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Das Blockade-Museum in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo
Das Blockade-Museum in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo

Blockade-Museum

St. Petersburg durchlebte im 20. Jahrhundert sehr schwere Zeiten: Revolutionen, Bürgerkrieg und Stalinscher Terror. Doch die 900-tägige Belagerung durch deutsche Truppen war die mit Abstand schlimmste Prüfung.

Das der „Verteidigung und Blockade Leningrads“ gewidmete Museum vermittelt ein eindrückliches Bild der verzweifelten Lage, in der sich die Stadt von Mai 1941 bis Januar 1944 befand.

Das Museum ist ganz im altbackenen Stil des ‘’sozialistischen Realismus’’ eingerichtet. Gleich am Eingang hängt ein Porträt des streng und weise blickenden Stalins, neben ihm überlebensgroße Ölbilder der reichlich mit Orden dekorierten sowjetischen Heerführer.

Verfolgt und verboten

Der "altbackene" Stil hat einen ganz bestimmten Grund: Das Blockademuseum musste nämlich nach nur wenigen Jahren Existenz Anfang der 1950er Jahre schließen und konnte erst 1989 wiedereröffnet werden.

In seiner Anfangszeit war die Ausstellung "ganz nah am Leben" gewesen, denn die dokumentierten Ereignisse waren noch ganz frisch. In atemberaubenden Nachstellungen traten die Besucher förmlich selbst mitten hinein in die belagerte Stadt und fühlten sich als unmittelbare Teilnehmer am Geschehen.


Die Koordinaten
Staatliches Gedenkmuseum der Verteidigung und Belagerung von Leningrad

Soljanoi per. 9
Nächste Metro: Tschernyschewskaja
Tel.: 275-72-08
Geöffnet: täglich 10-17 Uhr, Di bis 16 Uhr, Mi und jeden letzten Do des Monats geschlossen
Eintritt: 150 Rubel für Ausländer, sonst 100 Rubel, Führungen 200 Rubel.
Das noch während des Krieges eingerichtete Museum fiel der sogenannten "Leningrad-Affäre" zum Opfer, einer von Stalins Umgebung inszenierten Verfolgungskampagne gegen die führenden Persönlichkeiten der belagerten Stadt.

Alle Erinnerungen an die heldenhafte Verteidigung Leningrads sollten ausgelöscht werden, weil das Moskauer Machtzentrum sie als Versuch wertete, die Macht im Land an sich zu reißen und Stalin und sein System zu stürzen.

Davon war nichts wahr, aber die Folgen waren verheerend. Nicht nur das Museum musste schließen, sondern Tausende Leningrader verschwanden (völlig unschuldig) im Gulag, und die Stadt durfte sich lange Jahrzehnte nicht auf ihr eigenes Selbstverständnis besinnen.
Völliger Neuanfang

Als die Neueröffnung im Zuge der Perestroika 1989 endlich möglich wurde, musste ganz von vorn begonnen werden. Die meisten der heute ausgestellten Gegenstände sind Schenkungen von Blockade-Teilnehmern und von Suchtrupps an den ehemaligen Frontabschnitten ausgegrabene Relikte.

Am Fuß der in die obere Etage führenden Treppe stehen in Originalgröße einige der Geschosse, die die Stadt während dreier langer Jahre traktierten – sie haben eine Länge von bis zu zwei Metern!

Der erste Saal im Zweiten Stock beherbergt die verschiedensten Uniformen, sowjetische wie deutsche. In den Vitrinen liegen Orden, Rangabzeichen, Waffen und persönliche Besitztümer der Soldaten, es sind alles Originalgegenstände.

Auch bei in den letzten Jahren durchgeführten Ausgrabungen gefundene Gegenstände werden gezeigt: verrostete Revolver, Helme, Stiefel und noch vieles mehr. Auf den Fotos, die die Ausgrabungen dokumentieren, sieht man, dass rund um Petersburg sogar noch ganze Panzer in der Erde liegen.

Im Internet
• Webseite des Blockademuseums

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Hitlers Ziel war von Anfang an, die Stadt zu vernichten. Darunter litt insbesondere die Zivilbevölkerung – mehrere Millionen Menschen waren eingeschlossen und wurden ausgehungert.

Das Leben in der belagerten Stadt dokumentiert

Der Kampf ums tägliche Überleben wird mit Lebensmittelkarten, eindrücklichen Fotografien und Auszügen aus Briefen der Leningrader an ihre Verwandten dargestellt. Auch die berühmte "Straße des Lebens" über das Eis des Ladoga-Sees, die einzige Verbindung der Stadt zum Hinterland, ist mit Fotografien und Zeitdokumenten präsent.

Häufig anzutreffen sind Dokumente wie dienstliche Befehle, Aufrufe an die Bevölkerung, Hitler-Karikaturen und Propagandaplakate. Auch wenn man kein Russisch lesen kann, erkennt man doch an den martialischen Zeichnungen, dass der Kampf um Leningrad mit allen Mitteln geführt wurde.

Die Belagerung war das schwerste Ereignis in der Petersburger Geschichte. Sich auch darüber zu informieren, sollte eigentlich zum Programm jedes Stadtbesuches gehören.

(ug/sb/.rufo)

Aktualisiert im Juni 2011.

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