Samstag, 13.04.2002

Ethnographisches Museum

Das Ethnographische Museum in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo
Wenn auch alle russisch sprechen und man die Bewohner dieses Landes gerne Russen nennt, es bleibt doch dabei: Russland war und ist ein Vielvölkerstaat. Auf dem Territorium zwischen Pazifik und Ostsee leben über hundert verschiedene Volksgruppen.
Zu ihrer Geschichte, Lebensweise und Kultur bietet das Ethnographische Museum mit einer Fülle von Exponaten untermalte Informationen. Es beschränkt sich hierbei nicht auf die Russische Föderation in ihren heutigen Grenzen; auch die Völker der Sowjetunion und des Zarenreiches werden nicht vergessen.

Ein gigantisches Völkerkundemuseum

Das Gebäude an sich ist schon bemerkenswert: Es wurde anfangs des 20. Jahrhunderts auf Befehl des Zaren Nikolaus II. erbaut, der “Marmorsaal”, die riesige Eingangshalle, belegt einen der vorderen Plätze unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Umfang der gesamten Ausstellungen des Museums ist gigantisch: 157 Völker sind es, über die das Museum Einzelheiten bereithält.

Dem staatstragenden Volk der Russen sind die ersten Säle rechts des Eingangs gewidmet. Vor dem Auge des Besuchers tut sich die untergegangene Welt des altrussischen Dorfes auf. Es wird gezeigt, wie die Bauern ihre Hütten errichteten, aus welchen Materialien die Kleidung bestand und welchen Beschäftigungen die Landbevölkerung nachging.

So erfährt man zum Beispiel, das bis ins 20. Jahrhundert hinein der Beruf des “wandernden Tierarztes” existierte – gezeigt werden sowohl seine Arbeitsutensilien als auch die typische Kleidung.

Die Koordinaten
Adresse: Inshenernaja Ul. 4/1 (neben dem Russischen Museum)
Nächste Metro: Newski Prospekt/Gostiny Dwor
Geöffnet: Di bis Sa 10-18, Mo und letzter Freitag im Monat geschlossen
Eintritt: 300 Rubel

Einblick in das Leben der einfachen Menschen


Auch an Hintergrundinformationen fehlt es nicht. Es wird darüber aufgeklärt, dass die althergebrachte Kollektivwirtschaft, die so genannte “Obschtschina”, eine der Hauptursachen für Armut und Rückständigkeit des Landes war, und welche Auswirkungen die Industrialisierung auf das Leben der Menschen hatte.

Die zahlreich vorhandenen Fotografien zeigen u. a. barfüßige Bauern, von der Asche geschwärzte Köhler und Dorfbewohner in Festtagstracht. Diese Porträtaufnahmen geben der anonymen Geschichte ein Gesicht.

Weiter geht es mit den Kaukasusvölkern. Der Weinanbau in Georgien wurde genauso wenig ausgespart wie die rege Handelstätigkeit der Armenier. Es folgen die Bewohner der mittleren Wolga und des Uralgebiets – Mari, Tschuwaschen und Baschkiren.

Es wird berichtet, wer das Christentum annahm und welche Völker bis heute noch heidnische Bräuche pflegen, wie die Familienstrukturen aussahen und was man vom Zaren hielt. Weißrussland und die Ukraine, Fernost, die Kasachensteppen und das nördliche Eismeer, Ewenken, Eskimos, Jakuten, Tschuktschen und Mongolen – die Aufzählung könnte endlos lange fortgesetzt werden. (ug/rUFO)

Aktualisiert im August 2008