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Individuelle Förderung der Schüler ist die Maxime von Elisabeth Rother (Foto: Litwinenko/SPZ)
Individuelle Förderung der Schüler ist die Maxime von Elisabeth Rother (Foto: Litwinenko/SPZ)
Donnerstag, 29.03.2007

Deutsche Grundschule in Piter – mit einer Lehrerin

St. Petersburg. Gleich nach ihrem zweiten Staatsexamen kam Elisabeth Rother nach St. Petersburg, um hier den deutschen Grundschulzweig zu leiten – als einzige Lehrerin für gegenwärtig sechs Kinder aus Deutschland.

Seit November 2006 erteilt die 25-jährige Braunschweigerin Unterricht für deutsche Schüler in der Peterschule am Sanewski Prospekt (nicht zu verwechseln mit der früheren deutschen Petrischule am Newski Prospekt). Die „St. Petersburgische Zeitung“ sprach mit in diesem Interview mit Elisabeth Rother über ihre ersten pädagogischen wie persönlichen Erfahrungen in der für sie völlig neuen Umgebung.

SPZ: Elisabeth, wie sieht dein Alltag aus?


Ich habe sechs deutsche Kinder, die von mir jeden Tag den kompletten Unterricht erteilt bekommen und dann noch fünf Schüler aus der russischen Schule, die zu mir zum Deutschunterricht kommen.

Der deutsche Schulzweig an der Peterschule wurde 2004 für deutsche Kinder eröffnet, die in ihrer Muttersprache unterrichtet werden sollten, um nach ihrer Rückkehr problemlos in den Schulalltag integriert werden zu können.

Sechs Kinder - und diese aus verschiedenen Klassenstufen: Elisabeth Rother und ihre Zöglinge (Foto: Litwinenko/SPZ)
Sechs Kinder - und diese aus verschiedenen Klassenstufen: Elisabeth Rother und ihre Zöglinge (Foto: Litwinenko/SPZ)
Ich beginne meinen Tag in der Schule gegen 9 Uhr und unterrichte bis 14.30 Uhr. Dann bereite ich den Unterricht nach und die letzten Details für den neuen Tag vor. Da die Schüler unterschiedlichen Alters sind, arbeiten sie mit individuellen Wochenplänen. Das heißt, die Kinder teilen ihre Zeit selbst ein und schauen, wann sie welche Aufgaben lösen wollen. So kann ich jedes Kind individuell so fördern, wie es gebraucht wird und jedes hat seinen eigenen Arbeitsrhythmus.

SPZ: Wo liegt nach deiner Einschätzung der Unterschied zwischen dem deutschen und dem russischen Schulsystem?


Ich kenne das russische Unterrichtssystem nicht. Aber nach dem, was ich von den Fächern, die meine Kinder im russischen Schulteil besuchen (Kunst, Sport, Rhythmik), mitbekomme, ist es sehr viel verschulter, strenger und viel mehr auf Fachwissen konzentriert. Für jede kleine Übung bekommt jedes Kind eine Note, während in deutschen Schulen vermehrt auf die individuelle Entwicklung der Kinder geachtet wird.

Ich persönlich versuche mich an der Pädagogin Maria Montessori zu orientieren. Ihr Leitsatz ist „Hilf mir, es selbst zu tun“. Das Kind wählt selbst, was es genau in diesem Moment machen will und macht es so lange, bis es das kann. Und die Kinder machen machen es wirklich.

SPZ: Wie läuft die Integration der deutschen Kinder in die für sie neue Kultur?


Wir haben vor allem Kinder, deren Eltern im Konsulat oder für deutsche Firmen arbeiten. Sie haben somit schon Erfahrung in Begegnungen mit anderen Kulturen. Von daher sind sie sehr offen, sehr anpassungsfähig. Sie haben aber vor allem deutsche Freunde, was es sehr schwer für sie macht, den Kontakt mit russischen Kindern herzustellen.

Bei den kleineren Kindern geht das noch schneller und einfacher, die älteren sind eher unter sich und haben ihre Hobbys. Ich kann auch aus meiner Erfahrung sagen: Ohne Russischkenntnisse kann man kaum Kontakte herstellen, wenn das Gegenüber keine weitere Fremdsprache spricht.

SPZ: Du musst den Schülern vieles beibringen. Gibt es Dinge hier, die du selbst noch nicht erklären kannst?


Ich habe noch viele Fragen. Zum Beispiel war es für mich im Schulalltag sehr schwer, die Organisation der russischen Schule zu verstehen. Aus Deutschland bin ich gewohnt, dass es einen Plan gibt, der auch eingehalten wird. Und hier in Russland wird viel spontan geändert.

Man muss zusehen, dass man alle Informationen irgendwie mitbekommt, sonst erfährt man sie im Nachhinein oder gar nicht. Das ist der Punkt, wo die deutsche Mentalität auf die russische prallt, und es für mich immer noch schwer ist, mich daran zu gewöhnen.

SPZ: Gab es Sachen, die dich überrascht haben? Du hattest ja nicht viele Vorkenntnisse, als du nach Russland kamst?


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Überrascht hat mich der Gegensatz von Reichtum und Schönheit auf der einen und großer Armut auf der anderen Seite. Und das unmittelbar nebeneinander. Beeindruckt haben mich die Metrostationen - die langen Rolltreppen sind toll – und selbst das Busfahren: Wenn der Bus ganz voll ist, reicht man sein Geld einfach weiter und es kommt wirklich vorne an und irgendwann kommt tatsächlich auch das Wechselgeld zurück.

Das ist unglaublich, das würde in Deutschland niemals so selbstverständlich funktionieren. Und der Bus fährt ab und zu Umwege, um Staus zu umfahren und hält überall, wo man will und wo man nur winkt. Das finde ich prima!

SPZ: Du hast erst vor kurzem angefangen, Russisch zu lernen. Hilft dir dein pädagogisches Können dabei?


Ich habe ein sehr gutes Russisch-Buch, ein ganz neues „Da, ja goworju po-russki“, das finde ich didaktisch und methodisch gut aufbereitet. Es geht hier viel um Sprachklang und Sprachrhythmus. Man baut die Worte nach Lauten auf und arbeitet mit Bildern und Verknüpfungen, was ich für sehr sinnvoll halte. Ich bin jemand, der nach dem Klang eine Sprache lernt und nur teilweise auf systematische Weise.

SPZ: Elisabeth, vielen Dank für das Gespräch!



Interview: Anna Litvinenko/SPZ

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