Donnerstag, 21.09.2006

St. Petersburg - 308 Jahre europäische Geschichte

Rossebändiger am Newski-Prospekt. (Foto: Mrozek/.rufo)
St. Petersburg - die Nördliche, die Zweite, die Kulturhauptstadt Russlands, die nördlichste Millionenstadt der Welt, das Venedig oder Palmyra des Nordens... Eine ungewöhnliche Stadt ist es, die mit ihrer europäischen Architektur und ihrem Werdegang in Russland nicht ihresgleichen hat. Jeden, der diese Stadt besucht, verblüfft ihre ausnehmende Schönheit.


Eine Führung durch die Stadtgeschichte von Susanne Brammerloh

Die fast vollständig erhaltene kompakte Innenstadt mit der strengen historischen Bebauung, die ausgedehnten Wasserflächen, die weitläufigen Plätze und Straßen beeindrucken. Nicht viel mehr als 300 Jahre ist sie alt, und doch spiegelt diese Zeit alle Höhen und Tiefen des russischen Weges durch die Geschichte des 18. bis 21. Jahrhunderts wider.

Zugleich hat sie, wie das ganze Land, mit den zähen Problemen einer Übergangsgesellschaft auf dem Weg aus einem totalitären System in die Moderne hart zu kämpfen.

Wer etwas genauer hinschaut, sieht auch die bröckelnden, ergrauenden Fassaden, eine gewisse Müdigkeit in den Gesichtern der Bewohner, hinter denen sich die gewaltige Anstrengung verbirgt, das Leben mit seinen gewiss nicht leichten Anforderungen zu meistern.

Petersburg ist eine Stadt mit Überlebenswillen und dem dazugehörigen Humor. Beides hat sie im Laufe ihres Lebens sehr oft beweisen müssen.

Entstanden an einem denkbar ungeeigneten Platze...

Eigentlich hätte es an diesem sumpfigen und wasserreichen Ort keine Großsiedlung geben dürfen.

Keimzelle der Stadt im Newa-Delta: Die Peter-Pauls-Festung (Foto: ld/rufo)
Man könnte gar behaupten, alle Widrigkeiten der Stadtgeschichte mit ihren Revolutionen, Bürgerkriegen, Weltkriegen, Krisen und Putschen hätten ihren Urgrund in dieser (nach den Maßstäben des gesunden Menschenverstandes) verfehlten Ortswahl.

Selbst die engsten Vertrauten des Zaren Peters des Großen waren gegen die Stadtgründung. "Dies ist kein Ort für Menschen", soll Fürst Menschikow zu Peter gesagt haben. "Menschen sind keine Fische. Sie leben nicht im Wasser."

Aber auch die Faszination, der sich kein feinfühlender Mensch entziehen kann und der ihn dazu zwingt, immer wieder zurück zu kehren ("Man könnte krank werden vor Sehnsucht nach dieser Stadt", "Petersburg ist eine Droge", "Petersburg - das ist ein Urteil auf lebenslänglich" und ähnliche Äußerungen sind keine Seltenheit), liegt nicht zuletzt in den außergewöhnlichen naturgegeben Rahmenbedingungen, in die Petersburg durch seine Gründung an den Ufern von Newa und Ostsee gezwungen wurde.

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