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| Der Schauspieler Axel Schrick ging von Berlin nach St. Petersburg (Foto: privat/SPZ) | |
Donnerstag, 26.10.2006
Axel Schrick: In Uniform bin ich eben phantastisch
St. Petersburg. Der 35jährige deutsche Schauspieler Axel Schrick lebt und arbeitet seit drei Jahren in Petersburg. Seither übernahm er Rollen im Theater und bei deutschen wie (weiß)-russischen Kino- und TV-Produktionen.
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SPZ: Herr Schrick, wie verschlägt es einen deutschen Schauspieler nach St. Petersburg?
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Ich habe in Berlin Schauspiel studiert, an einer kleinen Privatschule und war herzlich unzufrieden. 1997 hieß es, für das neue Semester bekommt ihr einen Russen, und zwar Andrej Mogutschy. Dann kommt er rein, ein Riesenkerl, schwarzer Bart und fängt an zu arbeiten.
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Wir haben uns angefreundet, und er lud unsere Klasse im Sommer 1998 nach St. Petersburg ein. Damals war ich zwei Wochen hier, und da ist irgendwas mit mir passiert. Ich bin nach Hause gekommen und war wie verzaubert. Es klingt so banal, aber ich habe mich in diese Stadt verliebt.
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SPZ: Was geschah danach?
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Ich bin danach einmal in seinem Theater eingesprungen, als ein Schauspieler ausstieg. Dann kam das Ende der Schauspielschule, ein bisschen Fernseharbeit in Deutschland. Ich saß in Berlin, es wurde 2002 und ich war unglücklich. Dann kam der entscheidende Moment.
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Meine damalige Agentin sagte zu mir, als ich den Wunsch äußerte, nach Russland zu gehen: „Wenn du weggehst, kriegst du hier nie wieder einen Fuß auf die Erde“. Da habe ich mir gesagt, das wollen wir doch mal sehen und bin im April 2003 hier rübergeflogen. Ich wusste noch nicht einmal, wo ich übernachten werde.
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SPZ: Das war aber mutig!
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Ich hatte natürlich Kontakt zu Andrej und dem Theater aufgenommen. Die haben einen vorbeigeschickt, der sollte sich um mich kümmern. Ich komme also irgendwo unter - mittlerweile sind das Freunde von mir – und stelle fest, sie sprechen nur gebrochen Englisch und ich kein einziges Wort Russisch.
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SPZ: Sie konnten also gar kein Russisch, als sie herkamen ?
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Überhaupt nicht. Ich komme an, sie zeigen mir die Wohnung und sagen, ein Badezimmer haben wir hier nicht. Ich bin also am nächsten Morgen losgelaufen, in so einen Fitnessclub beim Petrowski-Stadion. Da sprach kein Mensch auch nur ein Wort Englisch. Doch ich habe es mit Händen und Füßen geschafft, einen Dreimonatsvertrag mit dem Fitnessclub abzuschließen, weil ich so dringend duschen wollte. Und dann war ich da – und seitdem bin ich nie wieder weg.
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SPZ: Wie ging es hier beruflich weiter?
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Ich hatte gedacht, Andrej hat hier sein „Formalny Teatr“ und ich kann dort arbeiten. Doch hier stellte ich fest, dass das Theater keine Bühne hat. Das ist bis heute das große Problem. Ich habe einige Projekte mit Andrej gemacht. Vor zwei Jahren waren wir nach Nizza eingeladen. Am Nationaltheater haben wir das Stück „Meshdu sobakoj i wolkom“ nach einem Roman von Sascha Sokolow gemacht. Wir haben das Stück auch in Petersburg gespielt und damit in Moskau zwei „Goldene Masken“ gewonnen.
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Gleichzeitig habe ich vor einem Jahr in einer kleineren Rolle in einem Kinofilm mitgespielt. Darin geht es um einen Trupp deutscher Soldaten, die in einem Dorf arbeiten. Der Regisseur wollte mich unbedingt haben, weil ich so ein deutsches Gesicht habe und so phantastisch in Uniform aussehe.
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SPZ: Wo kann man Sie noch sehen?
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In diesem Sommer war in Berlin die Premiere eines deutschen Films namens „KussKuss“, den ich vor zwei Jahren gedreht habe. Dann habe ich das Angebot vom Ersten Kanal bekommen, einen bösen Deutschen zu spielen: „Der Bernsteinbaron“, eine zwölfteilige Actionserie, kommt im Februar ins Fernsehen.
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Jetzt drehe ich gerade einen Kinofilm in Weißrussland. Ich spiele einen deutschen Offizier im besetzten Gebiet, der vor eine sehr schwierige Entscheidung gestellt wird. Der Sohn seiner Hauswirtin wurde als Partisan gefangen. Dieser Otto, den ich spiele, muss sich entscheiden – wenn ich mich für den Jungen einsetze, dann schicken sie mich an die Front oder aber der Junge wird erschossen. Und er entscheidet sich dafür, dass er nichts machen kann.
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SPZ: Wie schwer ist es, als deutscher Schauspieler in Russland arbeiten?
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Man ist natürlich eingeschränkt. Den Ausländer sieht man mir sofort an. Vielleicht könnte ich noch einen Engländer spielen, obwohl sich jedem echten Briten bei meinem Akzent die Fußnägel nach oben rollen würden. Deshalb will ich auch in Deutschland wieder mehr Fuß fassen und auch dort Rollen suchen, aber wohnen möchte ich hier! Ich kehre vielleicht zurück nach Deutschland, wenn ich in Rente gehe.
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SPZ: Was ist Ihre Traumrolle?
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Mich interessieren grundsätzlich psychologisch stimmige Rollen, mit denen ich meine Erfahrung erweitern kann, zum Beispiel die Rolle des deutschen Offiziers in dem weißrussischen Dorf. Das interessiert mich, weil ich Deutscher bin, in Russland bin und in etwas eintauche, das vor 60 Jahren geschehen ist. Leider gibt es nur wenige Rollen, die so sind. Meistens macht man irgendwas, um Geld zu verdienen.
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SPZ: Herr Schrick, vielen Dank für das Gespräch!
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(Interview: Tatjana Flade/SPZ)
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