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Der junge Petersburger Dichter Jegor Fetisow (Foto: Fetisow/SPZ)
Der junge Petersburger Dichter Jegor Fetisow (Foto: Fetisow/SPZ)
Freitag, 30.12.2005

Hilfe auf dem steinigen Weg vom Denken zum Drucken

St. Petersburg. Talent, Geld, Beziehungen – wie wird man heutzutage Poet? Mit Hilfe von Literaturgesellschaften können begabte junge Leuten, die der Welt etwas mitzuteilen haben, dieses Problem meistern.

Um Poesie und Prosa zu verfassen, braucht man zwar wie früher nach wie vor in erster Linie Talent. Den Anforderungen der Zeit und ihrer nun auch hierzulande gültigen kapitalistischen Werte kann aber nicht jeder junge Petersburger Poet gleich gerecht werden. Um sich eines literarischen Erfolgs zu erfreuen, sollte man seine Werke eben nicht nur schreiben, sondern auch verbreiten und verkaufen können.

Die erste Adresse dabei sind die zahlreichen Literaturgesellschaften, die Aushängeschilder des intellektuellen Petersburgs sind. Sie setzen sich für die Interessen der einschlägig begabten Jugend der Stadt ein und helfen ihnen, sich in der Literaturwirklichkeit durchzuschlagen. In literarischen Kreisen heißen solche Gesellschaften einfach „Lito“ – die Abkürzung von „Literaturnoje Obschestwo“. Die bekanntesten von ihnen sind die Lito von Leikin, Kuschner und Gamper. Sie organisieren monatlich Literaturabende, die meist für das breite Publikum offen sind. Es gibt aber auch eine Internet-Lito auf www.piiter.de, wo man den Lesern seine Werke zur Ansicht und Bewertung vorstellen kann.

Die eigenen Werke auf den richtigen Weg bringen


Auch finden jährlich in Petersburg viele größere und kleinere poetische Wettbewerbe und Festivals statt. Einer der populärsten Wettbewerbe heißt „Zabludiwschijsia Tramwaj“ (Die verirrte Straßenbahn) und wird normalerweise im Mai im Rahmen des Festivals „Peterburgskije Mosti“ (Die Brücken von Petersburg) durchgeführt. Dem Urteil der literarischen Jury stellten sich in diesem Jahr dabei mehr als 200 Gedichtbände von jungen Poeten aus 30 verschiedenen Literaturgesellschaften aus allen Regionen Russlands. Ins Finale kamen nach einer dreistufigen Auswahl aber nur 15 Teilnehmer. Als Belohnung wurden die besten Werke in einem Gedichtband veröffentlicht.

Mehr dazu im Internet
• Gedichte des Schriftstellers Jegor Fetisow

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Wenn aber die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb erfolglos blieb, gibt es andere Möglichkeiten, sein Schaffen der Welt näher zu bringen. Die Literatur-Zeitschriften „Newa“ und „Swesda“ nehmen vielversprechende Werke unbekannter Poeten gerne auf. Erzählungen und Theaterstücke kann man auch durch den Verlag der Staatsuniversität publizieren. „Es dauert auf diesem Weg aber normalerweise Jahre, bis ein Werk schlussendlich in den Regalen der städtischen Buchläden steht. Wenn man heute ein Literaturstück auf den Tisch eines Verlegers legt, sieht man es vielleicht erst 2007 in der gedruckten Version,“ berichtet der Petersburger Schriftsteller Jegor Fetisow.


Verleger wollen Literatur im Dreier-Pack


Um einen Roman zu veröffentlichen sollte man, berichtet Fetisow, mindestens drei andere Werke in der Tasche bereithalten. Sonst seien die Verleger nicht besonders interessiert: „Literatur ist in Russland jetzt größtenteils zu einem Business geworden. Wenn man ein gutes Werk, das einen selbst bekannt machen und in literarischen Kreisen Respekt verschaffen kann, einem Verlag anbietet, muss man den Verlag gleich mit mehr druckreifem Material, egal welcher Qualität, versorgen. Der Verlag wird den Ruhm des ersten Buches benutzen, um schnell noch drei andere Bücher in Umlauf zu bringen“, erzählt der Schriftsteller.
Bei Russland-Aktuell
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Natürlich kann man auch selbst zu einer Druckerei gehen. Dann bekommt man für sein eigenes Geld die gewünschten Exemplare direkt auf die Hand. „Am billigsten geht es aber doch immer über eine Lito“, sagt Fetisow. „Dort hat man zu Druckereien Kontakt, weshalb man sich einen speziellen Lito-Tarif zunutze machen kann.“ Danach kann man seine Werke trotzdem selbst verbreiten, denn auch so bekommen junge Autoren allmählich zu ihren Verehrern.


Arm, aber unabhängig: Der Staat fördert Poeten nicht mehr


In der Sowjetzeit sah die Situation in den literarischen Kreisen ganz anders aus. Eine Literaturkarriere war jedem möglich, der sich entschieden hatte, sich „dem Wohle der Heimat“ zu widmen. „In der Sowjetunion waren die literarischen Honorare unabhängig von der Qualität der Arbeit relativ hoch“, berichtet Alexander Kuschner, der Leiter einer der größten Litos in St. Petersburg: „Mir war das immer zuwider. Aber jetzt nähert sich man dem anderen Extrem an. Das finde ich auch schlecht. Darunter leiden sowohl die Literatur allgemeinen als auch die potentiellen Leser.“

Heutige Poeten seien sich durchaus bewusst, dass eine literarische Karriere im sonst an Kultur so reichen Petersburg kaum finanziellen Gewinn verspricht, meint Kuschner. „Der Autor ist gezwungen, eine andere Beschäftigung aufzunehmen, um sich selbst und seine Familie zu versorgen. Für das künstlerische Schaffen bleibt kaum Zeit.

Wer aber wirklich Talent hat, der wird darauf, so scheint es mir, nicht verzichten.“ Trotz dieser Alltags-Schwierigkeiten für junge Denker und Dichter bekommt Literatur-Pate Kuschner nach wie vor viele Briefe von jungen Autoren aus allen Regionen des Landes. „Es gibt hier viele begabte Poeten“, resümiert er. „Meiner Meinung nach hat die russische Literatur eine sehr breite Entwicklungsperspektive.“

(Jekaterina Schutowa/SPZ)


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