 |
|
| Wie Engel das Fliegen lernen: Ein Helikopter holt die Figur zur Renovierung ab (foto: SPZ) | |
Montag, 05.06.2006
Alexandersäule: Leichter Engel auf schwerem Bein
St. Petersburg. So leicht und elegant sie aussieht, die Erichtung von Petersburgs höchster Skulptur bedeutete harte Arbeit für 2.400 Mann. Auch heute ist die Instandhaltung der Alexandersäule nicht ganz einfach.
|
|
Wem es an einem windigen Tag schon vorkam, als schwanke die Alexandersäule auf dem Schlossplatz leicht in den Böen, dem erging es nicht anders als vielen Petersburgern zur Zeit ihres Baus. Zwar ruht der Sockel auf 1250 Pfählen von sechs Metern Länge, aber die Säule selbst steht ohne jegliche zusätzliche Befestigung allein dank ihres Gewichts und ihrer genauen Ausbalancierung.
|
Deshalb machten nach der Eröffnung des Denkmals am 30. August 1834 viele Stadtbewohner erst einmal einen großen Bogen um die Säule - darunter auch die Gräfin Tolstoj, von der man sagt, dass sie aus Angst ihrem Kutscher verbot, zu nahe an dem unheimlichen Stein vorbei zu fahren.
|
600 Tonnen mussten in die Vertikale gewuchtet werden
|
Obwohl Zar Nikolaus I. das Denkmal zu Ehren seines Vaters Alexander I. errichten ließ, der Napoleon im Krieg von 1812 bis 1814 besiegt hatte, hätten auch die Mitwirkenden an dem Bau des Monuments ein Denkmal für sich verdient: Der über 600 Tonnen schwere Granitmonolith war per Spezialtransport über das Meer aus einem Steinbruch bei Wyborg herangeführt worden.
|
 |
|
| Hau-ruck-Aktion mit der Kraft von 2400 Männern: Zum Aufrichten wurde diese gewaltige Konstruktion errichtet (Bild: SPZ) | |
Nach seiner Bearbeitung musste auf dem Schlossplatz ein riesiges Holzgerüst gebaut werden, um die knapp 26 Meter hohe und über drei Meter dicke Säule an ihren Platz zu hieven. Hatten die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten Monate gedauert, so ging das Aufrichten der Säule in der Rekordzeit von nur einer Stunde und 45 Minuten von statten. Allerdings war dazu die Kraft von 2000 Soldaten und 400 Arbeitern nötig, die mit Hilfe von insgesamt 60 Seilwinden den Koloss in die Vertikale brachten.
|
Symbolik: Das Gute zermalmt das Böse
|
Das Monumentalkunstwerk von Auguste Montferrand, dem Erbauer der Isaaks-Kathedrale, ist insgesamt fast 48 Meter hoch. Laut dem Petersburger Stadthistoriker Naum Sindalowski behaupteten damals Montferrands Neider, man habe die Säule allein deshalb aus Granit bauen müssen, weil er an seinem eigenen Haus an der Moika sämtlichen verfügbaren Marmor verbaut habe.
|
|
 |
| Dem Zaren aus dem Gesicht geschnitten? Vom Boden ist der Engel kaum hinreichend gut zu mustern (foto: SPZ) |
Neben der mächtigen freistehenden Säule war auch die Bronzeskulptur auf deren Spitze gewöhnungsbedürftig. Sie stellt einen Engel dar, der die Gesichtszüge von Zar Alexander tragen soll, und der mit Hilfe eines Kreuzes eine Schlange tötet. Güte und Edelmut besiegen Boshaftigkeit und Hinterhältigkeit, die Rollen sind klar verteilt.
|
Doch die allegorische Darstellungsweise des Bildhauers Boris Orlowski behagte nicht allen. So soll der stadtbekannte Aristokrat Zizianow einmal geäußert haben, man hätte anstelle des Engels besser Zar Alexander selbst dargestellt, der Napoleon am Schopf packt.
|
Kraftakt: Die Braut wird um die Säule getragen
|
Heute ist die Säule unter Bevölkerung und Touristen eines der bekanntesten und beliebtesten Wahrzeichen Peterburgs und steht so fest verwurzelt an ihrer Stelle, als wäre sie mit der Erdachse verbunden. Wie die ewige Flamme auf dem Marsfeld gehört sie zu den beliebtesten Foto-Kulissen für frisch vermählte Hochzeitspaare. Man sagt, so oft der Bräutigam die Braut um die Säule tragen könne, so viele Kinder würden sie einmal haben.
|
Wie jede Skulptur, die der frischen und nicht immer milden Petersburger Witterung ausgesetzt ist, muss auch die Alexandersäule unterhalten werden. Das gehört zu den ebenso vielseitigen wie schwierigen Aufgaben des städtischen Skulpturenmuseums. Müssen für die Restaurierung von manch anderem Kunstwerk allenfalls Kran und Sattelschlepper aufgeboten werden, so braucht es für die Demontage des Engels über dem Schlossplatz gleich einen Hubschrauber.
|
(-eva/SPZ)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>