Manche Märkte können sich vor Käufern kaum retten - obwohl die zivilisiertere Konkurrenz inzwischen groß ist (Foto: ld/.rufo)
Märkte: Der Bauch von St. Petersburg
Lust auf Petersburger Alltag und ein Bad in den Massen? Oder ein Rollenspiel: Wie füllt man als russische Hausfrau den Kühlschrank – ohne eine Kopeke zu viel auszugeben? Shopping-Center sind dann tabu. Denn auch auf Petersburgs Märkten gibt es fast alles: vom Kohlkopf bis zur Katzenstreu, vom Schlauchboot bis zur Socke. Außerdem: der einzige Flohmarkt der Stadt.
Der Kusnetschny Rynok ist der sauberste, schönste und bestsortierteste Lebensmittelmarkt der Stadt. Die Zutaten für einen echten Borschtsch (Rindfleisch, Rote Bete, Mohrrüben, Zwiebeln, Weißkohl, Tomaten, saure Sahne und frische Petersilie) mag man auch anderswo unproblematisch finden. Aber nirgendwo sonst macht der Einkauf soviel Spass.
Auf dem Poljustrowski Rynok konzentriert sich der Handel mit Stubentigern und des Menschen bestem Freund. Auch Meerschweinchen, Zierfische und Kanarienvögel warten auf ein neues Heim und selbst die Tierliebhaber der anderen Art kommen auf ihre Kosten: Hier finden Fischer und Jäger alles, um dem Jagdglück auf die Sprünge zu helfen.
Was macht der Verkäufer mit seiner Ware, wenn er gerade keine Kunden hat? Er baut Türmchen! So ist es auch auf dem Sytni Rynok. Die filigranen Bauwerke aus Pistazien, Litschi, Datteln, Passionsfrüchten und Nüssen bieten ein Feuerwerk an Farben und Düften und lassen vergessen, dass man sich im kargen Norden befindet.
Jedes Wochenende tragen hunderte von St. Petersburgern ihre Rumpelkammern auf den Udelnaja-Flohmarkt bei der gleichnamigen Metro. Von Grossmutters alten Socken über das Fahrrad des Enkels bis zur Ordensammlung des Kommunalka-Nachbarn wird alles angeboten: Die Käufer erwartet ein quicklebendiger Querschnitt durch die sowjetisch-russische Alltagsgeschichte der letzten 100 Jahre.
Im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten ist es in St. Petersburg nicht so einfach, ein sinnvolles Souvenir zu kaufen – von Wodka einmal abgesehen. Darüber hilft der kleine Markt bei der Christi-Auferstehungskirche mindestens teilweise hinweg. Rund ums Jahr gibt’s dort Matrjoschkas, Pelzmützen und sowjetischen Kitsch zur Genüge. Wer allerdings genau aufs Budget schauen muss, bleibt dem Ort lieber fern.
Der Apraxin Dwor, der größte, bunteste und interessanteste Markt von Petersburg ist ein Muss für Besucher der Stadt. Besser gesagt: war - denn 2009 wurde der verwinkelte Komplex aus engen Gässchen, Hinterhöfen, Arkaden und Handelsreihen wegen eines gigantischen Sanierungsprojektes weitgehend geräumt.
Aber wer weiß, ob daraus noch was wird - und es hier "nach der Krise" nicht wieder so aussieht wie früher. Deshalb hier eine nostalgische Beschreibung, wie es vorher aussah ...
Die Shopping-Mall "Sennaja" am Heuplatz ist nur eines der neuen Einkaufszentren, die in den letzten Jahren in St. Petersburg entstanden sind. Es gibt aber auch noch genuin "russische" Einkaufsmöglichkeiten. (Foto: Deeg/.rufo)