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Aus solchen farbig verschmolzenen Scheiben entstehen bei den Gorbatenkos Lampenschirme oder bunte Glasfenster  (foto: eva/SPZ)
Aus solchen farbig verschmolzenen Scheiben entstehen bei den Gorbatenkos Lampenschirme oder bunte Glasfenster (foto: eva/SPZ)
Montag, 29.05.2006

Glaskunst aus dem Familienbetrieb im Atomlabor

St. Petersburg. Die Metrostation Awtowo, das frühere „Dom Knigi“, der Jussupow-Palast – die Liste der Orte, an denen Erzeugnisse der „Kunstwerkstatt für Glas und Metall Gorbatenko“ zu finden sind, ist eindrucksvoll.

Wir treffen uns mit Marina Gorbatenko vor einem Industrie-Areal an der Polytechnitscheskaja Uliza, auf dem sich die Kunstwerkstatt mit ihren insgesamt sieben Mitarbeitern befindet. „Das war hier früher ein Betrieb zur Atomforschung,“ erklärt sie, als wir bei einer missmutigen Wächterin Formulare mit dem Grund unseres Besuchs ausfüllen, „und die strenge Kontrolle am Eingang ist das einzige, was davon noch übrig ist.“

Als wir zur Werkstatt gehen, erzählt Marina Gorbatenko: „Das besondere an unserem Unternehmen ist, dass wir sowohl mit Glas als auch mit Metall arbeiten. Wir fertigen komplette Erzeugnisse an, die wir dann auch selbst montieren. Ansonsten findet man in St. Petersburg nur Werkstätten, die entweder mit Glas oder mit Metall arbeiten und oft muss man sogar eine dritte Firma beauftragen, das fertige Produkt anzubringen. Bei uns ist das alles inklusive.“

Mit Tiffany-Lampen fingen die Gorbatenkos vor 15 Jahren an


In der Glaswerkstatt zeigt sie uns Alben voller bunter Glaserzeugnisse. „Angefangen haben wir mit Lampen im Tiffany-Stil,“ erklärt sie. „Wir nehmen meistens bestimmte Motive, wie Blätter oder Fische und schmelzen das Glas bis zu siebenmal. Dadurch wirkt es am Schluss besonders plastisch.“

Das Ausgangsmaterial: Buntglasbrocken made in Russia (foto: eva/rufo)
Das Ausgangsmaterial: Buntglasbrocken made in Russia (foto: eva/rufo)
Marinas Vater Boris Gorbatenko, der inzwischen dazugestoßen ist, ergänzt: „Oft kommen Leute zu uns, die im Antiquariat Lampen ohne Schirm gekauft haben und wir gestalten dann den Lampenschirm nach ihren Wünschen.“ Dabei sei es schwierig, die Vorstellungen der Kunden umzusetzen und gleichzeitig auf Besonderheiten des Materials und konstruktive Notwendigkeiten zu achten.

„Unsere Arbeit liegt auf der Grenze zwischen Kunst und Handwerk. Einerseits entwerfen wir selbst Modelle, aber anderseits beschäftigen wir uns auch mit den technischen Fragen, die die Produktion aufwirft.“

Ein Ingenieur fühlt sich zum Künstler berufen


Boris Gorbatenko vereint in seinem Beruf Ingenieurswissen mit Kunstfertigkeit (foto: eva/SPZ)
Boris Gorbatenko vereint in seinem Beruf Ingenieurswissen mit Kunstfertigkeit (foto: eva/SPZ)
Boris Gorbatenko hat am nahen Polytechnischen Institut Ingenieurwesen studiert und zu Sowjetzeiten auch in diesem Beruf gearbeitet. Doch sein Hobby war schon immer die Kunst. Er besuchte als Kind eine Kunstschule und stellte später Metallskulpturen her, bevor er schließlich zu Zeiten der Perestroika anfing, mit Glas zu arbeiten.

1991 gründete er, gemeinsam mit einem Partner, diese Werkstatt. Gorbatenko begann, sich sowohl in Fachliteratur über die Verarbeitung von Glas einzulesen als auch selbstständig mit Glas-Metall-Verbindungen zu experimentieren. „Dabei hat mir mein Ingenieurstudium natürlich geholfen. Ich wusste einfach schon, wie ein bestimmtes Material reagiert,“ sagt er freudig, „aber anderseits hat es mir auch Spaß gemacht, endlich ein bisschen freier zu sein und fast wie ein Künstler zu arbeiten.“

Langwierige Handarbeit hat ihren Preis


Dekoratives Interieur-Objekt: Ein Glasschirm (foto: eva/SPZ)
Dekoratives Interieur-Objekt: Ein Glasschirm (foto: eva/SPZ)
Zunächst habe die Werkstatt hauptsächlich kleine Aufträge angenommen, Dinge ausgebessert oder verschönert. Das Glas kommt aus einer Fabrik in Brjansk und wird von den Gorbatenkos grundsätzlich selbst verarbeitet. Danach wird es in mühevoller Kleinarbeit auf die Gips- oder Metallmodelle gesetzt, wobei die Metallverbindungen per Hand zurechtgebogen und dann verlötet werden. Soviel Mühsal hat natürlich auch ihren Preis: Ein Lampenschirm kostet zum Beispiel zwischen 1000 und 3000 Euro.

Das kleine Unternehmen wurde nach und nach bekannter. Im Jahr 2000 trennten sich die Partner. „Wir hatten einfach unterschiedliche Vorstellungen,“ so Gorbatenko, „er war in erster Linie Geschäftsmann, mir war auch der künstlerische Aspekt wichtig.“

Eine kleine, aber feine Laterne aus der Gorbatenko-Werkstatt (foto: eva/SPZ)
Eine kleine, aber feine Laterne aus der Gorbatenko-Werkstatt (foto: eva/SPZ)
Danach fing man an, Spiegel zu verzieren und größere Objekte, wie zum Beispiel Deckenlampen oder Badezimmerverkleidungen herzustellen. 2002 nahm die Kunstwerkstatt erstmals mit ihren buntverzierten Spiegeln an einer Designausstellung im Messegelände teil. Inzwischen finden sich im Jussupow-Palast von der Familie Gorbatenko restaurierte Vitrinen und auch die erneuerten Lampen der Metrostation Awtowo stammen aus ihrer Kunstwerkstatt.

Das Meisterstück – ein Blickfang am Newski


Mehr dazu im Internet
• Webseite der Kunstwerkstatt für Glas und Metall Gorbatenko

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Seinen bisher größten Auftrag bekam das Unternehmen zum Stadtjubiläum im Jahr 2003. Das alte Dom Knigi am Newski Prospekt – einst die Russland-Zentrale des Nähmaschinenherstellers Singer - sollte eine neue Glaskuppel erhalten. „Ursprünglich sollte eine finnische Firma die Kuppel herstellen,“ erzählt uns Marina, „aber drei Monate vor dem Jubiläum wurde klar, dass sie es nicht schaffen.“

Boris Gorbatenko zögerte nicht lange, obwohl er sich für dieses Projekt extra einen größeren Ofen anschaffen musste. Die Werkstatt arbeitete auf Hochtouren, der Ofen brannte drei Monate Tag und Nacht und exakt drei Tage vor dem Jubiläum war die Kuppel fertig.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist die Familie Gorbatenko endgültig in der Branche etabliert. „Uns ist klar, dass wir nicht mit den Billiganbietern aus Asien konkurrieren können,“ meint Boris Gorbatenko. „Deswegen versuchen wir, unseren Kunden stattdessen etwas anderes zu bieten: nämlich Qualität. Bei uns ist jedes Stück ein Unikat, keines gleicht dem anderen. Aber Qualität hat eben ihren Preis.“

(Hannah Beitzer/SPZ)


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