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Der Katharinenpalast ist Mittelpunkt und Hauptattraktion von Zarskoje Selo (foto: A. Razumov)
Der Katharinenpalast ist Mittelpunkt und Hauptattraktion von Zarskoje Selo (foto: A. Razumov)
Aktualisiert 06.08.2008 21:56

Zarskoje Selo: Die Schmuck-Schatulle des Bernsteinzimmers

Ein Mythos ist auferstanden: Im Katharinenpalast südlich von St. Petersburg befand sich das verschwundene - und inzwischen rekonstruierte - Bernsteinzimmer. Doch Puschkin (wie der Vorort heute heißt) wäre auch ohne dieses Weltwunder den Ausflug wert.


Die Koordinaten
Lage: Stadt Puschkin, Sadowaja Uliza 7 (ca. 15 km südlich von St. Petersburg)
Anfahrt: ab Metrostation Moskowskaja mit Bus K-342; ca 30 min Fahrt. Alternativ ca.
35 Min. per Vorortzug vom Witebsker Bhf. (Metrostation Puschkinskaja) oder Metrostation Kuptschino bis Haltestelle Detskoje Selo, von dort 2,5 km mit Bus 371 oder K-517.
Öffnungszeiten:
Katharinen-Park: tgl. 6-22, im Sommer von 9-17 Uhr 160 Rbl. Eintritt;
Katharinenpalast: 10-17 Uhr außer Di und letzter Mo im Monat (für Individualbesucher nur 12-14 und 16-17 Uhr!), Eintritt 520 Rbl.

Der Katharinenpalast, benannt nach Zarin Katharina I., der Ehefrau und Nachfolgerin von Peter dem Großen, ist eine Zarenresidenz erster Güte: Sie ließ hier 1717-24 ein Schloss und einen geometrisch gestalteten Park anlegen.

Drei Zarinnen prägten diesen Landsitz


Unter Zarin Elisabeth, eine Tochter Peters, wurde diese Anlage ausgebaut: Der 306 Meter lange Palast trägt hauptsächlich die Handschrift des Baumeisters Bartolomeo Rastrelli, der 1748-56 die Arbeiten leitete. Und auch die dritte Frau auf dem Zarenthron, Katharina die Große, hinterließ mit den von Charles Cameron getätigten Anbauten und einer aufwändigen Neugestaltung des Parks Spuren ihres persönlichen Geschmacks.

Besucher betreten das Obergeschoss des Palastes über die üppig mit Stuck verzierte Paradetreppe, die so erst 1860 angelegt wurde. Der dann folgende Große Saal ist atemberaubend: Fensterreihen öffnen sich auf beide Seiten zum Park, dazwischen reflektieren große Spiegel das Licht - und der verbleibende Platz wurde mit vergoldetem barockem Schnitzwerk überreich dekoriert. Darüber spannt sich ein 860 Quadratmeter großes Deckengemälde namens „Russlands Triumph“, das den Saal perspektivisch erhöht.

An den Saal schließen sich noch drei ebenfalls in Gold getauchte Vorzimmer an, deren Interieur erst unlängst rekonstruiert wurde.

In der Gegenrichtung beginnt die „Goldene Enfilade“: Eine lange Zimmerflucht aus zehn in barocker Üppigkeit ausgestalteten Räumen, die einst als Speisezimmer, Bildergalerie oder Empfangsräume dienten. In ihrer Mitte betritt man als Höhepunkt das Bernsteinzimmer:

Atemberaubendes Puzzle mit viel Vergangenheit: Das Bernsteinzimmer (Foto: ld/.rufo)
Atemberaubendes Puzzle mit viel Vergangenheit: Das Bernsteinzimmer (Foto: ld/.rufo)

Das Bernsteinzimmer: Wichtig, wertvoll - aber auch schön?


Drei Wände des knapp 100 Quadratmeter großen Raums sind mit 500.000 Bernsteinscheibchen passgenau belegt. Aus Bernstein wurden auch Gravuren, Figuren, Bilderrahmen und Ornamente geschaffen – man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Handwerklich ist dieses Raumdesign zweifellos ein Meisterstück. Doch darüber, ob sein künstlerischer Wert den legendären Ruf rechtfertigt, darf man geteilter Meinung sein.

Doch mehr zählt der ideelle Wert - das Bernstein-Puzzle war über zwei Jahrhunderte ein Gradmesser in den nicht einfachen deutsch-russischen Beziehungen: 1717 schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter I. als Zeichen der guten Beziehungen ein „Bernsteinkabinett“. Vier Jahrzehnte später wurden die nur für eine Kammer ausreichenden Wandpaneele ergänzt und damit ein Saal im Katharinenpalast dekoriert.

Bei Russland-Aktuell
• Schwydkoi: Bernsteinzimmer kehrt nach Russland zurück (22.02.2008)
• Kaliningrad: Das Bernsteinzimmer unter dem Pregel? (24.11.2006)
• Zarskoje Selo: Nachwuchs für das Bernsteinzimmer (27.01.2006)
• Version X: Russen verbrannten Bernsteinzimmer (25.05.2004)
• Bernsteinzimmer: Ein Mythos wird Realität (14.05.2003)

Deutsche schenkten, stahlen, verloren und sponsorten das Bernsteinzimmer


Während der Blockade Leningrads verschleppte die deutsche Wehrmacht dann das Meisterwerk nach Königsberg. Als die Sowjetarmee 1945 die Stadt eroberte, verlor sich seine Spur. 1979 beschloss die Sowjetregierung, das Bernsteinzimmer nachzubauen. Doch die Rekonstruktion drohte an ihren Kosten zu scheitern, wäre 1999 nicht der deutsche Ruhrgas-Konzern mit 3,5 Mio. Dollar eingesprungen.

Schließlich tauchten in Deutschland noch eine Kommode aus dem Bernsteinzimmer und eines der vier Steinmosaike mit allegorischen Darstellungen der menschlichen Sinne auf. Diese privaten Beutestücke kehrten 2000 zurück – und drei Jahre später wurde das vollendete Bernsteinzimmer von Putin und Schröder wieder feierlich eröffnet.

Nicht alle Sehenswürdigkeiten stehen offen


Die wunderschöne barocke Schlosskirche ist zur Restaurierung geschlossen, man kann ihre Pracht nur anhand der fünf goldenen Kuppeln darüber erahnen. Ebenso für einige Jahre wegen „Remonts“ tabu sind die mit Halbedelsteinen ausgekleideten Achatzimmer im Obergeschoss der „Kalten Bäder“, einem Palast-Anbau.

Die Marmorbrücke ist eine der dekorativen Überraschungen im Park (Foto: A, Razumov)
Die Marmorbrücke ist eine der dekorativen Überraschungen im Park (Foto: A, Razumov)

Ein Park zum Verlieben - und Verlaufen


Pavillons, Kapellen, Bäder und Lauben, dazu der blau-weiße Traum der schier endlosen Barock-Fassade – schön muss es gewesen sein, hier Zar oder Zarin zu sein! Die vielen Bauten in dem um einen See angelegten Landschaftspark warten mit den verschiedensten Stilen auf: Türkisch, chinesisch, gotisch, klassisch – selbst Ruinen wurden der Romantik zuliebe hier eigens errichtet.

Über die Jahrhunderte, bis zu ihrem glanzlosen Abgang von der Bühne der Weltgeschichte, verprassten die vergnügungssüchtigen Herrscher und ihre Hofschranzen hier so manchen Rubel aus der Staatskasse.

Wo Puschkin seine ersten Verse schrieb


In Zarskoje Selo lebten aber auch Menschen, die etwas Produktives leisteten: Zu Ihnen gehört in erster Linie der heutige Namenspatron des Ortes, der Dichter Alexander Puschkin, der im Lyzeum – ein an den Palast anschließendes Gebäude (tgl. 10.30-17.30 außer Di, Eintritt 200 Rubel) – sechs Jahre studierte. 1937, anlässlich des 100. Todestages des Dichters, erhielt das ehemalige „Zarendorf“ seinen heutigen Namen.

Vor allem historisch interessant ist der 400 Meter nördlich 1792-96 errichtete Alexanderpalast (tgl. 10-17 Uhr außer Di und letzter Mi im Monat, Eintritt 300 Rbl.). 1904-17 lebte hier der letzte Zar Nikolaus II. mit seiner Familie. Von hier aus wurden sie in den Ural in die Verbannung und dann in den Tod geschickt.

Auf dem Weg zurück in die Stadt sollte man im Bus einen Fensterplatz rechts besetzen, um von den Pulkowo-Höhen den eindrucksvollen Blick auf das in der Ebene auftauchende Petersburg nicht zu verpassen!



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Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



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