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Meyerhold-Plakat im Theatermuseum (Foto: Beitzer/SPZ)
Meyerhold-Plakat im Theatermuseum (Foto: Beitzer/SPZ)

Theatermuseum

St. Petersburg. Wenn man die knarrenden Stufen zum Theatermuseum am Ploschad Ostrowskogo hinaufsteigt, müssen die am Eingang dösenden Deshurnaja-Damen für jeden Besucher extra das Licht in der Ausstellung einschalten.

„Hier kommen eigentlich nie Touristen her“, verrät mir die Kassiererin und führt mich am Arm in das erste Zimmer. Die Ausstellungsexponate sind aufgrund der zugezogenen Vorhänge in Dämmerlicht getaucht.

Nun beginnt also mein Streifzug durch die Geschichte der russischen Bühnenkunst. Radierungen zeigen die Anfänge des Theaters, als Gaukler durch die Dörfer zogen und das einfache Volk mit derben Scherzen unterhielten. Und auch einige Masken und ein Puppentheater aus dem 16. Jahrhundert katapultieren uns im Nu auf einen ländlichen Markplatz im alten Russland.

Doch schon ein paar Schritte weiter, mit dem 18. und 19. Jahrhundert ändert sich das Bild: Utensilien wie fein bestickte Fächer und reich verzierte Operngläser zeigen, dass nun auch der Hof das Theater für sich entdeckt hat. Üppige Kostüme, Portraits von russischen Bühnengrößen und rissige Plakate verbreiten einen Hauch von Boheme.

Die Koordinaten:
Museum für Theater und Musik, Ploschtschad Ostrowskogo 6
Nächste Metro: Gostiny Dwor
Öffnungszeiten: 11-18 Uhr, Mi 13-19 Uhr
Ruhetag: Di
Eintritt: 100 Rubel
Endlich tauchen auch uns wohlbekannte Namen auf: Turgenjew, Ostrowski, Gribojedow und natürlich Tschechow und Puschkin. Auf zahlreichen Bildern finden wir unterschiedlich kostümierte Boris Godunows, wir sehen Szenen aus den ersten Aufführungen der „Möwe“ und bewundern eigenhändig vom Verfasser signierte Originalausgaben.

Die Ära Meyerhold: Als die Kunst noch modern sein durfte


Im zweiten Raum beginnt das 20. Jahrhundert, die Kulissen werden experimenteller und farbenfroher. Man sieht deutlich den Wandel, der sich in der Bühnenkunst vollzieht. Dabei darf einer natürlich nicht fehlen: Wsewolod Meyerhold, Regisseur und Koryphäe des futuristischen Theaters in Russland. Auch Alexander Blok und Maxim Gorki geben sich ein Stelldichein.

Mit dem dritten Zimmer wechseln wir vom Zarenreich zur Sowjetunion. Eines wird dabei sofort klar: Theater ist nunmehr ein Erlebnis für die Massen und dient dem neuen Regime vor allem zu Propagandazwecken.

Der Schwerpunkt liegt vor allem auf den Avantgardisten der 20er Jahre, als Experimente in der Kunst noch erwünscht waren. Fotografien von ausgefallenen Bühnenbildern und extravagant geschminkten Schauspielern legen Vergleiche zu den Goldenen Zwanzigern in Deutschland nahe.

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Proletarisch-reißerisch gestaltete Plakate verraten, dass hier noch auf dem Spielplan stand, was zu Stalins Zeiten unmöglich wurde: Von Schiller über Shakespeare war alles erlaubt, auch was die Umsetzung angeht. In der Mitte des Raumes erwartet den staunenden Besucher ein etwas seltsam anmutendes Bühnenmodell Meyerholds.

In seinem extrem konstruktivistischen Stil versteht er die Bühne als eine Art Maschine, in der die Schauspieler wie kleine Rädchen im Getriebe agieren. „Mit solchen Mätzchen war es dann im Stalinismus natürlich vorbei,“ verrät mir die Museums-Diensthabende.

Ein Kindertheater mit Knalleffekten


Dann nimmt sie mich wiederrum am Arm und wir steigen ein Stockwerk höher. „Hier haben wir noch etwas ganz besonderes, vor allem für Kinder,“ sagt sie und zwinkert mir zu. Nun bin ich zwar eindeutig schon ein bisschen älter, aber dennoch begeistert von der Ausstellung „Die Welt des Theaters“, die mich hier erwartet.

In Holzmodellen sind berühmte Bühnen aus aller Welt nachgebildet. „Auf dieser Bühne ist Moliere gestorben, als er gerade den „Eingebildeten Kranken“ spielte,“ erzählt meine Führerin, „alle dachten, er versetzt sich nur in seine Rolle und niemand hat bemerkt, dass es ihm wirklich schlecht geht.“ Kleine Besucher dürfen sich außerdem mit Requisiten wie Hüten und auch Waffen ausstaffieren, um auf einer bunten Holzbühne selbst Theater zu spielen.

Im nächsten Zimmer, dem „Raum der Geräusche“, wird mir an Modellen gezeigt, wie früher im Theater verschiedene Laute wie Donner, Regen oder Meeresrauschen simuliert wurden. Ein dritter Raum ist vollgestellt mit künstlichen Früchten, Brot und sonstigen Bühnenutensilien.

„Die Kinder wundern sich immer, wie echt alles aussieht,“ sagt meine Führerin und lacht. Damit ist meine kleine Exkursion hinter die Kulissen auch schon beendet, ein bisschen traurig trete ich hinaus auf die sonnenüberflutete Straße.

Aber dies war sicher nicht mein letzter Besuch hier, denn mir wurde auf jeden Fall klar, was mit der Floskel „Die Bretter, die die Welt bedeuten“ eigentlich gemeint ist: Eine ganz andere Welt, die einen aus der Realität in einen schillernden Traum entführt.

(Hannah Beitzer/SPZ)


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