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Zeugen der Geschichte - der "ersten Hauptstadt Russlands": Starja Ladoga (Foto: Voerkelius/SPZ)
Zeugen der Geschichte - der "ersten Hauptstadt Russlands": Starja Ladoga (Foto: Voerkelius/SPZ)
Mittwoch, 25.07.2007

Ausflugsziel Staraja Ladoga: Auf den Spuren der Rus

St. Petersburg. Üppig ist die Natur am Wolchow. Wo das Grün den Blick frei gibt, springen eine Burg und die rundlichen Kirchen ins Auge: Zeugen der Geschichte - der "ersten Hauptstadt Russlands": Staraja Ladoga.

Der Wolchow ist kein wilder, schnell fliessender Fluss, aber nicht still und langweilig. Weht eine kühle Brise über den Strom, so kräuselt sich das Wasser und ab und an bilden sich gar kleinere Schaumkronen.

Am Ufer treffen grün und blau grell aufeinander, denn die üppige Vegetation scheint alles zu überwuchern. Beinahe schüchtern muten da die hübsch verzierten Holzhäuser an, inmitten der von rührigen Babuschkas mühsam bestellten Gärten. Wunderbar ist hier auch die Luft. Es tut gut, den sanften Duft der Wiesen einzuatmen. Wer alle Sinne spüren möchte, kann auch im Wolchow baden – denn der ist ziemlich kalt.

Ausflugsziel Staraja Ladoga
Staraja Ladoga liegt 120 Kilometer östlich von St. Petersburg und 12 Kilometer nördlich von von Wolchow. Zur Anreise empfiehlt es sich, auf dem Moskauer Bahnhof die Elektritschka um 7:59 zu nehmen. Alternativ kann man vom Ladoga-Bahnhof abfahren, z.B. um 10:14, am Wochenende aber erst um 11:53. Fahrkarten kosten für Erwachsene 156 Rubel (einfach), für Studenten 78 Rubel. An der Endhaltestelle Wolchowstroi fährt vom Bahnhofsvorplatz (rechte Seite) der Bus 23 für 8 Rubel nach Staraja Ladoga.


Der Museumspark Alt-Ladoga ist von Mai bis September täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet (Oktober-April 9-16 Uhr, Montag Ruhetag).

Mit Badehose und Picknickkorb auf dem Ausflug durch die Geschichte


Vorausdenkende haben neben ihren Schwimmutensilien auch einen gut gefüllten Picknickkorb dabei. So ist der Sonntagsausflug perfekt. Das schöne an diesem verträumt erscheinenden Ort ist jedoch, dass Staraja Ladoga weit mehr ist als nur ein netter Flecken Natur.

Staraja Ladoga ist ein sehr altes Siedlungszentrum. Bei seiner Entstehung spielte die Randlage im slawischen Siedlungsraum eine wichtige Rolle. Entscheidend für den Handel mit den Nachbarn war freilich der Wolchow, der vom Ilmensee in den Ladogasee fließt.

Staraja Ladoga war für die Waräger das Tor nach Russland


Auf diesem Wasserweg drangen die skandinavischen Waräger im 9. Jahrhundert ins Land, um es schließlich zu beherrschen und mit einer Zwischenstation in Nowgorod das Reich der Kiewer Rus zu errichten. Die Geschichte der Stadt Ladoga beginnt jedoch schon früher.
Dendrochronologische Auswertungen verweisen auf das Jahr 753. Deshalb feierte man hier 2003 eine 1250-Jahrfeier der „ersten Hauptstadt Russlands“ – wobei dieser Titel unter Historikern mehr als umstritten ist. Wladimir Putin kam aber trotzdem, um zu gratulieren.

Ein Siedlungszentrum mit langer Geschichte – „erste Hauptstadt Russlands“



Die alte Festung in Starja Ladoga ist noch gut erhalten. (Foto: Voerkelius/SPZ)
Die alte Festung in Starja Ladoga ist noch gut erhalten. (Foto: Voerkelius/SPZ)
Im Verlauf der Geschichte verlor das frühe Handelszentrum allerdings zu Gunsten Nowgorods an Bedeutung, verschwand aber nicht völlig in dessen Schatten. Vielmehr zeugt die Gründung der steinernen Festung 1114 von der nach wie vor bedeutenden Rolle als exponierter Verteidigungsstützpunkt, etwa bei Konflikten mit den Schweden.

Die Festung, auf einem Landstück zwischen Wolchow und einem kleinen Nebenfluss gelegen, ist gut erhalten und beherbergt heute ein Museum. Die dort ausgestellten Exponate beleuchten anhand archäologischer Funde das Leben an diesem Ort seit der Steinzeit.

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Zusammen mit Nowgorod fiel Ladoga in den Machtbereich des aufstrebenden und expandierenden Moskau. Doch erst Peter der Große machte die Stadt zum Provinznest, in dem er Anfang des 18. Jahrhunderts 15 Kilometer nördlich an der Wolchow-Mündung Neu–Ladoga gründen ließ und alle Verwaltungseinrichtungen dorthin verlegt wurden.

Angesichts brummender Rasenmäher und krakelender Radios würden sich heutige Besucher sogar wünschen, die Entwicklung Alt-Ladogas wäre damit voll und ganz zum Stillstand gekommen. Denn Stille wäre den Sehenswürdigkeiten Alt–Ladogas angemessener.

Im Männerkloster St.Nikolaus (Foto: Voerkelius/SPZ)
Im Männerkloster St.Nikolaus (Foto: Voerkelius/SPZ)
Neben der Festung und den Kaljasin-Häusern (in denen sich Ausstellungen mit Kunst, archäologischen Funden und eine Dokumentation über das Lebens der Kaufleute im 19. Jahrhundert befinden), handelt es sich dabei vor allem um Kirchen und Klöster.

Kirchen und Klöster



Das Glanzstück ist die kleine St.-Georgs-Kirche in der Festung. Sie wurde schon Mitte des 12. Jahrhunderts im Nowgoroder Stil erbaut. Aus dieser Zeit stammen auch die in warmen Farbtönen gehaltenen Fresken, von denen etwa ein Fünftel restauriert werden konnte.

Daneben gibt es noch die Basilius-Kirche aus dem 17. Jahrhundert, das Uspenski-Kloster, die Kirche Johannes des Täufers und jene des Heiligen Alexej.

Architektonisch ungewöhnlich ist das Gotteshaus des Männerklosters St. Nikolaus. Das rot-weiße Gebäude will so gar nicht an übliche russisch-orthodoxe Kirchen erinnern.

Ein Besuch Alt–Ladogas empfiehlt sich trotz aller Sehenswürdigkeiten nur bei schönem Wetter und zu einer Jahreszeit, in der man sich gerne im Freien aufhält.
Nach einem Spaziergang auf den Spuren der Rus sollte man sich noch Zeit nehmen können, um entlang der hübschen Gärten durch den Ort zu schlendern und die Füße im Wolchow baumeln zu lassen. Zumal etwas Entspannung angesichts der drei Stunden dauernden An- und Abreise per Bus und Bahn unter keinen Umständen schaden kann.

(Mirjam Voerkelius/SPZ)


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