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Schloss Peterhof  und die Große  Kaskade (Foto: ld/.rufo)
Schloss Peterhof und die Große Kaskade (Foto: ld/.rufo)
Aktualisiert 06.08.2008 19:46

Peterhof: Gold und Wasser im Überfluss

Meerblick, Springbrunnen, Pavillons, barocke Verschwendung und jede Menge Touristen - 4,5 Mio. Besucher im Jahr können nicht irren: Unter den Zarenresidenzen nimmt das "russische Versailles" als Ausflugsziel den ersten Platz ein.



Wie hinkommen?
Ab Metro Awtowo verkehren Busse (Linie 424) sowie „Marschrutki“, von der Metrostation Leninski Prospekt verkehrt der Bus 224. Die Bushaltestelle ist direkt vor dem Palast. Deshalb ist dieser Weg den Vorortzügen vom Baltischen Bahnhof (Metro Baltijskaja, Fahrtzeit 40 Min.) vorzuziehen, da man sonst vom Haltepunkt Nowy Petergof noch einen erklecklichen Fußmarsch oder eine Busfahrt (Linien 350-352, 356; 5 Haltestellen) vor sich hat.
Eleganter und schneller, aber auch deutlich teurer (350 Rbl.): Im Sommer fahren etwa alle halbe Stunde Tragflügelboote von der Anlegestelle am Winterpalast direkt zum Schlosspark Peterhof und zurück; Fahrtzeit 30 Min.
Entsprechend voll ist es hier im Sommer – vor allem an den Wochenenden. Doch wer auf das Schauspiel der über 140 Fontänen und Springbrunnen nicht verzichten und ein Musterbeispiel zaristischer Prunksucht erleben will, muss das auf jeden Fall in Kauf nehmen.

Knapp 30 Kilometer von seiner neuen Hauptstadt entfernt fand Peter der Große am Südufer des Finnischen Meerbusens einen geeigneten Platz, um einerseits den Bau von Kronstadt zu überwachen. Zum anderen erlaubten ihm hier Kanäle und Teiche im Hinterland und die 15 Meter Höhenunterschied zwischen oberem und unterem Park die Anlage von Wasserspielen.

Monplaisir: Der fast bescheidenene Anfang


Peter gefiel es hier so gut, dass er sich hier direkt am Meer eine (noch sehr bescheidene) Sommerresidenz errichten ließ. Das dezente einstöckige „holländische Häuschen“, heute Kern des Schlösschens Monplaisir war das erste Gebäude Peterhofs. Seine sieben Räume zeugen bestens vom zwischen Rustikalität und schlichter Eleganz schwankenden Stil des Stadtgründers.

Schlicht, aber stilvoll: Das Schlösschen Monplaisir (foto: ld/.rufo)
Schlicht, aber stilvoll: Das Schlösschen Monplaisir (foto: ld/.rufo)
Zu beiden Seiten schließen sich 20 Meter lange, lichtdurchflutete Galerien an, in denen Peter Gemälde flämischer und holländischer Meister aufhängen ließ. Den kleinen Palast flankieren zwei später entstandene Gebäudetrakte: Im Westen der Katharinen-Korpus und im Osten der Bäder-Korpus (mit einer Dusche in Form eines Kronleuchters).

Von 1714-23 entstanden dann alle wesentlichen Elemente des Schloss-Areals, wenn gleich der Große Palast seine heutige opulente Pracht erst unter Frauenherrschaft erhielt: Die Zarinnen Elisabeth I. und Katharina II. ließen ihn (u.a von Rastrelli) ausbauen und umgestalten und machten den Prunkbau zum Mittelpunkt des höfischen Lebens.

Das Palast-Innere: Ein Triumph der Prunksucht


Im seinem Obergeschoss können heute 27 Räume und Säle besichtigt werden, die sich in Reichtum, Originalität und Schönheit gegenseitig zu übertreffen versuchen: Die vorherrschende Farbe ist Gold, vor allem im Tanzsaal, im Audienzsaal und auf der Paradetreppe. Ausreißer aus der barocken Pracht sind zwei chinesisch ausgestaltete Zimmer sowie das Eichen-Kabinett von Peter I.

Gold, wohin das Auge schaut: eine Kuppel des Großen Palastes (foto: ld/.rufo)
Gold, wohin das Auge schaut: eine Kuppel des Großen Palastes (foto: ld/.rufo)
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Peterhof fast vollständig zerstört, konnte aber anhand von Fotos und Zeichnungen wieder aufgebaut werden. Das Innere des Palastes gleicht allerdings doch dem der anderen Prunkschlösser. Wer also bereits die Ermitage oder den Katharinenpalast besichtigt hat, kann auf die nicht billige Besichtigung auch gut verzichten.

Besser in den Park: Manche Besichtigung scheint verzichtbar


Auch der Besuch der neu eingerichteten „Besonderen Schatzkammer“ im vom goldenen Reichsadler gekrönten West-Flügelbau lohnt sich nur für Russischkundige, die an einer Führung teilnehmen können: Die ausgestellten Luxus-Attribute verschiedener Zaren – von der Pillendose bis zum Thron – sind nämlich nicht beschriftet.

Bei Russland-Aktuell
• Preis-Apartheid: Strafe für den falschen Pass? (19.06.2006)
• Peterhof zeigt die Drahtesel der Zaren (01.07.2004)
• Neue Metro-Station – und Pläne für Hochbahn-Tram (22.12.2006)
Sehenswert ist in jedem Fall die Große Kaskade vor dem Schloss mit ihren wasserspeienden goldenen Skulpturen - mit 138 Wasserstrahlern die größte Brunnenanlage der Welt. Sie sollte Russlands erfolgreichen Kampf um den Zugang zu den Weltmeeren symbolisieren. Zentrales Element dieser Komposition aus Wasser, Marmor, Bronze, Gold und Tuffstein ist die 1735 aufgestellte, 20 Meter hohe Samson-Fontäne: Der Wasserstrahl schießt aus dem Maul eines Löwen, den Muskelmann Samson niedergerungen hat – eine Allegorie auf den 25 Jahre zuvor bei Poltawa errungenen Sieg über Schweden.

Gegen zusätzlichen Eintritt kann man in der Gruppe die künstlichen Grotten hinter der Kaskade besichtigen.

Der Park des Schlosses ist konstruierter als in den anderen Zarenresidenzen. Keine romantische Wildnis wie in Pawlowsk oder Puschkin, dafür aber eine von Meisterhand (in diesem Fall von Jean Baptiste Le Blond) entworfene Geometrie.

Die Koordinaten
Adresse: Petrodworez, Sankt-Peterburgski Prospekt 47
Park: täglich 9–19 Uhr, die Fontänen sind Mai-Sept. von 11 – 17 Uhr in Betrieb. Eintritt in den Park dann 300 Rbl.
Großer Palast: tgl. 10.30 - 18 Uhr, Ruhetag: Mo, letzter Di des Monats; Eintritt: 500 Rbl.
Schatzkammer (Osobaja Kladowaja): Eintritt 400 Rbl.;
Monplaisir: 10.30-18 Uhr außer Mi.; Eintritt 300 Rbl.
Der vom Abflusskanal der Großen Kaskade geteilte „Untere Park“ erstreckt sich zwei Kilometer entlang der Küste. In Westteil steht das Schlösschen Marli – ausgestattet mit Mobiliar und Kunstobjekten aus der Zeit Peters I. Sehenswerter ist jedoch der Ostteil mit der von drei wasserspeienden Drachen gespeisten Kaskade „Schachbrettberg“, zahlreichen Scherz-Springbrunnen und schließlich dem o.g. Schlösschen Monplaisir.

Ein Nürnberger Brunnen vor dem Schloss


Mittelpunkt des streng geometrischen Oberen Parks ist der Neptun-Brunnen. Er sollte 1688 auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufgestellt werden, was aber an mangelndem Geld und Wasserdruck scheiterte. Ein Jahrhundert später kaufte der spätere Zar Paul I. das eingemottete Großkunstwerk an und ließ es hier aufstellen.

In den hier östlich anschließenden Palast-Nebengebäuden gibt es noch einige interessante Museen mehr: Das Benois-Museum widmet sich der gleichnamigen Künstler- und Architektenfamilie. Hochspezialisiert sind das Spielkartenmuseum und die nette Ausstellung „Kaiserliche Fahrräder“ - denn auch die Romanows liebten es, in der Sommerfrische von Zeit zu Zeit in die Pedalen zu treten.

Die Verpflegung ist kein Problem: Im Park und neben dem Schloss gibt es mehrere Cafes und Restaurants verschiedener Preisklassen.



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Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



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