies ein steifer Westwind, stieg dieses Wasser an und überschwemmte die niedrigen Ufer.

"Hier soll eine Stadt entstehen..."

Eine Festung mochte ja angehen, aber dem Zaren schwebte Großes vor: ein Militärstützpunkt, Flottenbauplatz, Handelszentrum... Schon bald erwachte in ihm die Idee, aus der chaotischen Ansiedlung von Holzhäusern, die Petersburg damals ausmachte, eine steinerne und goldglänzende Hauptstadt zu errichten. Für ihn war es "das Paradies", wie er die Stadt in vielen Briefen aus der Anfangszeit Petersburgs bezeichnete. Für die zwangsweise aus dem ganzen Land herangezogenen Arbeiter war es wohl eher die Hölle. Sie hausten in Erdhütten, litten unter mangelnder Ernährung, im Winter an Kälte, im Sommer an der Plage von Mücken und Seuchen. Ständig waren sie der Gefahr durch Hochwasser ausgesetzt, das immer wieder das gerade mühsam dem Sumpfboden abgerungene Baugelände zerstörte.

"Soll Petersburg zu einer Wüste werden..."

Die unmenschlichen Bedingungen, die titanischen Anstrengungen, "das Herz des Staates in der Fingerspitze unterzubringen" (Denis Diderot), gebaren den Mythos Petersburgs, der in Prophezeiungen von seinem baldigen Untergang in den Fluten gipfelte - die geschundene Natur würde sich ihr Eigentum zurückholen und den Menschen in seine Schranken weisen.

Doch hatte der Stadtmythos auch eine positive Seite: die in Windeseile aus den Unwirtlichkeiten der Natur entstandene Metropole wurde zum Symbol des jungen, starken russischen Staates.

Diese Ambivalenz begleitet die Stadt durch ihre ganzes Leben. Licht und Schatten, Hell und Dunkel – "Stadt des Prunkes, Stadt der Nöte", wie Alexander Puschkin schrieb, der in seinem dichterischen Werk als erster diese beiden Seiten des Petersburger Wesens zu einer Synthese brachte.

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Wie dem auch sei, eines ist klar: Als Peter I. 1725 starb, hatte sich die Stellung der neuen Stadt so weit gefestigt, daß selbst der zeitweilige Rückzug von Zar Peter II. (1727-1730) nach Moskau die Zeit nicht zurückdrehen konnte.



Petersburg behauptete seine Vorherbestimmung, und in den folgenden Jahrzehnten wuchs es zu einer glänzenden europäischen Metropole heran.



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Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



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