Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
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Die Kronstadter Meereskathedrale ist weithin sichtbar über das Wasser des Finnischen Meerbusens. (Foto: Veser/.rufo)
Die Kronstadter Meereskathedrale ist weithin sichtbar über das Wasser des Finnischen Meerbusens. (Foto: Veser/.rufo)

Vororte Petersburg: Vergessenes Gesamtkunstwerk, Teil I

St. Petersburg. Mit dem Bau der neuen Hauptstadt St. Petersburg gestaltete Zar Peter I. ab 1703 die gesamte Landschaft nach barockem Geschmack um. Die Peterhofer Straße war ein reformpädagogisches Projekt.

Metallzaun und Tafeln mit dem Hinweis „Achtung, es wird geschossen“ können Eingeweihte nicht mehr abschrecken. Wachtposten schützen das Marinewerftareal von Kronstadt schon lange nicht mehr.

So kann man durch die Löcher des militärischen Sperrriegels schlüpfen und ungehindert zum Herzen des einst bestgehüteten Marinestützpunkts der Sowjetunion vordringen.

Ein Ausflug in längst vergangene Zeiten


So ein Rundgang gleicht einem Ausflug in längst vergangene Zeiten: Viele der aus Ziegelstein erbauten Trockendocks und Fabriken, in denen bis Mitte der 1990er Jahr die Schiffe der legendären baltischen Flotte überholt wurden, stammen noch aus der Zeit des Zaren.

Kronstadts Badestrand bietet sauberes Wasser und weichen Sand. (Foto: Veser/.rufo)
Kronstadts Badestrand bietet sauberes Wasser und weichen Sand. (Foto: Veser/.rufo)
An ihren Mauern wuchern Büsche in die Höhe, überall hat sich die Natur das Werftgelände wieder zurückgeholt. Bis 1997 durften Außenstehende den Hafenort auf der Halbinsel Kotlin im Finnischen Meerbusen nur mit einer Spezialerlaubnis aufsuchen.

Nach der Öffnung stellten die Besucher aus dem knapp 30 Kilometer entfernten St. Petersburg verblüfft fest, dass die 45.000 Einwohner zählende Stadt mit ihren breiten Boulevards, großzügigen Plätzen und repräsentativen Baudenkmälern ihrer eigenen Stadt stark ähnelt: Kronstadt als eine Art Miniatur-Petersburg.

Kronstadt ist Klein-Petersburg


Wie die neue Hauptstadt, hatte Peter auch Kronstadt bis ins Detail durchgeplant. „Er nahm einen Felsen, dann einen anderen und schmiedete so die ganze Stadt in der Luft zusammen. Erst dann stellte er sie auf die Erde“, verklärte Fürst Wladimir Odojewski in einem Märchen die Entstehungsgeschichte von St. Petersburg.

Verschlafene Provinzstadt - im Zentrum von Kronstadt. (Foto: Veser/.rufo)
Verschlafene Provinzstadt - im Zentrum von Kronstadt. (Foto: Veser/.rufo)
Viel scheint sich in Kronstadt, der einst verbotenen Stadt nicht verändert zu haben. Kaum ein Gebäude wurde renoviert, und das historische Kaufhaus „Gostiny Dwor“, das bis 2003 in neuem Glanz erstrahlen sollte, ist auch heute noch eine Baustelle.

„Bis zum nächsten runden Geburtstag wird es doch sicher klappen“, meint ein älterer Kronstädter mit zynischem Humor.

Meist herrscht in den Strassen der Stadt, deren imposante Meereskathedrale bei der Fahrt über den Damm wie ein Gebirge aus der Ostsee aufsteigt, eine schläfrige, provinzielle Stille. Da es nach dem Abzug der Flotte so gut wie keine Arbeit mehr gibt, müssen viele Bewohner, die in der Isolation früher nicht schlecht lebten, täglich nach Sankt Petersburg pendeln.

Staatlicher Komplex \"Kongresspalast\", Strelna
Anfahrt (ca. 20 km): ab Metro Awtowo Straßenbahn 36 bis Endstation oder Bus 200 sowie ab Metro Leninski Prospekt Bus 103, 224, 420 in Richtung Peterhof; Öffnungszeiten: tgl. 10.30-18.45; Eintritt (nur mit Führung): Palast 170-280 Rubel (je nach Führungslänge und Wochentag), Park 100 Rubel.

Auskunft und Reservierung: Tel. 438-53-60

Aus dem Boden gestampfte Kulturlandschaft


Kronstadt bildet den Endpunkt einer als „Peterhofer Straße“ genannten Kulturlandschaft, die der Zar ohne Rücksicht auf Menschenleben im unwirtlichen und sumpfigen Norden planmäßig und nach barocken Gesichtspunkten gestalten ließ.

Sie erstreckt sich westlich der ehemaligen Hauptstadt über fast 40 Kilometer bis an die finnische Bucht. Dort angelegte Paläste, Landsitze und Parks bilden einen grüner Gürtel um Sankt Petersburg.

Nur 15 Jahren nach dem Beginn der Arbeiten war die nach seiner Hauptresidenz Peterhof genannte und harmonisch in sich geschlossene Peterhofer Straße weitgehend vollendet.

Ursprünglich hatte der Zar Strelna als Standort für seinen Sommersitz ins Auge gefasst und den Bau eines Palasts angeordnet. Als Hydrologen herausfanden, dass der Wasserdruck dort für die geplanten Fontänen nicht ausreichte, gab Peter Strelna auf und begann die Residenz Peterhof nach Versailler Vorbild im Nachbarort zu errichten.

Der Konstantinpalast in Strelna erstrahlt in neuem Glanz - dank Putin und G8. (Foto: Veser/.rufo)
Der Konstantinpalast in Strelna erstrahlt in neuem Glanz - dank Putin und G8. (Foto: Veser/.rufo)

Strelna: Von einer Ruine zur Staatsresidenz


Zwar wurde der Konstantinpalast in Strelna später vollendet, später verfiel er jedoch fast zu einer Ruine. Der frühere Präsident Wladimir Putin hatte den Gebäudekomplex für den G-8-Gipfel 2003 in Rekordzeit restaurieren und für Kongresse und Gipfeltreffen herrichten lassen.

An der Decke über dem riesigen goldenen Kronleuchter, dessen Licht zahlreiche Silberspiegel reflektieren, verknoten sich Putten und Sagengestalten lustvoll ineinander.

Nähert man sich dem Palast von der Hauptstraße aus, erblickt man hinter Metallzäunen die in makellosem Gelb und Weiß schimmernde Hauptfassade des Palasts, der auf einem Hügel zu schweben scheint.

In der akribisch gepflegten Parklandschaft, an deren Stelle noch bis vor einigen Jahren die wild wuchernde Vegetation bis fast an das Ostseeufer reichte, erheben sich neben einem Vier-Sterne-Hotel heute mehrere luxuriöse Cottages, in denen die Regierung Staatsgäste unterbringt.

Der zweite Teil der Abhandlung folgt in wenigen Tagen.


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Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



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