Dienstag, 04.09.2007

Deutsche Visa in SPB: Anrufen statt Schlange stehen

Bislang galt hier die Devise: Wer früher kommt, steht weiter vorne in der Schlange - auch oft stundenlang. (Foto: SPZ)
St. Petersburg. Das deutsche Generalkonsulat hat das Verfahren zur Visaerteilung geändert: Anstatt sich wie bisher in die langen Warteschlangen einzureihen, müssen die Antragssteller nun ein Callcenter anrufen.

Nötig wurde die Änderung, weil die Schlangen vor dem deutschen Generalkonsulat auf der Furschtatskaja-Straße in Petersburg immer länger wurden. Die Situation verlangte nach einer Veränderung, weil die Vertretung nicht mehr garantieren konnte, dass alle an einem Tag wartenden Antragsteller ihren Antrag auch wirklich abgeben konnten. Zudem hatten sich viele Antragssteller über diesen Zustand beschwert.

Das Callcenter dient als Filter zur Vorprüfung



Das zum 1. August bei der Visastelle des deutschen Generalkonsulat eingeführte „Informations- und Terminvergabesystem“ bedeutet, dass der Visumsantragssteller über ein privates Callcenter (Tel. 812/3297645, Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr) einen Termin mit dem Konsulat vereinbart und dabei bereits viele Angaben über sich macht. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass Antragssteller, denen die nötigen Informationen und Dokumente fehlen, erst lange vor dem Konsulat warten und dann doch abgewiesen werden müssen.

10 Euro Gebühr – oder Termin persönlich vereinbaren



Für den Service des Callcenters wird eine Gebühr von 9,90 Euro erhoben, die per Kreditkarte oder per Vorauszahlung bei einer beliebigen Bank getätigt werden kann. Parallel zur Terminerteilung per Callcenter wird es auch noch möglich sein, für einen Termin persönlich beim Konsulat vorzusprechen. Allerdings ist dafür nur noch ein kleines Zeitfenster vorgesehen (montags und donnerstags zwischen 8.15 und 10.15 Uhr).

Während dieser Zeit werden keine Beratungs- und Informationsgespräche durchgeführt und auch keine Anträge entgegengenommen.

Das Generalkonsulat begründete seine Entscheidung für das neue System damit, dass es sich bei anderen Botschaften und Konsulaten Deutschlands wie auch anderer Staaten gut bewährt habe. Gleichzeitig hoffen die deutschen Diplomaten auf das Wohlwollen der Betroffenen, sind aber auch an kritischen Rückmeldungen und Meinungen interessiert.

Antragsteller müssen pünktlich kommen



Ralf Eden, der Leiter der Abteilung für konsularische Rechtsfragen, stellte bei der Präsentation der Neuerung in Aussicht, dass mit dem neuen System 160 Termine am Tag vergeben werden können.

Organisiert werden die Termine in Form von halbstündigen Zeitblöcken, sog. Slots: Der erste beginnt um 8.15 Uhr und der letzte um 16.15 Uhr. Was die Bearbeitungszeit der Anträge angeht, so liegt der EU-Standard bei zehn Tagen. Eden versicherte jedoch, dass es das Generalkonsulat meistens innerhalb von vier oder fünf Tagen schaffe, den entsprechenden Antrag zu bearbeiten.

Zu den vom Generalkonsulat weiterhin separat erhobenen Visagebühren erklärte Generalkonsul Bernd Braun, dass die Bundesrepublik in Russland mit 35 Euro (gegenüber 60 Dollar in anderen Staaten) bereits die niedrigsten Gebühren verlange.

Mit einer Senkung der Kosten für das deutsche Schengen-Visum sei deshalb Zukunft leider nicht zu rechnen - eher mit einer Verteuerung.


(Ben Wyttenbach/SPZ)