Eine der nobelsten Einkaufs-Adressen in St. Petersburg: Das Grand Palace (Foto: ld/.rufo)
Shopping am Newski: Alte und neue Konsum-Tempel
Dem Kaufrausch kann man in Petersburg leicht erliegen, denn dank der langen Geschäftszeiten an sieben Tagen in der Woche sind diesem Zeitvertreib kaum Grenzen gesetzt. Und für die Gäste der Stadt sehr bequem: Die größten und schönsten (und teuersten!) Einkaufstempel liegen alle am zentralen Newski Prospekt.
Mode, Stil und vor allem die gebotene Auswahl werden Zugereiste allerdings nicht vom Hocker reißen: Petersburg ist nach wie vor keine Shopping-Destination, sondern europäische Konsum-Provinz.
Seit der Jahrtausendwende sind allerdings sowohl in der Innenstadt (vor allem am Sennaja Ploschtschad) wie auch in fast allen Neubauvierteln reihenweise neue Einkaufs-Malls von zunehmend europäischem Format entstanden. Von den neuen Hypermärkten auf der grünen Wiese mal ganz zu schweigen ...
Ein Kaufhaus wie im Westen sucht man vergebens
Ein klassisches großes Kaufhaus mit umfassendem Sortiment unter einem Dach gibt es allerdings nur bedingt: Das berühmte Gostiny Dwor ist eben ein bisschen anders:
Das Kaufhaus Gostiny Dwor markiert für viele Petersburger den Mittelpunkt der City (Foto: ld/.rufo)
Gostiny Dwor Das wörtlich „Gästehof“ genannte älteste Kaufhaus der Stadt (und angesichts seines Baujahrs 1757 wohl auch Europas) verbirgt sich hinter den zartgelben klassizistischen Fassaden typischer Handelsreihen-Architektur. Auf zwei – leider notorisch stickigen – Stockwerken reiht sich eine Abteilung an die nächste, durchgängig verbunden mit einem endlosen Mittelkorridor, der auf jeder Etage einen Kilometer lang alle vier Seiten des Gebäudes umläuft. Eine Sache für Fußstarke, denn aus der Suche nach der gewünschten Sektion kann leicht ein Marathonlauf werden.
Hier gibt es von allem etwas – von Lebensmitteln über Haushaltswaren über Kleidung bis zu Spielzeug. Das Sortiment der einzelnen Abteilungen kann aber mit Fachgeschäften nicht immer mithalten.
Wegen der schrittweise fortschreitenden Sanierung trifft man im Gostiny Dwor sowohl auf Verkaufsstände im klassisch-sowjetischen Handelsstil (wo sich eine Verkäuferin hinter ihrer Theke verbarrikadiert und manchmal nur mit Mühe dazu gebracht werden kann, ihre Ware zur Ansicht herüberzureichen) wie auch auf in Glas und Edelstahl gewandete Boutiquen zum umgestörten Herumstöbern.
Echte Pluspunkte des „GD“ sind die gleichnamige Metro-Station im Hause und die Freiluft-Cafes, die im Sommer auf der schattigen oberen Kolonnade zu einem geruhsamen Bier verführen.
Zwei Tipps noch: In den Abendstunden ist es überall im Hause angenehm leer - und die Verkäuferinnen haben Zeit für echte Beratung! Und die Souvenirabteilung im Erdgeschoss auf der Newski-Seite bietet echtes Kunsthandwerk aus der russischen Provinz.
Ein bisschen wie das Moskauer GUM: Das Passash (foto: ld/.rufo)
Passasch Die 1846-1848 erbaute Ladengalerie mit ihrem durchgängigen, mit einer Glaskuppel versehenen Mittel-Atrium erstreckt sich über drei Stockwerke und bildet mit ihrer Länge von 180 Metern eine überdachte Verbindung zwischen Newski Prospekt und Italienischer Straße. Die Anlehnung an französische Handelshäuser schlug sich auch im Namen „Passage“ nieder, im Innern erinnert die Architektur dagegen sehr ans berühmte Moskauer GUM.
Das Warenangebot ist auf Touristen und die etwas gehobenere Damenwelt ausgerichtet. Im Keller versteckt sich der einzige (entsprechend teure) Lebensmittel-Supermarkt am Newski.
Newski Prospekt 48 Nächste Metro: Newski Pr./Gostiny Dwor Geöffnet: 10 bis 21 Uhr, sonntags 11 bis 21 Uhr, Supermarkt bis 22 Uhr
Newski vom Feinsten: Das Grand Palace und rechts daneben das Shopping-Center Nord (Foto: ld/rufo)
Grand Palace
Was das „Europa" unter den Hotels ist das „Grand Palace" unter den Einkaufszentren: Ein auf Hochglanz polierter Ort für alle, die viel Geld haben und es auch gerne ausgeben. Die 2003 eröffnete „Galerie elitärer Geschäfte" (Eigenbezeichnung des „Grand Palace") ist in drei Gebäuden zwischen Newski Prospekt und Italianskaja Uliza untergebracht.
Die rund 100 Boutiquen bieten von schicken Anzügen für den Herrn über glänzenden Schmuck für die Dame bis zur deutschen Modelleisenbahn für den Nachwuchs alles an, was der (anspruchsvolle) Kunde begehrt. Dass alle Waren von Markenherstellern sind, versteht sich von selbst.
Durch das „Grand Palace" zu schlendern, kann aber auch ohne viel Geld in der Tasche interessant sein. Wer zum Beispiel mal ein Warenhaus sehen möchte, in dem es mehr Wachmänner hat als Kunden, ist hier am richtigen Ort. Zudem sind Fahrstühle und Rolltreppen aus Glas, die hoch polierten (und gefährlich glatten) Marmorböden sowie die gigantische Glaskuppel eine Augenweide für Freunde moderner Kaufhaus-Architektur.
Highlight des „Grand Palace" ist aber ohne Zweifel die Cafeteria im Atrium II. Auf einer Galerie im 4. Stock gelegen, ist sie eine angenehme Abwechslung zu den vielen St. Petersburger Kellerrestaurants. Das im Stil einer Edel-Kantine konzipierte Selbstbedienungslokal bietet appetitliche Speisen zu erschwinglichen Preisen.
Adresse: Newski Pr. 44/Italjanskaja Ul. 15 Nächste Metro: Newski Prospekt/Gostiny Dwor Geöffnet: Täglich von 11 bis 21 Uhr
Das "Haus des Buches" steht direkt gegenüber der Kasaner Kathedrale (Foto: ld/.rufo)
Haus des Buches
Das „Dom Knigi“ ist das wohl markanteste Gebäude am ganzen Newski Prospekt – dank seiner Glaskuppel mit der Erdkugel oben drauf. Auf diese Weise schmückte Anfang des 20. Jahrhunderts der US-Nähmaschinenhersteller Singer seine Russland-Zentrale.
In der Sowjetzeit zogen hier Verlage und eine große Buchhandlung ein. In den ersten Nach-Wendejahren bot das zentrale Buchgeschäft Petersburgs zwar für russische Verhältnisse immer noch viel, war aber doch hoffnungslos veraltet: In den meisten Abteilungen musste man die Verkäufer bitten, ein bestimmtes Buch zur Ansicht über die Theke zu reichen, dann zurückgeben, dann das nächste erbetteln…
Davon ist seit einer gründlichen und liebevollen Sanierung des Jugendstil-Gebäudes nichts mehr zu sehen: Das gut sortierte Buchgeschäft erstreckt sich nun über drei weitläufige Etagen. Reiseführer (auch viele auf Deutsch), Stadtpläne und Postkarten findet man gleich am Haupteingang im Erdgeschoss. Ansonsten ist das fremdsprachige Angebot aber weiterhin bescheiden.
Die beste Idee bei der Renovierung war jedoch, im 1. Obergeschoss an der Ecke von Newski und Gribojedow-Kanal ein Cafe einzurichten: Der Blick auf die Magistrale und die Kasaner Kathedrale ist einfach prächtig - und die Sessel an den riesigen Fenstern deshalb leider aber meist besetzt.
Die Shopping-Mall "Sennaja" am Heuplatz ist nur eines der neuen Einkaufszentren, die in den letzten Jahren in St. Petersburg entstanden sind. Es gibt aber auch noch genuin "russische" Einkaufsmöglichkeiten. (Foto: Deeg/.rufo)