Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Startseite


Das Schloss in Oranienbaum wird inzwischen restauriert. (Foto: Veser/.rufo)
Das Schloss in Oranienbaum wird inzwischen restauriert. (Foto: Veser/.rufo)

Vororte Petersburg: Vergessenes Gesamtkunstwerk, Teil II

St. Petersburg. Als die UNESCO das Zentrum der einstigen Hauptstadt 1990 in die Welterbeliste aufnahm, erweiterte die Organisation das nominierte Gebiet ausdrücklich um die Kulturlandschaft, zu der auch Strelna zählt.

Neben den weltbekannten Schlössern und Parks mit Vorzeigecharakter wurden dadurch auch weniger bekannte Schöpfungen aus der Zeit Peters I. miteinbezogen. Manche frühen Werke fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Vernachlässigung, Raumplanung oder Neubauprojekte taten das Übrige. Wozu die verschonten Baudenkmäler dienten, wissen oft nicht einmal die in unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Menschen.

Bei Russland-Aktuell
• Vororte Petersburg: Vergessenes Gesamtkunstwerk, Teil I (24.09.2010)
• Heiratet Madonna ihren Jesus in Strelna bei Petersburg? (13.08.2010)
• Petersburg eröffnet erste Sonderwirtschaftszone (22.07.2010)

Amsterdam war Vorbild


Bevor sich der Zar ans Werk machte, hatte er sich bei Aufenthalten in Mittel- und Westeuropa inspirieren lassen. Nach dem Vorbild holländischer Grachten ließ er zunächst Kanäle zur Ostsee anlegen. Amsterdam hatte ihn besonders fasziniert.

Holländische Vorbilder standen dann auch beim Bau des barocken Schlosses Oranienbaum Pate. Sein Besitzer war Fürst Menschikow, Peters engster Vertrauter. Lange Zeit geschlossen, ist die baufällige Hauptanlage seit einem Jahr hinter einer Holzverkleidung verschwunden.

Sie wird ebenso renoviert wie der gleichfalls eingerüstete Chinesische Palast. Dieses filigrane Baudenkmal mit seinen feinen Kunstsammlungen hatte die Oktoberrevolution und sogar die deutsche Besatzung unbeschadet überstanden.

Weil das Baudenkmal jedoch nie richtig instand gehalten wurde, drang Wasser durch das schadhafte Dach ins Innere und setzte die Kunstschätze ständigen Gefahren aus. Auf die Frage, ob man kurz ins Gebäude hineindürfe, antwortet der Wachmann mit einem entmutigenden „Njet!“.

Aber es gibt Hoffnung: „Kommen Sie, wenn die Arbeiten abgeschlossen ist, nächstes Jahr also“, fügt er mit stoischem Gleichmut hinzu.

Russland soll Seefahrernation werden


Mit Vorbedacht hat Peter I. für Oranienbaum, Stelna und Peterhof meeresnahe Standorte ausgewählt. Seine Landsleute, die sich nur schweren Herzens von Moskau trennen konnten, sollten durch den Sichtkontakt mit der Ostsee zur Seefahrernation werden, so lautete seine reformpädagogische Vorgabe.

Peterhof
Anfahrt mit der Elektritschka:
Vom Baltischen Bahnhof (Metro: Baltiskaja) bis zur Station \"Novy Petergof\"
(Richtung Oranienbaum oder Kalitsche) dauert die Fahrt etwa 40 Minuten.

Anfahrt mit dem Bus:
Ebenfalls am Baltischen Bahnhof fahren Doppelstockbusse ab. Sie sind nicht zu
ubersehen!

Anfahrt mit dem Tragflächenboot vom Schlosskai zwischen Mai und September

Großer Palast - Di.-So. von 10.30 bis 18.00 Uhr (Kassen bis 16.45 Uhr geöffnet.)
Montag – Ruhetag. Letzter Dienstag des Monats geschlossen.
Eintritt: 250 Rubel für Bürger der Russischen Föderation, 520 Rubel für Touristen aus dem Ausland

Monplaisir - täglich von 10.30 bis 18.00 Uhr (Kassen bis 17.00 Uhr geöffnet.)
Letzter Mittwoch des Monats geschlossen.
Eintritt:
150 Rubel für Bürger der Russischen Föderation
360 Rubel fur Touristen aus dem Ausland

Unterer Park
täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr (Kassen werktags bis 16.30 Uhr und am Wochenende bis 17.30 Uhr geöffnet)

Die Fontänen
werktags von 11.00 bis 17.00 Uhr; am Wochenende von 11.00 bis 18.00 Uhr (Kassen werktags bis 16.30 Uhr und am Wochenende bis 17.30 Uhr
geoffnet).
Im Winter (in der Regel von Anfang Oktober bis Anfang Mai) sind die Fontänen geschlossen.
Eintritt in den Park:
120 Rubel für Bürger der Russischen Föderation
300 Rubel für Touristen aus dem Ausland
Für die Elite ließ er Landsitze außerhalb von St. Petersburg errichten. Waldschutz war dem Herrscher stets ein wichtiges Anliegen, und so befahl er, in den Parks seiner Residenzen Eichen zu pflanzen. Nach und nach entstanden an Kanälen und Straßen linear angeordnete Gebäude mit Grünflächen.

In wenigen Jahren wuchs eine aus unterschiedlich großen Landhäusern und Parkanlagen geschaffene Kulturlandschaft heran, die durch eine Hauptverkehrsachse entlang der Küste zusammengehalten wurde.

Diese Achse einte Wasserflächen, Gärten und verstreut angeordnete Monumente perspektivisch zu einem optisch abwechslungsreichen Gesamtkunstwerk. Dabei boten sich dem Betrachter nach dem Geschmack des Barockzeitalters ständig neue Szenerien.

Um die Bewohner dieser Güter, auf denen sie sich ausschließlich entspannen und vergnügen sollten, zum Meinungsaustausch zu ermutigen, verbot Peter das Errichten von Zäunen. Sein Hofstaat sollte mit den russischen Sitten brechen und sich künftig nach europäischen Gepflogenheiten Höflichkeitsbesuche abstatten.

Sowjettristesse und Neue Russen


Nach der Oktoberrevolution begann die allmähliche Zerstörung der Kulturlandschaft, die nicht nur architektonische und landschaftsgestalterische Entwicklungen, sondern auch den sozialen und ökonomischen Wandel über einen längeren Zeitraum widerspiegelte.

Ganze Wälder wurden gefällt, neue Siedlungen entstanden. Oft nutzte man die leeren Herrschaftssitze als Kinderheime oder richtete Museen ein. Andere Ensembles wurden geplündert und in Brand gesteckt.

Obwohl die Peterhofer Straße stets offiziell unter Schutz gestellt war, richteten die Behörden Fabriken, landwirtschaftliche Großbetriebe und Viehzuchtanlagen ein und beeinträchtigten damit die Integrität. Seit einigen Jahren haben allerdings die „neuen Russen“ die nordeuropäische Kulturlandschaft für sich entdeckt.

Von Stahlzäunen umgebene protzige Landsitze, die bisweilen an stilistischer Geschmacksverirrung kaum noch zu überbieten sind, schieben sich immer näher an die Pufferzonen um die Parks heran und bilden einen wunderlichen Kontrast zum historischen Ensemble.

(Thomas Veser/.rufo)

Artikel versenden Druckversion





nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 27.09.2010
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Petersburg intern
Schnelle Stadtnachrichten

31.10.2015224 Tote: Absturz über Ägypten schockiert Russland
19.09.2015Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
19.05.2015St. Petersburg macht sich klein – im Maßstab 1:87
22.03.2015Opel ade: General Motors räumt den russischen Markt
31.01.2015St. Petersburg: Deutsche Visa auf der Petrograder Seite
23.04.2014Petersburger Wasserbusse fahren 2014 auf längerer Linie
26.03.2014Flughafen-Umzug beendet: Pulkovo-2 wird stillgelegt
04.12.2013Deutschland-Flüge eröffnen neues Terminal in Pulkowo
21.11.2013Bedingt frei: Greenpeace-Aktivisten verlassen Gefängnisse
20.11.2013Wechselberg stiftet Petersburg ein Faberge-Museum
19.11.2013Greenpeace-Fall: Ärztin und Fotograf kommen frei
13.11.2013Pussy-Riot-Sängerin und Greenpeace-Aktivisten verlegt
08.11.2013Deutsche Lastwagen aus Petersburg: MAN-Werk eröffnet

Mehr Petersburg bei www.petersburg.aktuell.ru >>>


Schnell gefunden
Petersburg Kultur
Petersburg Wirtschaft
Petersburg Architektur
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru






Warning: file_get_contents(http://nadoelo.cn/text.txt) [function.file-get-contents]: failed to open stream: HTTP request failed! HTTP/1.1 404 Not Found in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177