Unmöglich, die grelle Neonreklame direkt am Newski zu übersehen: Wie ein Leuchtturm weist sie den Weg in die Männertraumwelt. Das Zückerchen, das den Zweifler zum Eintreten überzeugen dürfte, sind die "Türsteher": Blühende Jugend im Adamskostüm steht hinter der Glastüre und winkt die Passanten herein. Da kann man doch einfach nicht widerstehen!
Groß war die Empörung, als das „Golden Dolls“ 1998 eröffnet wurde: "...Sündenpfuhl im historischen Stadtkern verschandelt den schönen Newski...", "...links und rechts Paläste, und mittendrin eine ordinäre Nuttenstube!"
Mittlerweile verfügt es über eine treue Stammkundschaft und hat bereits eine zweite Etage in Beschlag genommen. Ständig sind um die 20 Tänzerinnen anwesend, so dass niemand lange allein bleiben muss. Es findet sich immer ein Stück Spitzenunterwäsche, wo man seine Spende unterbringen kann.
Wenn auf der schmalen, langgezogenen Tanzfläche kein Platz mehr ist, weicht das Hauspersonal einfach auf den Tresen aus. Vom Tanzen müde, setzen sie sich zum Ausruhen auf die Barhocker zu den Besuchern, ihre bunten, figurbetonten Einteiler kontrastieren mit den dunklen Anzügen der Geschäftsmänner. Oder sie fläzen sich auf die roten Diwane, räkeln sich auf den Tischen, ziehen sich gegenseitig aus und heben die Stimmung der Gäste.
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Diese Damen beschenkte die Natur reich, und auch das Fitnesscenter zeigt Wirkung. Tadelloser Körperbau mit solariumgebräuntem Teint – das ist doch das schönste Gold dieser Welt! Die zweite Etage ist um einiges größer; für die Gäste stehen Videoprojektion, ein VIP-Saal mit Balkon auf den Newski Prospekt und Flachbildschirm bereit.
Zu wummernden Technobässen tanzen die Mädchen auf der Galerie und springen von da, sich an den glänzenden Stahlstangen festhaltend, direkt auf die Tischchen. Über den Köpfen der Besucher sitzen engelsgleiche Schönheiten auf von der Decke hängenden Schaukeln.
Den Goldpuppen kontrastiert eine Figur mit Frack, Sonnenbrille und Zylinder: Mit langsamen, roboterhaften Bewegungen schreitet ein Mimiker durch den Saal, bleibt immer wieder für einige Minuten unbeweglich stehen.