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Jewgeni Makarenko (Foto: SPZ)
Jewgeni Makarenko (Foto: SPZ)
Freitag, 28.07.2006

Leningrad 1939: Die Sportlehrer sprachen deutsch

St. Petersburg. Jewgeni Makarenko wuchs vor dem Krieg im Umfeld der damals noch starken deutschen Gemeinde von Leningrad auf. 1939 machte der heute 86-jährige seinen Schulabschluß an der deutschen Petrischule.

SPZ: Jewgeni Andrejewitsch, vor 67 Jahren legten Sie an der Petrischule ihre Deutschprüfung mit der Note „gut“ ab. Nach dem Krieg arbeiteten Sie als Oberlehrer an einer Polizeifachschule. Haben Sie da ihre deutschen Sprachkenntnisse behalten können?
Makarenko: Als ich jung war, konnte ich gut deutsch sprechen und auch fast alles verstehen. Heute habe ich leider sehr viel von dem vergessen, was ich in der Schule gelernt habe. Mir hat es großen Spaß bereitet, diese fremde Sprache zu lernen. Meine Eltern konnten beide sehr gut deutsch und mein Sohn hat diese Sprache ebenfalls in der Schule gelernt. Doch heute spreche ich gar kein Deutsch mehr.

SPZ: Wie war das damals noch vor dem Zweiten Weltkrieg: Hatten Sie in Ihrer Umgebung, ob in der Schule oder familiär, viele Freunde, die Deutsch als Muttersprache sprachen?

Makarenko: Wir waren ungefähr 30 Schüler in meiner Klasse und es gab sechs oder sieben Schüler, die neben russisch auch deutsch sprachen. Von ihnen habe ich viel gelernt. Doch meistens redeten wir auf russisch miteinander. Auch manche Lehrer hatten ihre Wurzeln im deutschen Kulturraum. Die Kunst-, Mathematik- und Sportlehrer waren damals ebenfalls deutscher Abstammung und sie sprachen gelegentlich auf deutsch mit uns Schülern.

SPZ: Wie haben Sie Ihre Schulzeit an der Petrischule erlebt

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Makarenko: Das war wohl eine der besten Zeiten, die ich in meinem Leben erfahren habe. Wir wurden in der Schule immer sehr freundlich behandelt und ich hatte wohl den schönsten Schulweg, den sich ein Kind vorstellen kann – an Schlossufer und Winterkanal entlang, denn wir wohnten am Eremitagetheater. Leider glaube ich, dass fast alle meiner damaligen Klassenkameraden bereits gestorben sind. Wir machten 1939 unseren Schulabschluss, seitdem ist sehr viel geschehen. Heute habe ich immer noch einen guten Kontakt zu meiner alten Schule. Ich kenne den Schulleiter sehr gut und besuche ihn oft, meistens bekomme ich dann Geschenke.

SPZ: Waren Sie in Ihrem Leben schon einmal in Deutschland?

Makarenko: Ja, aber leider nur im Krieg. Ich war Funker bei der Kriegsmarine und musste eine Botschaft, von der ich aber nicht mehr weiß, was sie beinhaltete, übermitteln. Das war das einzige Mal, dass ich in Deutschland gewesen bin. Hier musste ich auch deutsch sprechen. Als man Gefangene vernahm, wurde ich als Dolmetscher eingesetzt. Doch ich habe diese Aufgabe wohl eher schlecht als recht gemeistert. 1944 wurde ich an der Barentssee verwundet. Ich habe zwei Orden und 18 verschiedene Medaillien bekommen.

SPZ: Hat sich Ihr Bild von den Deutschen nach dem Krieg geändert?

Makarenko: Nein, ich hatte schon immer ein gutes Verhältnis zum deutschen Kulturraum. Ich finde, Deutschland ist eine sehr interessante Nation. Auch im Krieg hat sich das nicht geändert. Die deutschen Soldaten waren ebenfalls nur Opfer der Feindlichkeiten und führten an der Front lediglich ihre Befehle aus. Ich mag die Deutschen sehr, ich hatte viele deutschstämmige Freunde und eine nationale Feindschaft habe ich nie gespürt.

SPZ:: Herr Makarenko, erzählen Sie uns noch etwas über Ihre Familie?

Makarenko: Ja, gerne. Meine Mutter war eine Adlige mit schwedischen Vorfahren, mein Vater war Ukrainer und Sie können sich vorstellen, dass diese Situation damals einige Probleme mit sich brachte. Meine Eltern konnten beide deutsch, denn vor der Revolution wurden Fremdsprachen sehr gepflegt. Als ich sieben Jahre alt war, sind wir von Moskau nach Leningrad umgezogen. Mein Vater arbeitete als Ingenieur bei den Schlüsselburger Pulverwerken. Dort arbeiteten auch viele Deutschstämmige, mit typischen deutschen Namen wie beispielsweise Kupfer.

Ich habe einen 28 Jahre alten Sohn, der ebenfalls als Ingenieur arbeitet. Meine ersten beiden Frauen sind leider verstorben. Meine jetzige Frau ist 55, also 30 Jahre jünger als ich. Sie war schon immer einer Freundin der Familie und nach dem Tod meiner zweiten Frau beschlossen wir zu heiraten. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja noch 90 Jahre alt.

SPZ: Herr Makarenko, vielen Dank für das Gespräch.

(Interview: Stefanie Barth/SPZ)


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