Militär und Aristokratie: Die Eremitage besitzt grosse Porträtgalerien der zaristischen Führungsschicht. (Foto: Eugen von Arb)
Riesiges Malerei-Reservoir
War die 1734 vollendete Kunstkammer mit ihrer Sammlung von Kunstwerken und Raritäten das erste Museum der Stadt, so gibt es heute hunderte Museen und Galerien in Petersburg. Die Stadt verfügt mit der Eremitage und dem Russischen Museum sowie einer Vielzahl kleinerer Museen und Paläste über ein riesiges Reservoir an russischer und internationaler Malerei.
Bedingt durch die Geschichte ist allerdings der Anteil an moderner und zeitgenößischer Malerei vergleichsweise klein. Ein Besuch der Sammlungen macht bewusst, wie sehr Russland dank Petersburg bis zur Revolution an die übrige Kunst-Welt angeschlossen waren und wie stark sich die kulturelle Isolation unter dem sozialistischen Regime sich auf die Bestände auswirkte.
Die von Katharina der Grossen gegründete Kunstakademie war einer der wichtigsten Katalysatoren für die russische Malerei und Skulptur im 18. Jahrhundert. Zu den bedeutendsten Malern und Absolventen der Akademie zählen Fjodor Rokotow (1735-1808), der Mitglieder der Aristokratie porträtierte, Dmitrij Lewicki (1735-1822) und dessen Schüler Wladimir Borowikowski (1757-1825), die ebenfalls der Porträtkunst verpflichtet waren.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Historienmalerei als neues Genre mehr Gewicht – Alexander Iwanow (1806-1858) und Karl Brjulow sind deren bekannteste Vertreter. Mit seinen packenden Darstellungen aus Geschichte und Mythologie , darunter „Der letzte Tag von Pompei“, sowie Porträts aus den Kreisen der Aristokratie beeindruckt Brjulow (1799-1852) noch heute sein Publikum.
Kritischer Realismus und “Mir Iskusstvo“
Zu den wichtigen einheimischen Malern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört Ilja Repin (1844-1930). Er gilt mit seinen Szenen aus der russischen Geschichte als großer Vertreter des kritischen Realismus. Stellvertretend für die russische Jugendstilmalerei können Michail Wrubel (1856-1910) und Walentin Serow (1865-1911) genannt werden. Dieser gründete zusammen mit Bakst, Benois und Sorow die Künstlervereinigung „Welt der Kunst“ russisch: „Mir Iskusstvo“).
Mit der Avantgarde-Bewegung in den Jahren vor der Oktoberrevolution, deren wichtigste Triebkräfte Wladimir Tatlin (1885-1953) und Kasimir Malewitsch (1878-1935) waren, endete die führende Rolle Petersburgs als Kulturzentrum auch auf diesem Gebiet.
Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)