Freitag, 11.10.2002

Peterhof: Zaristischer Prunk

Peterhof, Große Fontäne/foto:Deeg
Springbrunnen, Pavillons, barocke Verschwendung und jede Menge Touristen. Unter den ehemaligen Zarenresidenzen nimmt das "russische Versailles" als Ausflugsziel den ersten Platz ein. Entsprechend überfüllt ist es im Sommer. Wer auf das Schauspiel der über 140 Fontänen und Springbrunnen nicht verzichten und ein Musterbeispiel zaristischer Prunksucht erleben will, sollte die langen Touristenschlangen aber auf jeden Fall in Kauf nehmen.
Anfahrt
Ab Metro Awtowo verkehren massenweise Marschrutki, darunter auch alte Berliner Doppelstockbusse. Dieser Weg ist den Elektritschkas vom Baltischen Bahnhof (Metro Baltijskaja, Fahrtzeit 40 Minuten) vorzuziehen, da man sonst vom Haltepunkt Nowy Petergof noch einen erklecklichen Fußmarsch oder eine Busfahrt vor sich hat. Noch eleganter und schneller, aber teuer (ca. 11 $): Im Sommer fahren etwa alle halbe Stunde Tragflügelboote von der Anlegestelle am Winterpalast direkt zum Schlosspark Peterhof und zurück.
Knapp 30 Kilometer von Petersburg entfernt fand Peter der Große in der sumpfigen Umgebung der neuen Hauptstadt einen geeigneten Platz, um den Bau von Kronstadt zu überwachen. Dort gefiel es ihm dann so gut, dass er wenig später eine (noch relativ bescheidene) Sommerresidenz errichten ließ. Seine heutige opulente Pracht erhielt der Palast am Ufer des Finnischen Meerbusens erst unter Frauenherrschaft: Die Zarinnen Elisabeth I. und Katharina II. ließen ihn ausbauen und umgestalten und machten ihn zum Mittelpunkt des höfischen Lebens mit allem Prunk und Protz.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Peterhof fast vollständig zerstört, konnte aber anhand von Fotos und Zeichnungen wieder aufgebaut werden. Das Innere des Palastes, das seit 1960 besichtigt werden kann, gleicht dem anderer Prunkschlösser. Wer bereits die Ermitage oder den Katharinenpalast in Zarskoje Selo besichtigt hat, ist davon nicht zu sehr zu beeindrucken.


Die Koordinaten
Park: offen taeglich 9 – 21 Uhr, die Fontaenen sind von 11 – 17 Uhr in Betrieb, Sa und So bis 18 Uhr.
Palast: Offen 10.30 - 17 Uhr, Ruhetag: Mo, letzter Di des Monats
Telefon: 420 00 73
Eintritt: ca. 5 $ (nur Park)
Besonders sehenswert aber ist die große Kaskade vor dem Schloß mit ihren wasserspeienden goldenen Skulpturen - die größte Brunnenanlage der Welt. Gegen zusätzlichen Eintritt kann man in der Gruppe die künstlichen Grotten hinter der Kaskade besichtigen.


Der Park des Schlosses ist konstruierter als in den anderen Zarenresidenzen. Keine romantische Wildnis wie beispielsweise in Pawlowsk, dafür aber eine von Meisterhand (in diesem Fall von Jean Baptiste Le Blond) entworfene Geometrie. Im Oberen, Unteren und Alexandra-Park finden sich weitere Palästchen und zahlreiche Pavillons unterschiedlicher Stilrichtungen, die zum Großteil besichtigt werden können. Einmalig ist der Blick auf den Finnischen Meerbusen, er allein entschädigt für Warteschlangen und zertretene Füße.

Im Park und neben dem Schloss gibt es mehrere Cafes und Restaurants. (nk/rUFO)