Donnerstag, 18.04.2002

Panzerkreuzer „Aurora“

Heute dümpelt die Aurora friedlich auf den Wassern der Newa. Foto: ld/.rufo
Am 25. Oktober 1917 fiel der wohl folgenschwerste Schuss der Weltgeschichte: Das Signal zum Sturm auf den Winterpalast gab für alle deutlich hörbar die „Aurora“ mit ihrer Bordkanone – sozusagen die Initialzündung der Oktoberrevolution.
Der geschichtsträchtige Kreuzer samt Kanone ruft mittlerweile nicht mehr zum Kampf gegen Zar und kapitalistische Ausbeuter: Die „Aurora“ liegt heute als eines der berühmtesten Denkmäler der Stadt friedlich auf der Newa vor Anker.

Wer die Ehrenwache passiert und die aufs Schiff führende Gangway genommen hat, kann sich auf dem Oberdeck der „Aurora“ frei bewegen. Zu sehen gibt es Artillerie, viel blank gewienertes Messing und zahlreiche ebenso gut polierte Gedenktafeln. Und – man befindet sich ja schließlich auf einem Kriegsschiff – zentimeterdicke Stahlplatten überall.

Wenn man des Russischen mächtig ist und sich somit den Aufschriften widmen kann, erfährt man, dass die „Aurora“ 1900 gebaut wurde, dass der berühmte Schuss um 21.40 Uhr fiel und welche Auszeichnungen der Kreuzer und seine Mannschaft erhielten.

Ein Schiff mit ereignisreicher Geschichte


Die Koordinaten
Liegeplatz: Bolschaja Newka, Petrogradskaja Nab. 2
Nächste Metro: Gorkowskaja oder Finljandski woksal
Öffnungszeiten: 10.30 – 16.00, Mo. und Fr. Ruhetage
Eintritt: 30 Rubel
Die alte Dame hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Sie war nicht nur während der Revolution und des darauf folgenden Bürgerkriegs im Einsatz, sondern schon davor im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 und im Ersten Weltkrieg. Auch während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg nahm die „Aurora“ an der Verteidigung der Stadt teil. An ihrem jetzigen Platz liegt sie seit 1948.

Über eine steile Treppe gelangt man zur Ausstellung im Unterdeck. Gezeigt werden sowohl zahlreiche Fotografien, Schiffsmodelle, Flaggen und Exponate zur Geschichte der „Aurora“ und der Schifffahrt im Allgemeinen.

Unter anderem werden die Lebensbedingungen an Bord in den 20er Jahren demonstriert. Dabei erfährt man auch einige Kuriositäten, z. B. dass jedem Matrosen pro Tag exakt 123 Gramm Wodka und 3,2 Gramm Teeblätter zustanden. Alle fünf Jahre bekam jeder u. a. sechs Mützen und 15 Paar Socken.

Übrigens: Die revolutionäre Kanone steht zuvorderst auf dem Oberdeck, von wo man auch einen prächtigen Ausblick auf das linke Newa-Ufer hat. Und wer sich an den niedrigen Deckenbalken im Innern der „Aurora“ hinreichend oft den Kopf gestoßen hat, kann sich dann im gläsernen Café auf dem Kai erholen oder hier zwischen den Ständen der Souvenirhändler bummeln gehen. (ug/rUFO)

Aktualisiert im November 2009