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Vera Dorn (foto: swissart)
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Montag, 04.07.2005

Geburt in Russland: Alles halb so wild!

St. Petersburg. Die Übersetzerin Vera Dorn (31) aus Ingolstadt lebt seit 1998 in Petersburg und betätigt sich auch als Foto-Künstlerin und Saxophon-Spielerin. Im Mai brachte sie hier ihre Tochter Nina zur Welt.

Vera, Du gehörst zu den wenigen ausländischen Frauen, die es wagten, ihr Kind in Russland zu gebären. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Ich wollte unbedingt, dass mein Freund Igor bei der Geburt dabei ist. Hätte das ganze in Deutschland stattfinden sollen, hätte ich schon lange vorher dorthin müssen. Und Igor hätte nachkommen müssen. Aber was die ganze Zeit dort machen, wo wir doch hier leben und arbeiten? Diese Aussicht hat mir gar nicht gefallen. Zumal ich dann nach der Geburt wohl einige Monate dort hängen geblieben wäre.

Das ist doch ziemlich ungewöhnlich, nicht wahr?
Ungewöhnlich? Ja und nein. Für mich war es selbstverständlich, dass ich hier gebäre und nicht in Deutschland. Irgendwie war es für mich seltsam, für die Geburt das Land, das ich mir zum Leben gewählt habe, zu verlassen. Ich lebe hier, mein Freund lebt hier, unser Kind soll hier leben – also bekomme ich mein Kind auch hier. Für so manchen Bekannten war es unbegreiflich, wie ich Russland Deutschland vorziehen konnte. Dort ist doch alles so bequem und komfortabel … Aber ich dachte mir: Wenn ich Wehen habe, interessiert mich wenig, wie neu und luxuriös alles um mich herum ist, davon werden die Schmerzen auch nicht weniger.

Unterscheidet sich die Vorbereitung auf die Geburt von der deutschen Praxis?
Ich habe keine Ahnung, wie die deutsche Schwangerschaftsvorbereitung aussieht. Hier wird einem einiges angeboten, aber ich habe irgendwie alles ausgelassen. Am Anfang, als noch die Bereitschaft da gewesen wäre, irgendwelche Kurse zu besuchen, war es noch zu früh – ich hätte ja bis zur Geburt wieder alles vergessen. Und gegen Ende hatte ich irgendwie schon die Nase so gestrichen voll von Ratschlägen, dass ich nicht mal mehr professionelle Tipps über mich ergehen lassen wollte.

Was hast Du konkret getan?
Ich bin zur Schwangerschaftsvorsorge gegangen, hatte eine sehr angenehme Ärztin, die mir nichts verboten hat und auch sonst eher ruhig war. Ich habe ja manche Geschichten gehört, dass die Ärzte Stress machen können, von wegen zu viel oder zu wenig zugenommen, Tablette hier, Kräutchen da. Meine war da nicht so, vielleicht war ich aber auch eine extrem fitte Schwangere.

Ich bin die ganze Zeit Schwimmen gegangen, bin die letzten vier Monate zweimal pro Woche 2000 Meter geschwommen, manchmal auch 2500 Meter. Ach ja, und in die Banja bin ich gegangen, das letzte Mal drei Tage vor der Geburt. Meiner Ärztin hatte ich nichts davon gesagt, damit sie es mir nicht verbieten kann. Eine Zeit lang haben mich die Frauen in der Banja schon etwas argwöhnisch beobachtet. Aber dann haben sie sich jedes Mal gefreut, mich zu sehen und sich um mich gekümmert.

Wo ist Dein Kind auf die Welt gekommen?
Ich war in der Geburtsklinik Nr. 1 auf der Wassili-Insel, nicht weit von unserer Wohnung – und das war gut so, denn als es losging, ging alles so schnell, dass ich es in eine weiter entfernte Geburtsklinik nicht mehr geschafft hätte.

Und wie ist es Dir dort ergangen?
Also, wenn ich vergleiche, was in meinem deutschen Schwangerschaftsbuch steht, wurde bei mir noch einiges praktiziert, was im Westen heute als veraltet gilt, z.B. dass einem die Schamhaare abrasiert werden, bevor es losgeht – der Hygiene wegen. Im Nachhinein denke ich aber, so schnell und glatt, wie alles bei mir ging – unsere Tochter wurde anderthalb Stunden nach unserem Eintreffen in der Klinik geboren – ist alles richtig gelaufen. Die knapp fünf Tage, die ich dann dort noch ausharren musste, waren auf keinen Fall Horror. Das Personal war wirklich nett und kompetent. Gleichzeitig habe ich die wichtigsten Handgriffe gelernt, um mein Kind zu Hause richtig zu versorgen, und es war Tag und Nacht jemand da, falls es Fragen, Probleme oder einen Notfall gegeben hätte.

Und die vielen Schreckgeschichten, die so im Umlauf sind über russische Krankenhäuser?
Natürlich haben mich liebe, wohlmeinende Bekannte vorher mit Hunderten von Horrorgeschichten über die Geburtshäuser, Hebammen und Ärzte bedacht. Gegen Ende habe ich immer geantwortet: In Russland gibt es so viele Menschen, die sind alle hier geboren, und die meisten scheinen ohne Schaden davon gekommen zu sein – so schlimm kann es also nicht sein.

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• Nicht die natürlichste Sache der Welt (15.09.2000)
• Bevölkerungsschwund in Petersburg und anderswo (01.10.2004)
• Ein ganz normales Moskauer Krankenhaus
• Hinter den Kulissen: Im Moskauer Krankenhaus (3) (04.05.2005)
Was hast Du vor in allernächster Zukunft? Fährst Du nun doch länger nach Deutschland?
Wozu? Als ob es hier keine anständigen Ärzte gäbe. Ich gehöre nicht zu denen, die davon überzeugt sind, alles Gute gibt’s nur im Westen. Heute war eine Kinderkrankenschwester bei mir. In Russland ist das so üblich, dass im ersten Monat nach der Geburt ein Kinderarzt und eine Kinderkrankenschwester mehrere Male ins Haus kommen. Die Frau machte einen vernünftigen Eindruck, zu der habe ich Vertrauen. Und – ich habe auch noch meinen Vater als Rückenstärkung, der ist Kinderarzt und hat sich schon auf telefonische Konsultationen eingestellt. Da werden wir das Kind schon schaukeln.

Vera, herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview: Susanne Brammerloh (SPZ)


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