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| Der Konstantinpalast war Schauplatz des G8-Gipfels (foto: Deeg/rufo) | |
Aktualisiert 06.08.2008 22:05
Konstantinpalast: Putins Pracht für die Große Acht
Im Konstantinpalast, einem geschleckt sanierten Zarenschloss im Vorort Strelna, fand 2006 der G8-Gipfel statt. Was damals Hochsicherheitszone war, kann man aber auch als Tourist besichtigen - wenn nicht gerade wieder hohe Gäste erwartet werden.
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Wir besuchten den "Kongresspalast" noch vor dem großen Gipfel. Doch seither hat sich hier wenig verändert.
Die Busfahrt von der Metrostation Leninski Prospekt, vorbei an den allerüblichsten Plattenbauten, lässt zunächst nicht auf die politische Bedeutung des Ortes schließen, an dem von 14.-17. Juli der G8-Gipfel stattfinden wird. Mit den unwirschen Worten „Der Palast ist hier,“ komplementiert uns der Busfahrer an einer starkbefahrenen, schlammigen Kreuzung nach draußen.
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Sicherheitskontrollen schon jetzt auf G8-Niveau
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| Staatlicher Komplex „Kongresspalast“, Strelna |
Anfahrt: Anfahrt (ca. 20 km): ab Metro Awtowo Straßenbahn 36 bis Endstation oder Bus 200 sowie ab Metro Leninski Prospekt Bus 103, 224, 420 in Richtung Peterhof; Öffnungszeiten: tgl. 10.30-18.45; Eintritt (nur mit Führung): Palast 170-280 Rubel (je nach Führungslänge und Wochentag), Park 100 Rubel. Auskunft und (für Gruppen) Reservierung: Tel. 4385360
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Und tatsächlich, ein Stück weiter, hinter hohen Zäunen, leuchtet es schon verheißungsvoll gelb und weiß. Vor diesen Absperrungen treffen wir unsere Reiseführerin und müssen erstmal ein endloses Prozedere an Sicherheitskontrollen über uns ergehen lassen. Also Taschen ausleeren, dreimal durch einen Metalldetektor gehen, abtasten und zu guter letzt durchzählen.
Und dann steht er schließlich vor uns, in gleißendem Sonnenlicht, mit frisch herausgeputzter Hauptfassade und – zugegebenermaßen – wirklich beeindruckend: Der Konstantinpalast. Auf dem Paradeplatz finden wir das obligatorische Denkmal Peters des Großen – übrigens eine Kopie, deren Original in Riga steht.
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Zar Peter hatte den Palast in Strelna eigentlich als seine Sommerresidenz in Auftrag gegeben. Doch trotz der hübschen Hügellage über dem Finnischen Meerbusen entschied sich der Herrscher letzten Endes für das nahe Peterhof als Vorstadtresidenz - und der noch gar nicht fertige Palast zerfiel zunehmend.
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Drei Großfürsten namens Konstantin prägten den Palast
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| Prunkvoll: Der Konferenzsaal im Konstantinpalast (foto: SPZ) | |
Dieses Schattendasein änderte sich erst, als der Palast in den Besitz des Großfürsten Konstantin Pawlowitsch, dem Bruder von Alexander I., über ging. Nach dessen Tod 1833 wurde der Palast unter Einwirkung eines weiteren Konstantin (einem Sohn Nikolais I.) und vor allem dank dessen Frau zu einem der kulturellen Zentren Petersburgs. Dieser Konstantin gab die Residenz an seinen Sohn Konstantin weiter, dessen Leidenschaft, im Gegensatz zu den beiden vorherigen Besitzern, nicht dem Krieg, sondern Literatur, Musik und Theater galt. Der dichtende und komponierende Großfürst war Gründer und Förderer zahlreicher kultureller Einrichtungen in St. Petersburg.
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Allerdings geriet all dies nach der Revolution weitgehend in Vergessenheit: Der prächtige Palast wurde als Schule und Turnhalle genutzt, im Krieg schwer beschädigt, er brannte dreimal und zerfiel schließlich fast komplett. Erst als das 300jährige Stadtjubiläum 2003 näher rückte, entdeckte der Kreml das Dornröschen-Schloss für sich: In nur anderthalb Jahren wurde die Beinahe-Ruine für 280 Millionen Dollar in einen Ort verwandelt, wo Wladimir Putin nun die Mächtigsten der Mächtigen empfangen kann.
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Konferenzatmosphäre à la russe: Putten, Kitsch und Lüster
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Im Westteil des Konstantinpalastes wird schon eifrig das kommende G8-Treffen vorbereitet, doch den Ostteil dürfen wir noch genauer in Augenschein nehmen. Im ersten Stock wurden die Wohnräume der drei Großfürsten namens Konstantin nach Fotografien rekonstruiert, man sieht Gemälde, das Familienporzellan, ein Esszimmer mit Speisekarte und das Musikzimmer, alles typisch russisch kitschig von der schaurigen Rosentapete bis hin zum neu glänzenden Parkett.
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Interessant wird es dann im zweiten Stock, wo sich mit dem Marmorsaal das eigentliche Zentrum des Konstantinpalastes befindet. Der Kreml nutzt den ehemaligen Konzertsaal inzwischen hauptsächlich für Kongresse und Gipfeltreffen – wobei es dem staunenden Besucher schleierhaft bleibt, wie man in einer Umgebung aus schreiendem Gelb und blendendem Babyblau konstruktive Gespräche führen kann.
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Auch sucht man hier nach echtem Marmor vergebens. Die Wände schmückt frischer Stuck, wie auch die Reiseführerin zugeben muss – um gleich zu versichern: „Dieser künstliche Marmor ist eigentlich viel teurer und aufwändiger anzubringen als echter.“ Verdreht man dann leicht genervt die Augen zur Decke, erwarten einen dort riesige goldene Kronleuchter, angeblich ein jeder 800 Kilogramm schwer, deren gleißendes Licht millionenfach in die zahlreichen glitzernden Silberspiegel projeziert wird.
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Und darüber die Decke selbst: Nackte neoklassizistische Engel und Sagengestalten verknoten sich lustvoll ineinander und sollen dabei laut der Führerin „besonders plastisch“ wirken. Dass sich in dieser Kulisse zum Beispiel Angela Merkel besonders wohlfühlen wird, ist kaum vorstellbar.
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Eine Kapitänsbrücke für die Führer der Welt
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Direkt erholsam für die Augen ist dagegen der im dritten Stock liegende Saal „Belvedere“. Mit Gallionsfigur, Wendeltreppe und einer rustikalen Holzverkleidung ist er ganz „auf Schiff“ gemacht. Hier fand, so unsere Reiseleiterin, schon ein Gespräch Putins „ohne Krawatte“ mit George W. Bush statt, wobei dieser seinem russischen Kollegen versichert haben soll, wie schön der Palast doch geworden sei. Nun ja, Geschmäcker sind eben verschieden. Oder der amerikanische Präsident diplomatischer als angenommen.
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| Nicht zum ersten Mal Hochsicherheitszone: Als 2003 beim Stadtgeburtstag hier Präsidenten logierten, wurden die Gärten auf Minen durchsucht (foto: ld/rufo) |
Was allerdings wirklich einmalig ist, ist die schöne Aussicht, die dem Raum seinen Namen gibt. Man blickt direkt aufs Meer hinaus, das mit dem Palast durch einen Kanal verbunden ist. Auf halber Strecke steht ein auf einer kleinen Insel ein gelber Pavillion. „Dort sprechen Putin und seine Gäste tete-a-tete,“ erzählt man uns. Auch Gerhard Schröder habe dort schon mit seinem Kumpel Wladimir gespeist.
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VIP-Village: Jeder Staatschef bekommt eine Villa
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Ein Stück weiter rechts liegen direkt am Ufer des Finnischen Meerbusens 20 baugleiche Villen. Sie dienen als exklusive Übernachtungsmöglichkeiten für hohe Gäste. Für Besucher, die nicht ganz so VIP sind, gibt es nebenan noch das Hotel „Baltischer Stern“, mit seinen 4 Sternen auch nicht von schlechten Eltern.
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In diesem Retorten-Paradies – während des Gipfels durch eine dreifache Kette aus Küstenwach-Booten und Kriegsschiffen von See her abgeriegelt - werden sich also alsbald Jacques Chirac und Romano Prodi über den gußeisernen Gartenzaun zuwinken, Angela Merkel gemütlich Kaviar im Whirlpool löffeln und Tony Blair mit einem Wodka einem zufrieden lächelnden Wladimir Putin zuprosten und sagen: „Ach, es geht doch nichts über russische Gastfreundschaft.“
(Hannah Beitzer/SPZ)
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