Sonntag, 16.06.2002

Fish Fabrique [Alternativer Musik-Club]

(mga 06/04) Als Kneipe innerhalb der berühmten „Puschkinskaja 10“ lädt die Fish Fabrique ein, gemütlich bei einem Bier herumzulümmeln und MTV auf Großleinwand zu genießen oder am Tischfußball der Spielwut freien Lauf zu lassen. Zum Wochenende indes verwandelt sich der kleine Laden: Dann geben Rock-, Punk-, Blues- oder Jazzbands ihr Repertoire zum Besten.

Die Fish Fabrique ist ein Ort, an dem meist wenig bekannten russischen Nachwuchs-Bands die Chance gegeben wird, ihren Popularitätsgrad zu steigern und eine Fangemeinde aufzubauen. Gegen zehn füllt sich der kleine Raum der Kneipe, die man wie auch das ganze Kunst- und Kulturzentrum Puschkinskaja 10 nur über den Hintereingang am Ligowski Prospekt Nr. 53 erreicht.

Gegen elf startet meist das Konzert: Während auf der Bühne Gitarristen in silber-blauen Skianzügen oder zerrissenen Hemden in die Saiten hauen und aus voller Kehle ins Mikro brüllen, wird man schnell mit seinen Sitznachbarn bekannt. Schon aus Platzmangel an den langen schmalen und kleinen eckigen Tischen hebt man zu fortgeschrittener Stunde gemeinsam das Glas.

Die eingefleischten Fans oder Rockmusikliebhaber bilden derweil einen hüpfenden Haufen auf der engen Tanzfläche, dem zuzuschauen schon die größte Wonne ist. Auf den Bänken wiegt man sich im Takt und das Bier fließt literweise. So heißt’s Schlange stehen an der Bar, die, weil arg kurz, nur zwei Sitzgelegenheiten zu bieten hat.
Adresse
Ligowski Prospekt 53
tgl. 17 - 6 Uhr, aber Konzerte nur Do-So ab 22 Uhr
Eintritt zu Konzerten: 150-250 Rbl.
Nächste Metro: Majakowskaja/Pl. Wosstanija
www.fishfabrique.spb.ru
Wen die Dezibel-Schwingungen nicht vom Hocker reißen, kann sich aber auch mir nichts, dir nichts in einer Diskussion zur kommunistischen Weltrevolution wieder finden oder mit anderen Stadtfremden in Petersburg-Eindrücken schwelgen. Solche trifft man hier unter Garantie, da der Beliebtheitsgrad der Fish Fabrique unter jungen Ausländern ebenso enorm ist wie unter jungen Russen.

Wenn auch spartanisch eingerichtet, atmosphärisch ist die Kneipe des Art-Centers „Puschkinskaja 10“ allemal: Drahtbäume heben sich links im Raum in die Höhe und alles hat was von ausgewaschenen Jeans und zerfranster Cordjacke.
Wer hier in Abendgarderobe erscheint, wird sich fehl am Platz fühlen. Zumal: Wer weiß, im Eifer des Gefechts findet sich der eine oder andere ja doch noch Haare schüttelnd im Tanzklüngel wieder.
(mga/.rufo)