Freitag, 28.06.2002

Eremitage

Blick auf den Winterpalast, das Hauptgebäude der Petersburger Eremitage. Foto: ld/.rufo
St. Petersburg. Die Eremitage ist in jeder Beziehung ein Museum der Superlative: Sie besitzt über drei Mio. Werke von der Urzeit bis in unsere Tage – verteilt auf ca. 1.000 Räume in sieben erstklassigen Palästen.
Allein bei der Aufzählung nur einiger der hier ausgestellten Maler ergreift den Besucher Schwindel: Dürer, da Vinci, Tizian, Rembrandt, Cézanne, Monet, van Gogh, Picasso... Aber nicht nur Gemälde hat die Eremitage zu bieten:

Graphik, antike Statuen und Gemmen, Münzen, skythische Goldgehänge und vieles andere mehr verbirgt sich hinter den barocken und klassizistischen Fassaden an der Newa, die auch ohne ihren kostbaren Inhalt schon Meisterwerke der Baukunst darstellen.

Würde der Besucher vor jedem Werk auch nur wenige Sekunden verweilen, bräuchte er an die siebzig Jahre, um sich alles anzusehen. Aber keine Angst: Mit ein bisschen Gefühl fürs Maß und den klaren Blick für die Selektion verwandelt sich das zweitgrößte Museum der Welt von einer unlösbaren Aufgabe in einen Kunstgenuss allererster Güte.

Katharina II., ihre "Einsiedelei" und die Mäuse

Die Koordinaten
Adresse: Schlossplatz 2
Nächste Metro: Newski Pr./Gostiny Dwor
Bus 7, Trolleybus 1, 7, 10
Geöffnet: 10.30 - 18.00, So bis 17.00
Ruhetag: Montag
Bestellung von Führungen 5718446
Eintritt: 400 Rubel
Freier Eintritt für Studenten (Studentenausweis nicht vergessen!) und für alle Besucher am ersten Do. jedes Monats
Schon Peter I. hatte Kunst gesammelt, doch erst Katharina II. verlieh dieser privaten Leidenschaft eine höchst professionelle Note. Nach der damals herrschenden französischen Mode schuf sie sich zunächst in ihrer Residenz, dem Winterpalast, eine „Eremitage" (also eine Einsiedelei), wo sie ungestört dem Kunstgenuss frönen und sich im Kreise ausgewählter Gäste von den anstrengenden Staatsgeschäften erholen konnte.

Hierher wurden auch die ersten, 1764 bei dem Berliner Kaufmann Johann Gotzkowsky erstandenen 225 Gemälde gebracht. Diesem Umstand verdankt die Eremitage ihren (heute offiziell jährlich am 8. Dezember begangenen) Geburtstag.

Spätestens mit der Eröffnung des öffentlichen Kaiserlichen Museums im Februar 1852 war es vorbei mit einem Umstand, den Katharina II. so bedauert hatte: „Nur die Mäuse und ich ergötzen uns an all diesen Herrlichkeiten."

Die Eremitage wächst und gedeiht

Lang, lang ist das her, und heute ist die Eremitage das am meisten frequentierte Museum nicht nur in Petersburg, sondern in ganz Russland. 2010 fanden mehr 2,5 Millionen Besucher den Weg über die ausladende, gold- und marmorbeladene Jordan-Treppe des Winterpalastes in das weltberühmte Museum.

Inzwischen hat die Eremitage den Sprung aus den traditionell von ihr belegten Gebäuden des Winterpalastes, der Kleinen, der Großen und der Neuen Eremitage und des Eremitage-Theaters über den Schlossplatz in den Ostflügel des Generalstabsgebäudes unternommen. Dort wird momentan eifrig restauriert; einige Ausstellungsräume sind aber schon zugänglich.

Ein paar Tipps für den Umgang mit der Eremitage

Der an solche Dimensionen nicht gewöhnte Besucher sei gewarnt: Übernehmen Sie sich nicht! Wenn Sie nicht sehr viel Zeit haben und sich lediglich einen Überblick verschaffen wollen, konzentrieren Sie sich auf die Galasäle des Winterpalastes mit ihrer prunkvollen Ausstattung.

Besuchen Sie außerdem die Highlights der Ausstellung wie etwa die Madonnen des Leonardo da Vinci, Rembrandts Gemälde oder die erst vor wenigen Jahren aus dem Dunkel der Geheimmagazine ans Licht geholten Meisterwerke des französischen Impressionismus aus deutschen Privatsammlungen: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie als „Beutekunst" in die Eremitage gekommen.

Wenn Sie ein bestimmtes Ziel haben (etwa den Ägyptischen Saal oder die Griechische Antike), gehen sie schnurstracks darauf zu und achten Sie darauf, sich nicht zu verlaufen. Das kann Ihnen an jeder Ecke passieren - auch erfahrene Eremitage-Gänger kommen nicht umhin, dann und wann auf die stets höfliche und engagierte Hilfe der Museumswärterinnen zurückzugreifen.

Oder machen Sie es andersherum: Nehmen Sie sich einen ganzen Tag Zeit und lassen Sie sich treiben, trinken Sie zwischendurch mal einen Kaffee (in der inzwischen angenehm aufgefrischten Cafeteria im Erdgeschoss) und genießen Sie den atemberaubenden Blick auf die von hier noch breiter erscheinende Newa oder das wunderschöne, geschwungene Panorama des Schlossplatzes.

Aktualisiert im September 2011.