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Aushängeschild des Petersburger Metro-Museums. Foto: Heitmann/SPZ
Aushängeschild des Petersburger Metro-Museums. Foto: Heitmann/SPZ

Museum für Metro-Geschichte

Täglich benutzt mehr als die Hälfte der Petersburger die Metro. Umso verwunderlicher ist es, dass das kleine aber feine „Museum der Metropolitain“ zu den wirklichen Geheimtipps der Museumsszene zählt.

Und das in einer Stadt, die so ziemlich zu jedem Thema ein Museum zu bieten hat. Das Museum macht es seinen Besuchern aber auch nicht ganz leicht: Es befindet sich etwas ab vom Schuss, ganz in der Nähe der Metro-Endstation Primorskaja. Dort gibt es ein Gebäude, das ein deutscher Nahverkehrsbetrieb als sein „Kundenzentrum“ bezeichnen würde.

Am Eingang weist wirklich ein kleines Schild auf das Museum hin. Ich teile dem netten alten Pförtner mit, dass ich das Museum besuchen möchte. Er zeigt auf ein altes Telefon mit Wählscheibe an der Wand gegenüber und meint, ich solle mich da anmelden. Nichts für Sprachunkundige, denke ich mir, bekomme allerdings nicht mehr als ein Tuten aus der Leitung zu hören.

Wie im richtigen Leben - Eintritt durch ein Drehkreuz. Foto: Heitmann/SPZ
Wie im richtigen Leben - Eintritt durch ein Drehkreuz. Foto: Heitmann/SPZ
Der Pförtner nimmt darob die Sache selbst in die Hand und meldet „den Ausländer“ eigenhändig an. Durch ein paar Gänge, vorbei an Büros der Metroverwaltung, führen dann kleine Pfeile bis zum Museum. Dort werde ich persönlich begrüßt. Wenn ich Fragen hätte, könne ich die gerne stellen. Ansonsten ginge es dort entlang. Und schon ist er wieder weg, der „Museumsdirektor“.

Einmal ohne Jeton durch die Passagierschleuse

Im Vorraum bekommt man auf Schautafeln die Vorgeschichte des Petersburger Personennahverkehrs geschildert. Von Pferdekutschen bis zu den ersten Bussen und Trams kann man damalige Vehikel auf alten Zeichnungen bewundern und sich nebenbei auch eine Vorstellung davon machen, wie der Newski Prospekt ohne Automassen gewirkt haben muss.

Bei Russland-Aktuell
• Metro: Glückwunsch, die Türen öffnen sich! (28.06.2004)
• Neulich in der Metro (10.06.2004)
• Petersburg bekommt neue Metrostation im Dezember (27.07.2008)
Dann geht es richtig los. Wie eine echte Metrostation betritt man den ersten Raum durch eine Personensperre. Man muss allerdings keinen Jeton einwerfen – der Eintritt ist kostenlos. Unzählige Fundstücke aus 52 Jahren Metrogeschichte sind hier in Vitrinen ausgestellt. Ob alte Fahrkarten oder Lampenschirme aus den Waggons: Alles wird dem Besucher auf nette Weise präsentiert.

An einer Wand geben Texte und Bilder einen Blick hinter die Kulissen frei. Man erfährt, wie in der Zentrale alle Informationen und Sicherheitssysteme zusammenlaufen und in welchen Depots die Züge ihre Nacht verbringen. Auch viele technische Funktionsweisen werden beleuchtet. Dass die Belüftung der Tunnels in rund hundert Metern Tiefe eine ziemlich komplizierte Sache sein muss, wird mir erst jetzt klar.

Prächtige Metrostationen – und ganz ohne Menschen

Die Koordinaten
Adresse: Uliza Odojewskogo 27
Metro: Primorskaja
Öffnungszeiten: Mo -Fr 10-16 Uhr, an Feiertagen geschlossen
Einen unwirklichen Eindruck machen die großformatigen Fotos, die einige Metrostationen der Stadt menschenleer zeigen. So wird man die „Paläste für das Volk“ wohl nie erleben. So sieht man die oft prachtvolle Einrichtung vertrauter Stationen mit ganz anderen Augen und erkennt Details, die einem in dem regen Treiben unter der Erde noch nie aufgefallen sind.

Im Internet
• Die Webseite der Petersburger Metro

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Das Museum ist wirklich liebevoll eingerichtet. In den zweiten Raum geht es über ein Rolltreppenimitat hinunter. Unten wartet das Vorderteil eines echten Metrozugs auf den Besucher. Man kann sich dort in das winzige Zugführerabteil zwängen, auf dem Sitz Platz nehmen und sich vorstellen, wie es ist, mit tausend Menschen im Kreuz durch die endlosen Tunnels zu donnern.

Auch das wohl dunkelste Kapitel der Metrogeschichte wird hier behandelt: 1995 zerstörte ein Grundwassereinbruch den Tunnel zwischen den Stationen Lesnaja und Ploschtschad Muschestwa. Hier wird gezeigt, wie die schwierigen Reparaturarbeiten gemeistert wurden.

Sehenswert auch ohne Sprachkenntnisse

Die ganze Zeit war ich völlig alleine im Museum. Nur der Mann vom Anfang kann zwischendurch noch einmal kurz vorbei. Eine sehr seltene Erfahrung für ein russisches Museum, wo man normalerweise doch zumindest von einer „Babuschka vom Dienst“ beäugt wird. In jedem Fall hätte dieses Museum mehr Besucher verdient.

Einziger Schwachpunkt ist wie so oft die Sprache: Alles wird nur auf Russisch erklärt, und viele technische Begriffe gehören bei Fremdsprachlern bestimmt nicht zum Wortschatz. Doch auch ohne Russischkenntnisse hat man einiges zu gucken. (Hanno Heitmann/SPZ)

Aktualisiert im August 2008

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