Freitag, 17.05.2002

Michael-Schloss

Das Michael-Schloss in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo
Zar Paul I. hatte Angst vor seinen politischen Gegnern, er fürchtete sogar um sein Leben. Deshalb ließ er sich ein Schloss bauen, das eher einer trotzigen Burg gleicht als einer schicken Zarenresidenz.
Wassergräben, Ziehbrücken und viel Wachpersonal sollten das Leben des Zaren schützen. Es nützte nichts: Im März 1801, kurz nach der Fertigstellung des Bauwerks, wurde Paul I. in seinem neuen Zuhause ermordet. Heute ist das Michael-Schloss Teil des Russischen Museums. Einen Besuch ist es wert – zumindest eine Betrachtung von außen. Denn im Innern findet man nur mäßig interessante Dauer- sowie Wechselausstellungen.

Eine Trutzburg mit Zugbrücken und Wassergräben



Das nach dem Erzengel Michael benannte Michael-Schloss brachte seinem Erbauer kein Glück: Nur wenige Monate nachdem Zar Paul I. in sein neues, vermeintlich sicheres Zuhause eingezogen war, wurde er von adligen Verschwörern umgebracht. Dabei hatten die Architekten Wassili Baschenow und Vincenzo Brenna auf Wunsch des Ermordeten alles getan, um die neue Zarenresidenz sicher zu machen.

Von vier Seiten war das Michael-Schloss damals von Wasser umgeben - von der Fontanka, von der Moika und von zwei nur noch fragmentarisch erhaltenen Kanälen. Zugbrücken sicherten den Zugang. Auch heute noch gleicht das imposante Gebäude viel eher einer mittelalterlichen Burg als einem Zarenschloss vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Doch trotzdem fehlt es dem viereckigen Bau mit seinem achteckigen Innenhof nicht an einer gewissen Eleganz. In vielen anderen europäischen Städten wäre das Michael-Schloss zweifellos eines der herausragendsten Gebäude – im mit Architekturdenkmälern gesegneten St. Petersburg spielt es „nur“ in der zweiten Liga.

Die Koordinaten
Adresse: Sadowaja uliza 2
Nächste Metro: Gostiny Dwor/Newski Prospekt
Geöffnet: Mi bis Sa 10 bis 18 Uhr, Mo bis 17 Uhr; Di geschlossen
Eintritt: 300 Rubel
Nach dem Tod Pauls I. zog die Zarenfamilie wieder in den Winterpalast um. Das Michael-Schloss stand über 20 Jahre leer und beherbergte dann lange Zeit eine Ingenieurschule, daher hat es auch seinen zweiten Namen „Ingenieurschloss“. Seit 1994 ist es eine Filiale des Russischen Museums. Zum 300-jährigen Stadtjubiläum wurde es gründlich restauriert.

Allerdings ist nur ein kleiner Teil des Schlosses Besuchern zugänglich. Gezeigt werden ein Modell des Schlosses, ein riesiges 360-Grad-Panoramafoto vom Dach des Gebäudes sowie zwei relativ kleine Dauerausstellungen.

Die eine zeigt russische Kopien italienischer Renaissance-Meister (allen voran von Raffael), die andere eine Sammlung russischer Portrait-Kunst sowie Bilder des Michael-Schlosses aus dem 19. Jahrhundert. Zudem gibt es hier größere Wechselausstellungen. (dan/.rufo)

Aktualisiert im August 2008