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Die Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo
Die Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg. Foto: ld/.rufo

Peter-Pauls-Festung

Die Peter-Pauls-Festung ist das unbestrittene Herz der Stadt. Hier wurde am 27. Mai 1703 der Grundstein zur Festung Sankt-Piterburch (Zar Peter I., der Gründer, wollte sie auf holländische Art benannt genannt haben) gelegt.

Angelegt als Trutzburg gegen die Angriffe der Schweden, musste die Peter-Pauls-Festung niemals ihre eigentliche Funktionstüchtigkeit unter Beweis stellen. Stattdessen wurde sie sehr bald zum berüchtigsten politischen Gefängnis des zaristischen Russland.

Heute ist die Festung eine friedliche Oase in der hypergeschäftigen Riesenstadt: Sie beherbergt das Museum für Stadtgeschichte und ist ein Ort, an dem die Petersburger gerne ihre Freizeit verbringen. Wer die Zeit und Muße hat, kann hier ohne Probleme einen ganzen Tag zubringen.

Wer dabei nicht nur spazieren gehen oder am Strand faulenzen will, kann sich an der Kasse links vom Eingang ein Ticket kaufen, das für alle Museen und Ausstellungen in der Festung gültig ist. Und davon gibt es hier eine ganze Menge. Nur für den eindrucksvollen Panoramablick über den weiten Newa-Fluss vom Steg über die Dächer der Bastionen muss noch einmal extra bezahlt werden.

Die Koordinaten
Adresse: Petropawlowskaja krepost
Nächste Metro: Gorkowskaja
Geöffnet: 10.00 – 18.00, Di bis 17.00
Ruhetag: Mittwoch, letzter Dienstag des Monats (die Festung selbst ist täglich bis 22 Uhr frei zugänglich)
Eintritt: 350 Rubel (gültig für 48 Stunden für alle Museen), 100 Rubel für die Kaiserbastion
Sehenswertes im Umkreis der Kathedrale

Vor dem Glockenturm der Peter-Pauls-Kathedrale (sie bildet den Mittelpunkt der Festung, eine eingehende Beschreibung finden Sie in der Rubrik „Gotteshäuser & Äcker“) steht ein kleines Häuschen im klassizistischen Stil – das Bootshäuschen. Hier stand von 1761 bis 1940 die als „Großvater der russischen Flotte“ bezeichnete holländische Schaluppe, auf der Peter I. in seiner Jugend das Segeln erlernt hatte.

Das Original ist heute im Marinemuseum auf der Wassili-Insel zu bewundern, im Bootshäuschen steht eine Kopie, außerdem gibt es hier eine weitere Ticketkasse. Vor der Kathedrale befindet sich der Friedhof der Festungs-Kommandanten, eine der ältesten erhaltenen Nekropolen von St. Petersburg. Hier wurden zwischen 1720 und 1907 neunzehn der insgesamt 32 Kommandanten begraben, wobei Orthodoxe und Protestanten einträchtig nebeneinander liegen.

Der hässliche Peter ist ein Liebling der Kinder

Gegenüber dem Friedhof steht in einer Grünanlage das lange umstrittene Denkmal für Peter I. , das der heute in den USA lebende Petersburger Bildhauer Michail Schemjakin 1991 seiner Heimatstadt geschenkt hatte.

Peter I. hat all seine Heroik eingebüßt, die sonst allerorten in den Denkmälern für den Stadtgründer zum Ausdruck kommt. Auf einem Sessel sitzt ein alter Mann mit einem viel zu kleinen Glatzkopf auf einem riesigen unproportionellen Rumpf und mit langen Spinnenfingern.

Inzwischen lässt es sich kaum ein Besucher nehmen, sich mit dem unheimlichen Kaiser zu fotografieren, und Kinder finden viel Vergnügen daran, sich auf dem Schoß des Zaren niederzulassen. Die zunächst als Monstrum verschriene Plastik ist ein sehr volksnahes Pilgerobjekt geworden.

Museen und Ausstellungen

Im in den 1740er Jahren als Wohnhaus für die Festungs-Kommandanten errichteten Kommandantenhaus ist eine sehr interessante, der Geschichte Petersburgs und Petrograds (1703-1924) gewidmete Dauerausstellung, zu sehen.

Zugänglich ist auch dagegen das Ingenieurshaus, in dem unter dem Namen „Museum des alten Petersburg“ ständige und wechselnde Ausstellungen zur Petersburger Geschichte gezeigt werden.

Rechts und links vom Newa-Tor befinden sich in der Newa-Kurtine ebenfalls Ausstellungssäle, die in den letzten Jahren vor allem von in- und ausländischen Fotokünstlern für die Demonstration ihrer Werke genutzt werden. In drei alten Kasematten ist die Druckerei untergebracht, wo auf alten Pressen Druckgraphiken hergestellt und gleich an Ort und Stelle zum Verkauf angeboten werden.

• Website der Peter-Pauls-Festung

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Der jenseits des kopfsteingepflasterten Platzes gegenüber dem Glockenturm der Peter-Paul-Kathedrale gelegene Münzhof gehört zu den ältesten Industriestätten der Stadt. Hier werden seit 1724 Münzen, Orden und Medaillen geprägt; einen Überblick über die Produktion aus drei Jahrhunderten vermittelt ein den Werkshallen angegliedertes Museum.

Auf der anderen Seite der Festung wartet links neben dem Johannes-Tor das Museum für Raketenbau und Raumfahrt (offizieller Name: „Gasodynamisches Laboratorium“) auf neugierige Besucher. Die Existenz eines solchen Memorials in einer historischen Festungsanlage ist wahrlich eine Überraschung.

Tatsache ist jedoch, dass sich hier 1932-1933 Forschungswerkstätten zur Entwicklung der sowjetischen Raketentechnik befanden. Heute sind hier die nachgebildeten Konstruktionsbüros der Raketenbauer, Sputniks sowie kosmischer Schnickschnack wie etwa Original-Raumanzüge ausgestellt.

Blick von der Kaiserbastion auf die Peter-Pauls-Kathedrale. Foto: ld/.rufo
Blick von der Kaiserbastion auf die Peter-Pauls-Kathedrale. Foto: ld/.rufo
Großartiges Panorama und ein richtiger Sandstrand

Nach so viel Museumsstaub ist nun frische Luft angesagt. Als erstes sollte der ausstellungsmüde Besucher sich die Mühe machen, die Kaiserbastion zu erklimmen, von wo sich ein herrlicher Panoramablick über die Festung und die Newa eröffnet.

Danach ist es empfehlenswert, durch das Newa-Tor zu dem Anleger hinauszugehen, wo stets Boote für eine Rundfahrt auf der Newa bereitliegen. Beim Durchschreiten des Newa-Tors fallen die Gedenktafeln rechts und links an den Wänden auf, die den Wasserstand der katastrophalsten Petersburger Überschwemmungen ins Gedächtnis rufen.

Geht man rechts vom Anleger die mit dunkelgrauem Granit verkleidete Mauer entlang, kommt bald der aus feinem Sand bestehende Strand der Peter-Pauls-Festung in Sicht. Baden ist hier zwar wegen der bescheidenen Wasserqualität verboten, doch kaum jemand hält sich an diese Vorschrift.

Der Strand vor der Peter-Pauls-Festung ist eine Sommerfrische mitten in der Stadt. Foto: ld/.rufo
Der Strand vor der Peter-Pauls-Festung ist eine Sommerfrische mitten in der Stadt. Foto: ld/.rufo
Und es ist wirklich ein Erlebnis, die hochherrschaftliche Palastzeile am gegenüberliegenden Schlossufer schwimmend, sozusagen aus der Froschperspektive, zu betrachten. Im Sommer gibt es am Strand regelmäßig Volleyball-Wettbewerbe, Künstler aus aller Welt bauen Sandskulpturen, es gibt Rockkonzerte und Theateraufführungen.

Im Winter kommen andere Künstler und bauen Eisskulpturen, aber der Hit der kalten Saison sind und bleiben die so genannten Walrösser – die abgehärteten Menschen, die sich Löcher in das Eis der Newa hauen und darin schwimmen. Sie schwören auf diese Art der Körperertüchtigung und lassen zuweilen selbst Säuglingen diese eigentümliche Taufprozedur zu Gute kommen.

Vorsichtig – Kanonen und Gefängnisse!

An die Vergangenheit der Peter-Pauls-Festung als niemals ernsthaft eingesetzte Haupt-Verteidigungsstätte der gerade erst entstehenden Stadt gemahnt in gewisser Weise die Kanone auf der Naryschkin-Bastion, die jeden Mittag um 12 Uhr mit einem Blindschuss den High Noon verkündet.

Ist man in diesem Moment irgendwo in der Nähe oder auf dem gegenüberliegenden Ufer, kommt man nicht ohne einen gehörigen Schreck davon. Die Petersburger haben einen Reflex auf diese Tradition entwickelt – sie gucken automatisch auf ihre Uhr und überzeugen sich, ob die denn auch richtig geht.

Wer es leicht gruselig mag, sollte das Gefängnis in der Trubezkoi-Bastion auf seinem Besichtigungsgang nicht auslassen. Die Peter-Pauls-Festung war im zaristischen Russland ein gefürchtetes politisches Gefängnis. Hier saßen u. a. die Dekabristen, Dostojewski, Tschernyschewski und Pissarew ein.

Die 1872 im Innenhof der Trubezkoi-Bastion errichtete zweigeschossige Vollzugsanstalt hatte ihren „Kunden“ in jedem Stockwerk jeweils 36 Einzelzellen und einen Karzer zu bieten. In Zelle 47 saß übrigens Lenins Bruder Alexander Uljanow ein, der 1887 in der Schlüsselburger Festung für seine Teilnahme an einem Attentat auf Zar Alexander III. gehängt wurde.

Alle Zellen hatten das gleiche minimalistische „Mobiliar“ – ein Eisenbett und einen Tisch, die beide in die Mauer eingelassen waren, und einen Schemel. Seit neuestem kann der Besucher sich an den Wachsfiguren von Insassen und Wächtern erfreuen, die dem Ambiente noch etwas mehr Authentizität verleihen sollen.

Aktualisiert im Juli 2011.


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