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Die Dittchenbühne ist mit ihren deutschsprachigen Theaterstücken immer wieder in Petersburg zu Gast (Foto: eva/rufo)
Die Dittchenbühne ist mit ihren deutschsprachigen Theaterstücken immer wieder in Petersburg zu Gast (Foto: eva/rufo)
Mittwoch, 31.10.2007

Dittchenbühne: Von Elmshorn in den wilden Osten

St. Petersburg. Seit 10 Jahren kommt die Theatertruppe „Dittchenbühne“ jährlich nach St. Petersburg; vor kurzem war sie mit einer Komödie von Carl Sternheim im Dsershinski-Kulturzentrum zu Gast. Ein SPZ-Interview.

Vor 25 Jahren gründete der gebürtige Ostpreuße Raimar Neufeldt das Laientheater „Forum Baltikum – Dittchenbühne e.V.“ in Elmshorn. Inzwischen ist der Treffpunkt zu einem Kulturzentrum mit über 900 Mitgliedern angewachsen. Wir sprachen mit Reimar Neufeldt über Probleme bei der Tournee, sein Engagement in Osteuropa und die Gründung des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums in St. Petersburg.

Raimar Neufeldt steht hinter dem Theater mit ostpreussischen Wurzeln (Foto: eva/rufo)
Raimar Neufeldt steht hinter dem Theater mit ostpreussischen Wurzeln (Foto: eva/rufo)

SPZ: Ein paar Worte zur Aufführung?

Die Aufführung hätte beinahe nicht stattfinden können. Erstens ist eine unserer Schauspielerinnen krank geworden. Sie musste sich ständig übergeben, so dass wir eine Ärztin hinter der Bühne hatten. Und zweitens gab es Schwierigkeiten, überhaupt einen Raum zu finden. Deshalb waren auch die Bühnenverhältnisse sehr schwierig. Eigentlich waren als Requisiten ein zweiter Tisch und noch mehr Türen geplant. Wir haben also vieles improvisieren müssen.

SPZ: Woran lag es, dass Ihnen mehrere Räume abgesagt wurden?

Ein Theater wurde plötzlich geschlossen. Ein anderes hielt seinen Vertrag nicht ein, wahrscheinlich weil sie selber spielen wollten und vergessen hatten, dass wir eingeladen waren. Das kann ja passieren.

SPZ: Spielen Sie öfter Stücke von Sternheim?

Nein, das war das erste Mal. Wir spielen mehr Autoren aus den früheren Ostgebieten wie z.B. Hermann Sudermann. Nächstes Jahr gehen wir mit den „Webern“ von Gerhart Hauptmann auf Tournee.

Mancherorts ist es für das Thater schwierig, eien geeignete Bühne zu finden. (Foto: eva/rufo)
Mancherorts ist es für das Thater schwierig, eien geeignete Bühne zu finden. (Foto: eva/rufo)

SPZ: Sie sind ja jetzt schon eine Weile mit dem Theater unterwegs.

Ja, erst waren wir im polnischen Stargard und dann in Danzig. In Vilnius war es besonders interessant, denn da haben wir vor der polnischen Minderheit gespielt. In Memel bzw. Klaipeda gab es ähnliche Probleme wie hier: Das Theater in dem wir spielen sollten, war geschlossen, weil es kaputt war. Von Petersburg geht es noch nach Petrosawodsk und tags darauf spielen wir dann im finnischen Turku.

SPZ: Sie haben das Deutsch-Russische Begegnungszentrum in St Petersburg gegründet. Wie kam es dazu?

Ich wurde 1993 vom Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung Horst Waffenschmidt dazu aufgefordert, hier innerhalb von 14 Tagen etwas zu unternehmen. Ich bin also nach St. Petersburg geflogen und habe verschiedene Räume ausgemessen. Mit zwei Lastwagen haben wir dann das gesamte Material über Skandinavien antransportiert. Damals gab es an den Grenzen keine Probleme. Die russischen Zöllner waren sehr nett zu uns. Im Lauf von fünf Jahren wurden vom Petersburger Begegnungszentrum aus 37 weitere Filialen im Nordwesten Russlands gegründet.

SPZ: Weshalb waren gerade Sie der Ansprechpartner Waffenschmidts?

Wir sind schon lange in Osteuropa tätig. Vor dem Fall der Mauer haben wir in Masuren gespielt und die deutsche Minderheit in Polen sowie die polnische Bevölkerung selbst mit Hilfsgütern versorgt. 1988 hatten wir nach dem Erdbeben in Armenien Güter für 400.000 DM gespendet.

SPZ: Woher kommt eigentlich Ihr Engagement für Osteuropa?

Ich bin in Ostpreußen geboren, im heutigen Kaliningrader Gebiet. Die meisten „Urväter“ der Dittchenbühne stammen aus dieser Gegend. So haben wir schon frühzeitig mit der dortigen Bevölkerung Kontakt gehabt. In Kaliningrad haben wir ein deutsch-russisches Kinderzentrum gegründet und Sprachkurse eingerichtet. Auch in den baltischen Staaten haben wir solche Konzepte entwickelt.

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SPZ: Das Kulturzentrum „Dittchenbühne“ feiert 25-jähriges Bestehen. Erzählen Sie etwas über die Gründungstage!

Wir haben uns 1982 eher durch Zufall gegründet. Wir hatten angefangen, Theater zu spielen, hatten aber keine Räume. Man sagte uns, dass wir einen Raum in einer Schule bekommen könnten, aber nur, wenn wir ein Verein sind. Also gründeten wir einen Verein. Wir hatten schon von Anfang an Erfolg, und der Klassenraum war eines Tages zu schlecht. Und so haben wir in Elmshorn ein kleines Theater gebaut. Mittlerweile gibt es ein zweites.

SPZ: Wird in ihrem Verein ausschließlich Theater gespielt?

Nicht nur. Wir haben Tanzgruppen, Seniorengruppen, Dichterlesungen.

SPZ: Haben alle Ihre Mitglieder Wurzeln in Osteuropa?

Inzwischen nicht mehr. Wir haben zum Beispiel Russlanddeutsche, aber auch Türken, Ukrainer, Aserbaidschaner. Wir machen da keine Unterschiede. Den Hauptanteil machen aber schon die Deutschen mit etwa 70% aus.

SPZ: Herr Neufeldt, vielen Dank für das Gespräch.



(Interview: Cosima Stawenow/SPZ)


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