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Der Metro Club ist wie die Untergrundbahn: eine Institution fürs breite Volk (foto: Metro Club)
Der Metro Club ist wie die Untergrundbahn: eine Institution fürs breite Volk (foto: Metro Club)
Mittwoch, 05.09.2007

Metro-Club: Ausgeh-Ziel für Durchschnittstypen

St. Petersburg. „Was, du gehst in den Metro-Club?“ Diese mit leichtem Entsetzen verbundene Frage muss man sich von Vielen gefallen lassen, wenn man sich aufmacht, den größten Nachtclub Petersburgs zu besuchen.

Einerseits wird die avantgardistische Kunstgeschichts-Studentin mit dem selbstgenähten Paillettentäschchen den Club der Kommerzialität bezichtigen und dessen Besucher als langweilig, angepasst und vor allem als viel zu jung bezeichnen (obwohl sie selbst gerade erst die Mündigkeit erreicht hat).
Anderseits ist der Club der Petersburger Jeunesse Dorée dann doch zu wenig exklusiv und protzig; und der Intellektuelle sucht dort vergeblich Esprit und Tiefendimension.

Durchschnittlich sein ist sehr entspannend


Die Koordinaten
Adresse: Ligowski Prospekt 174
Nächste Metro: Ligowski Prospekt
Telefon 766-02-11
Konzept: 1. Etage: Russen- und Europop,
2. Etage: House und Techno,
3. Etage: Männerstriptease, Chillout mit Softpornofilmen
Eintritt: je nach Uhrzeit und Tag zwischen 210 und 420 Rubel (ein Glas Bier inklusive)
Wer ist dann überhaupt noch prädestiniert? So einfach wie genial: Der Metro-Club ist für den imaginären Ottonormalverbraucher konzipiert worden. Wenn man den Durchschnittsmenschen anspricht, spricht man die Mehrheit an. Und der Durchschnittsmensch hört Jennifer Lopez, mag den Stil des Fabrik-Interieurs und findet die grellen Overalls des Barpersonals cool.

So kann man sich nach dem alltäglichen Stress im Kampf um die Individualität, die in der Großstadt immer neu behauptet werden muss, im Metro endlich entspannt ins Kollektiv der Normalos begeben.

In einem Durchschnitt finden sich zuweilen große Standardabweichungen: So kann es sein, dass man an der Bar von einem sich oligarchisch gebärenden Onkologen ad hoc auf ein paar Gläser Whiskey eingeladen wird, weil ihm gerade danach ist. Oder dass plötzlich der Altersdurchschnitt im Raum unter der Zahl der Zigaretten liegt, die man bei sich trägt.

Nicht jeder Wochentag verspricht Spaß


Grundsätzlich scheinen nur drei Tage im Metro Potential zu haben: Montag, Freitag und Samstag. Wenn man etwa an einem Donnerstag um Mitternacht in dem dreistöckigen Clubgebäude steht, wird klar, dass der Weg umsonst war: Pro Etage etwa 15 Besucher …

Freitags wie Samstags ist der Club dagegen gut durchmischt mit Teens, Twens und einigen in den Dreißigern, der Montag allerdings ist der Schüler- und Studententag. Einige der Tänzerinnen sehen dann aus, als hätten sie die Muse für Nabokows Lolita abgeben können.

An diesem Tag hat man aber immerhin die Chance, als Mid-Twen selbst die große Standardabweichung zu sein: Man drückt das Durchschnittsalter allein durch seine Erscheinung um einige Zähler nach oben.


(Ben Wyttenbach/SPZ)


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