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Hofintrigen und Palastrevolten waren im zarischen Petersburg an der Tagesordnung. (Foto: ld/.rufo)
Hofintrigen und Palastrevolten waren im zarischen Petersburg an der Tagesordnung. (Foto: ld/.rufo)

Historischer Spaziergang: Geheimnisse der Zarendynastie

Die Zaren lebten gefährlich: Nur wenige starben eines natürlichen Todes. Andere wurden ermordet oder nahmen sich das Leben. So erzählt die russische Zarendynastie auch die Geschichte politischer Umstürze. Ein Spaziergang zu den Denkmälern und Palästen in Petersburg lässt die Legenden um die Intrigen der Mächtigen lebendig werden.

Wir beginnen unseren Weg durch die Innenstadt am Isaak-Platz neben der gleichnamigen Kathedrale. In der Mitte thront dort das Denkmal für Nikolaus I. Er kam 1825 an die Macht, obwohl er nicht der älteste Sohn war, der nach der Tradition eigentlich die Thronfolge antritt.

Der regierende Zar, der ältere Bruder Alexander I., war angeblich gestorben. Die Umstände – sehr mysteriös, und niemand hatte dabei den Leichnam gesehen. Durch das Machtvakuum kam es zu Unruhen im Land, die im so genannten Dekabristen-Aufstand auf dem Isaak-Platz gipfelten, als junge Offiziere dort lautstark eine konstitutionelle Monarchie forderten. Nikolaus ließ den Aufstand blutig niederschlagen und wurde zum Zaren gekrönt.

Er regierte bis 1856 und starb dann sehr unerwartet. Er war noch nicht alt. Historiker nehmen an, dass er sich selbst ein Gift verabreicht hatte. Wahrscheinlich hatte er nie die erste schwere Niederlage Russlands verkraftet, die es unter seiner Herrschaft 1853 im Krim-Krieg erlitten hatte. Diese Version des Zaren-Todes fußt jedoch auf Annahmen. Das Denkmal auf dem Isaak-Platz zeigt ihn jedenfalls zu Pferde und in heroischer Pose.

Peter der Große – starb er durch die Intrige seiner Frau?

Auf dem Spaziergang geht es weiter Richtung Admiralität. Immer geradeaus, vorbei am Hotel Angleterre. Überquert man die Malaja Morskaja uliza, läuft man direkt auf den grünen Garten zu, der die Admiralität umgibt. Von dort sind es nur wenige Meter durch den Park bis zum Newa-Ufer, wo das berühmte Denkmal Peter I., „Der Eherne Reiter“, steht.

Der Eherne Reiter auf dem Senatsplatz in St. Petersburg - ein Symbol für eine ganze Epoche der russischen Geschichte. (Foto: ld/.rufo)
Der Eherne Reiter auf dem Senatsplatz in St. Petersburg - ein Symbol für eine ganze Epoche der russischen Geschichte. (Foto: ld/.rufo)
Es zeigt den Stadtgründer Petersburgs hoch zu Ross, das ihn emporhebt, während er mit imperialer Geste nach Westen zeigt. Das Denkmal ist auf einen massiven, 1.600 Tonnen schweren Granitfindling als Sockel gesetzt.

Nach Peter regierte Katharina I., die er als seine Ehefrau erstmals in der russischen Geschichte zur Kaiserin hatte erklären lassen. Sie bestieg den Thron nach seinem Tod, der den Historikern im Übrigen nach wie vor Nachdenken bereitet.

Offiziell erklärte man, er sei beim heroischen Versuch gestorben, Ertrinkende aus einem sinkenden Boot zu retten. Inoffiziell wird aber eine Intrige der Ehefrau höchstselbst nicht ausgeschlossen.

Angeblich habe sich zwischen ihr und Fürst Menschikow eine Affäre entwickelt, weshalb sie ein Komplott gesponnen hätten, den Zaren zu vergiften. Andere Historiker glauben, dass Katharina und Peter bis zu dessen Tod eine glückliche Ehe geführt haben und erst danach die Affäre der frisch gekrönten Zarin mit dem Fürsten begann.

Die russische Geschichte der „eisernen Maske“

Nach diesem Blick ins Schlafzimmer des großen Reformers geht es auf dem Spaziergang weiter an der Rückseite der Admiralität entlang Richtung Schlossplatz. Dort angekommen, erwartet den Besucher neben der Alexander-Säule ein weiteres Monument – der Winterpalast selbst, heute Hauptgebäude der Eremitage.

Der Winterpalast in St. Petersburg erlebte so manches Drama um Macht und Einfluss. (Foto: ld/.rufo)
Der Winterpalast in St. Petersburg erlebte so manches Drama um Macht und Einfluss. (Foto: ld/.rufo)
Prinzipiell könnte er als Elisabeths Denkmal bezeichnet werden. Sie war eine der beiden Töchter, die aus der Ehe von Peter und Katharina hervorging. Um ihre Machtergreifung ist indes eine Geschichte gewoben, die getrost als russische Version der „eisernen Maske“ bezeichnet werden kann.

Sie und eine ganze Mannschaft drangen 1741 in den Winterpalast ein, um den kleinen einjährigen Iwan VI. in die nahe bei Petersburg gelegene Festung Schlüsselburg zu verschleppen. Eigentlich war er rechtmäßiger Anwärter auf den Thron, sollte aber die nächsten zwanzig Jahre im Kerker zubringen – während Elisabeth das Land regierte.

Niemand sollte unter ihrer Herrschaft exekutiert werden – so ihre eiserne Regel. Aus diesem Grund wurde auch Iwan nicht umgebracht, obwohl ihre Herrschaft durch seine bloße Existenz gefährdet war. In Petersburg gibt es kein Denkmal für Elisabeth, der Winterpalast könnte aber wohl am ehesten dafür gelten. Von Rastrelli im späten Barockstil geschaffen, ist er das imposanteste Gebäude in der Stadt.

In der Mitte des Schlossplatzes ragt die Alexander-Säule empor. 600 Tonnen schwer, wurde sie von tausenden Kriegsveteranen mit Hilfe von Rampen, Flaschenzügen und Kränen in die Höhe gehievt.

Sie soll an den Sieg über die napoleonischen Truppen im Jahr 1812 erinnern. Auf ihrer Spitze thront ein Engel, dessen Gesicht den Zügen Alexanders I. nachempfunden wurde – jener Bruder von Nikolaus I., der die Truppen im Krieg gegen Napoleon angeführt hatte und ein Jahrzehnt später zu Tode gekommen sein soll.

Der Wunderheiler in Sibirien – einst ein Zar?

Ein Geschenk für Graf Orlow - der Marmorpalast in St. Petersburg. (Foto: ld/.rufo)
Ein Geschenk für Graf Orlow - der Marmorpalast in St. Petersburg. (Foto: ld/.rufo)
Unter dem Volk hielt sich indessen die Überlieferung, dass Alexander sein Leben in jener Zeit nicht verlor. Stattdessen soll er unter anderem Namen in den Wäldern Sibiriens den Rest seines Lebens verbracht haben.

Dort sei er ein bekannter Heiler geworden. Zumal: In den 1920er Jahren kam die Nachricht in der Presse auf, die bolschewistische Regierung habe den Sarg öffnen lassen und er sei leer gewesen. Unklar bleibt, was davon Wahrheit und was Legende ist…

Vom Schlossplatz aus führt der Weg weiter durch die Millionnaja Uliza, an deren Ende auf der linken Seite der Marmorpalast steht. Er wurde im Auftrag Katharinas II. gebaut, die ihn Graf Grigori Orlow schenkte.

Es war eine Art Danksagung, da er ihr nicht unerheblich dabei geholfen hatte, den Thron zu besteigen. Sie war die Ehefrau Peters III., über dessen Kopf hinweg sie sich zur Zarin krönte. Der Zar kam in Haft und wurde ermordet – Orlow war einer der Beteiligten. Insofern erinnert der Marmorpalast auch an den Mord an Peter III.

Ein Schloss für 40 Tage

Pauls Festung - das Michael-Schloss in St. Petersburg. (Foto: ld/.rufo)
Pauls Festung - das Michael-Schloss in St. Petersburg. (Foto: ld/.rufo)
Katharina regierte bis Ende des 18. Jahrhunderts. Nach ihr übernahm Paul I. die Herrschaft, als dessen Denkmal das Michael-Schloss angesehen werden kann. Man erreicht es vom Marmorpalast aus, indem man das Marsfeld in Richtung Fontanka diagonal durchquert.

Das Michael-Schloss war einst das einzige Wasserschloss Russlands. Paul ließ es errichten, weil er sich in der eigentlichen Zarenresidenz – dem Winterpalast – nicht sicher genug fühlte. Es war von Wassergräben umgeben und besaß Brücken, die jeden Abend hochgezogen wurden.

Trotzdem konnte auch er einer gewaltsamen Machtübernahme nichts entgegensetzen und wurde dort 1801 ermordet, nachdem er ganze 40 Tage in seiner neuen Residenz verbracht hatte. Und wie schon so oft blieben Fragen offen: Wie kamen die Mörder ins Schloss und warum flüchtete Paul nicht durch den bestehenden Geheimgang?

Fragen über Fragen, die zu beantworten wir an dieser Stelle leider nicht leisten können. Denn unsere Reise durch die Intrigen und Jahrhunderte der russischen Geschichte endet hier. Um in Ruhe noch ein bisschen drüber nachdenken zu können, empfehlen wir Ihnen nun eine Ruhepause im stimmungsvollen Sommergarten, gleich jenseits des Moika-Flüsschens am Michael-Schloss.

(mga/.rufo)

Aktualisiert im Januar 2009

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