Montag, 13.05.2002

Museum für Religionsgeschichte

Das Museum für Religionsgeschichte in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo
Dieses Museum ist nicht nur eine echte Petersburger Spezialität, sondern von seiner Thematik her sogar weltweit einmalig. Bis 1999 befand es sich in der Kasaner Kathedrale, wo es zur Sowjetzeit „Museum für Geschichte der Religion und des Atheismus“ hieß.
Inzwischen wurde dort das Hausrecht wieder an die Orthodoxe Kirche zurückgegeben. Die Masse der Exponate, nach der Revolution beschlagnahmte (und paradoxerweise so für die Nachwelt gerettete) Kostbarkeiten aus Kirchenbesitz, blieben aber im Bestand des Museums. Neuer Standort ist jetzt ein frisch renoviertes Gebäude gegenüber der Hauptpost.

Die Koordinaten
Adresse: Potschtamtskij Pereulok 14
Nächste Metro: Newski Prospekt/Gostiny Dwor
Bus 3, 22, 27; Trolleybus 5, 22
Geöffnet: 11.00 - 18.00
Ruhetag: Mittwoch

Größte Religionsgeschichtssammlung der Welt


Die Renovierung des Museumsbaus und der Auszug aus der Kathedrale zog sich wegen Finanzierungsnöten fast ein Jahrzehnt in die Länge. Und trotzdem sind die jetzt zum Besuch offen stehenden Museumsräume nur ein erster Bauabschnitt, weshalb die Ausstellung für die mit 180.000 Exponaten „größte Religionsgeschichtssammlung aller Länder, Völker und Epochen“ (so der Direktor) etwas bescheiden anmutet.

Den Atheismus hat man inzwischen als Ausstellungsthema über Bord geworfen. Den Schwerpunkt in der wieder recht gottgefälligen Exposition stellt selbstverständlich die orthodoxe Kirche. Anhand allerlei Ikonen, Talaren und „Kultgegenständen“ wird ihre Geschichte von der Urkirche über die Kirchenspaltung bis zur faktischen Verstaatlichung durch die Zaren dargelegt. Um diesen Prozess richtig nachzuempfinden, braucht es dann aber wohl doch eine kompetente Führung.

Einen Blick ins Postamt nicht vergessen!


Die recht knapp gehaltenen anderen Abteilungen sind den Religionen der alten Ägypter, Juden, Griechen, Römer und der Naturvölker Sibiriens gewidmet. Was mehr beeindruckt, ist die zeitgemäße Ausstattung dieses Museums: Petersburg-untypisch gibt es hier keinen Muff und Staubansatz, sondern gute Beleuchtung der Vitrinen, Klimatisierung der Räume, anständige Toiletten und selbst einen Schrägaufzug für Rollstühle über die Treppe ins Obergeschoss.

Wer schon seinen Weg in das etwas ab vom Schuss gelegene Viertel hinter dem Isaaksplatz gefunden hat, sollte direkt gegenüber dem Museumseingang auch noch einen Blick in die Hauptpost werfen: Die renovierte riesige Jugendstil-Schalterhalle mit ihrem riesigen Glasdach ist eine der verkannten Sehenswürdigkeiten Petersburgs.
Aktualisiert im August 2008