Ein Leben für den Zaren: Michail Glinka wurde mit seinen Werken nach Motiven aus der russischen Geschichte und Mythologie berühmt. (Foto: PD)
Junge, aber ruhmreiche Musikgeschichte
Die Voraussetzungen für Peterburgs Glanzrolle auf den Gebieten Musik und Tanz im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren der Bau des Mariinski-Theaters 1783 und die Eröffnung des Konservatoriums 1862. Die beiden Institutionen gelten bis heute als musikalische Talentschmieden von Weltrang.
Hauptinitiator für die Gründung der ersten russischen Musikhochschule war der Komponist und Pianist Anton Rubinstein (1829-94). Neben Rubinstein war der Inspektor der russischen Flottenmusik Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908) einer der wichtigsten Lehrer am Konservatorium. Bekannte Musiker, wie zum Beispiel Sergej Prokofjew (1891-1953), der Schöpfer von „Peter und der Wolf“, waren seine Schüler.
Geniale Musik eines Autodidakten
Populäre Opernwerke nach Motiven aus der russischen Geschichte und Mythologie komponierte Michail Glinka (1804-1857). Noch heute werden im Mariinski-Theater, gleich gegenüber des Konservatoriums seine Werke „Russlan und Ludmilla“ oder „Ein Leben für den Zaren“ mit großem Erfolg aufgeführt.
Ebenso berühmt ist die Oper „Boris Godunow“ des in Petersburg lebenden Ukrainers Modest Mussorgski (1839-1881). Der musikalische Autodidakt, der sich als armer Beamter durchbrachte, schuf außer dieser Oper und zahlreichen Fragmenten die Tondichtung „Bilder einer Ausstellung“.
Beamter war auch der spätere Rubinstein-Schüler Peter Tschaikowski (1840-1893). Obschon er in verschiedenen russischen Städten arbeitete, verbinden ihn seine Musik zu den Balletwerken »Schwanensee« und »Der Nussknacker«, die am Mariinski-Theater aufgeführt wurden, auf besondere Weise mit Petersburg. Sein vielseitiges Talent bewies er auch mit seiner Kammermusik, Klavierkonzerten, sinfonischer Musik und Opern.
Talentschmiede unter Hammer und Sichel
Igor Strawinsky (1882-1971), in Oranienbaum bei Petersburg geboren und Privatschüler von Rimski-Korsakow, gilt heute als wichtiger Vertreter der musikalischen Avantgarde. Der Premierenskandal, den er 1913 mit seinem Ballet »Le Sacre du Printemps« in Paris provozierte, gehört zu den spektakulärsten Ereignissen der Musikwelt des zwanzigsten Jahrhunderts.
Obschon Petersburg nach der Oktoberrevolution kulturell deutlich an Bedeutung verlor, galten das Mariinski-Theater, umbenannt in Kirow-Theater, und das Leningrader Konservatorium weiterhin als wichtige Talentschmiede für Musik- und Ballet.
Abwechselnd Musterbeispiel und diffamiertes Opfer der sowjetischen Musikszene war der Komponist und Pianist Dimitri Schostakowitsch (1906-75), dessen Name durch seine berühmte „Leningrader Sinfonie“ mit seiner Heimatstadt verbunden ist. Neben vierzehn Sinfonien schrieb er auch Bühnenkompositionen, wie zum Beispiel »Die Nase« oder »Lady Macbeth«.
Wiege des „Ballet Russes“
Das klassische Ballet erlebt im 19. Jahrhundert aus Frankreich kommend in Russland eine neue Blüte. Im Petersburger Mariinski-Theater gelangten die weltbekannten Ballets „Dornröschen“, „Schwanensee“und „Nussknacker“ der Balletmeister, Tänzer und Choreografen Marius Petipa (1822-1910) und Lew Iwanow (1834-1901 mit der Musik Tschaikowskis zur Aufführung.
Im zwanzigsten Jahrhundert traten am Marinsky-Theater Tanzgrößen wie Matilda Kschessinskaja, Anna Pawlowna,Waclaw Nijinski und Tamara Karsawina auf. Der Impresario Sergei Diaghilew (1872-1929) machte ab 1909 das sogenannte „Ballet Russes“ in der ganzen Welt bekannt und schuf damit das Fundament für ein modernes Ballet.
Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)