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Im alten Stadtteil Kolomna finden sich noch solche alten Hinterhöfe, in denen Raskolnikow noch heute umherzuirren scheint. (Foto: ld/.rufo)
Im alten Stadtteil Kolomna finden sich noch solche alten Hinterhöfe, in denen Raskolnikow noch heute umherzuirren scheint. (Foto: ld/.rufo)

Ein Spaziergang auf Dostojewskis Spuren

Dostojewski und Puschkin sind zwei der bedeutendsten Literaten, deren Leben und Werk eng mit St. Petersburg verknüpft ist. Doch Dostojewski (1821 – 1881) steht für eine ganz andere russische Kultur als Puschkin.

Im Gegensatz zu diesem lebte er oft an der Armutsgrenze und wohnte lange in einem der ärmsten Stadtteile dieser Zeit – im Heumarkt-Viertel, wo sich der Gestank des Kanalwassers vermischte mit dem Mief aus unzähligen Kneipen, in denen viele ihr letztes Geld versoffen. Hier siedelte Dostojewski auch seine literarischen Helden an.

Dostojewski kannte das Leben dort gut: Dabei hasste er diese ärmlichen Verhältnisse, war aber gerade hier am produktivsten – und liebte dennoch diese Stadt. So beschrieb er Petersburg in seiner Novelle „Weiße Nächte“ als kränkliches Mädchen von unaussprechlicher Schönheit und unbändigem Lebenswillen. Ausgenommen einiger Reisen nach Europa sollte er ihr bis zu seinem Tod 1881 treu bleiben.

Schreiben gegen die Zeit – und gegen die Schulden

Trotz des Ruhmes, den er schon zu Lebzeiten erlangte, hatte er sein Leben lang finanzielle Probleme, vor allem auch deshalb, weil er nach dem Tod seines Bruders dessen Schulden auf sich nahm. So schrieb er seine Bücher nicht selten unter hohem Zeitdruck, weil er das Geld so dringend brauchte.

Die Erzählung „Der Spieler“ entstand etwa in nur 26 Tagen – eine Leistung, wie sie in dieser Zeit wohl kein Zweiter erbracht hätte. Auch der berühmte Roman „Schuld und Sühne“ entstand in sehr kurzer Zeit, da Dostojewski vertraglich dazu gezwungen war, monatlich Episoden einzureichen.

Vom Heumarkt zum Gribojedow-Kanal

Die Spuren des großen Dichters und seiner Romanhelden aus „Schuld und Sühne“, deren Erlebnisse im Heumarktviertel um das Jahr 1860 spielen, sind im Roman topographisch exakt angelegt und beginnen am Sennaja Ploschtschad (mit der gleichnamigen Metrostation).

An der nord-westlichen Ecke des Platzes geht es zwischen zwei Wohnhäusern hindurch zum Gribojedow-Kanal. Über die Brücke und nach rechts den Kanal entlang beginnt an der nächsten Ecke links die Kasnatschejskaja Uliza.

Bei Russland-Aktuell
• Ein Tipp von uns: Das Dostojewski-Museum an der Wladimir-Kirche.
Ein Zimmer im gelben Eckhaus Nr. 1 hatte Dostojewski der Prostituierten Sonia zugedacht. Ihr gesteht der Romanheld Raskolnikow später den Mord an der alten Pfandleiherin. Direkt gegenüber in dem rot-braunen Haus an der Ecke hatte Dostojewski selbst einmal gewohnt. Er zog dort ein, als er aus einem sibirischen Straflager zurückgekehrt war, in dem er vier Jahre zubringen musste.

Hier entwickelte er erste Ideen zu seinem Roman „Schuld und Sühne“. Zu dieser Zeit war er zwar bereits ein berühmter Schriftsteller in Russland. Jedoch waren in den Jahren seiner Abwesenheit neue junge Talente bekannt geworden.

So wollte er mit „Schuld und Sühne“ ein wirklich großes Werk schaffen. Tatsächlich ist der Roman heute einer seiner berühmtesten. Mit ihm schuf er nicht nur eine existentialistische Beschreibung der Lebensverhältnisse im Petersburg dieser Zeit und das Psychogramm eines Mannes, der zum Mörder wurde; sondern er brachte auch sein philosophisch-religiöses Weltverständnis zum Ausdruck.

Hinauf zur Dachstube Raskolnikows

In der Kasnatschejskaja Uliza beendete er den Roman auch, und zwar ein paar Häuser weiter in der Nr. 7. Dort hatte er in einer Drei-Zimmer-Wohnung direkt über einem Toreingang gelebt. Und nicht nur dort; insgesamt zog er mehr als 20 Mal um. Lange hielt er es an einem Ort nicht aus, zumal er oft Mietschulden hatte. Aber in jener Wohnung über dem Torbogen lebte er etwas länger als gewöhnlich, weil der Besitzer einige Mietnachlässe gab.

Der Hausherr mochte Dostojewski vor allem deshalb, weil der Schriftsteller unglaublich viel arbeitete. Auf Russisch würde man sagen, er war eine „Eule“. Das heißt, am produktivsten arbeitete er nachts. Der Hausherr wusste das, sah er doch oft am frühen Morgen beim Gang zur Kirche noch das Licht brennen.

Zwei mögliche Raskolnikow-Adressen

Nicht unweit von dieser Wohnung hatte Dostojewski seinen Romanhelden Raskolnikow untergebracht. Welches aber nun genau das Haus ist, an das Dostojewski dabei gedacht hat – darüber gehen die Meinungen auseinander. Möglich sind zwei Gebäude, die nur einige Schritte voneinander entfernt sind.

Läuft man die Kasnatschejskaja Uliza bis zur nächsten Kreuzung, geht es nach rechts in den Stoljarny Pereulok. Auf der linken Seite befindet sich etwa in der Mitte ein Durchgang zum Hof, es handelt sich hier um Haus Nr. 9. Die Ähnlichkeiten mit den Beschreibungen Dostojewskis sind jedenfalls auffallend groß.

Im Durchgang ist auf der linken Seite die Wohnung des Hausmeisters, aus dessen Werkzeugregal Raskolnikow die Axt stahl, mit der er die Alte umbringen sollte. Wie im Roman bildeten genau zwei Stufen einstmals den Treppenabsatz.

Auf dem Hof ist rechts der Hauseingang, in dem die oberste Treppe, die unters Dach führt, tatsächlich jene 13 Stufen aufweist, die Raskolnikow aus seiner Kammer immer sehr leise hinuntertappte, um einem Treffen mit seiner Vermieterin zu entgehen.

Gleiche Merkmale weist aber auch das Gebäude an der nächsten Ecke in der Graschdanskaja Uliza Nr. 19 auf. Jedoch wurde die Hausmeisterwohnung im Durchgang in der Zwischenzeit zugemauert. Offiziell zur Bleibe Raskolnikows erklärt, wurde an diesem Eckhaus eine Gedenkbronzetafel angebracht.

730 Schritte – der Weg zur alten Pfandleiherin

Von hier aus kann man nun jene 730 Schritte gehen, auf denen Raskolnikow fast im Wahnsinn bis zum Haus der geizigen Alten taumelte, deren Leben er nicht für mehr wert befand „als das einer Laus“. Dazu geht es den Stoljarny Pereulok wieder so weit zurück, bis die Kokuschkin-Brücke erreicht ist.

Sie taucht schon zu Beginn des Romans auf, als so genannte K...-Brücke, an der Raskolnikow den Selbstmordversuch einer Frau beobachtet. Im Übrigen bezeichnete Dostojewski alle Orte und Straßen auf diese Art und Weise.

So ist „Schuld und Sühne“ derart geschrieben, das der Leser sich herausgefordert fühlt, die Handlungsorte selbst aufzusuchen. Denn für den Text und das Vorantreiben der Handlung selbst sind diese Andeutungen nicht nötig; rücken ihn aber näher an die Realität heran und wecken des Lesers Neugier.

Um diese zu stillen, sollte der Weg hinter der Brücke nun weiter nach rechts in die oft erwähnte S…-Straße, die Sadowaja Uliza, führen und an der nächsten Ecke erneut nach rechts in den Rimskogo-Korsakowa-Prospekt.

Immer geradeaus, den Wosnessenski Prospekt überquert, bis zum Eckhaus Nr. 15 zwischen Gribojedow-Kanal und Srednjaja Podjatscheskaja Uliza und dort in den Hof, der entweder vom Kanal oder von der Straße betreten werden kann. Bis hierher also war Raskolnikow gelaufen und hatte dann die geizige Aljona Iwanowna und ihre arme Schwester umgebracht.

An diesem Ort beginnt Raskolnikows Kampf mit sich selbst. Wie im Fieber hatte er nach der Tat ständig das Gefühl, man sähe ihm an, gemordet zu haben. Der Weg bis zu seinem Geständnis führt ihn im Viertel vorbei an Armut, Krankheit und Tod, bis er schließlich in Sonias Arme gelangt, die ihm den Weg ans Licht zu weisen vermag.

Unser literarischer Spaziergang endet hier. Wir empfehlen ihnen, das Heumarktviertel und die Gegend um den Gribojedow- und den Krjukow-Kanal mit ihren unzähligen kleinen Brücken weiter zu durchstreifen, um die Fährte in die Vergangenheit weiterzuverfolgen.

Denn zu den elitären Stadtteilen gehört das Viertel um den Heumarkt – und erst recht das hinter dem Krjukow-Kanal angrenzende Kolomna – auch heute noch nicht. Dafür hat es einen unnachahmlichen Charme.

(mga/.rufo)

Aktualisiert im Januar 2009

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