Montag, 20.08.2007

Museum: Der Sackbahnhof der Eisenbahngeschichte

Auch die Eisenbahn zog aktiv mit in denKrieg: Ein Bahngeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg (Foto: nevsky-prospekt.com)
St. Petersburg. Hinter dem stillgelegten Warschauer Bahnhof befindet sich das Freilichtmuseum für Eisenbahntechnik. Hier lassen sich schön restaurierte Loks, Waggons und andere Elemente des Bahnwesen bestaunen.
Bei den 74 Exponaten handelt es sich durchweg um Originale, die einmal auf dem gigantischen Schienennetz Russlands und der Sowjetunion im Einsatz waren. Praktisch ist der Plan am Kassenhäuschen, wo man sich zunächst einen Überblick darüber verschaffen kann, wie die Exponate angeordnet sind.

Nötige Informationen auch auf Englisch



Vorwärts zum Kommunismus! - lautete die Losung am Bug dieser Lok (Foto: nevsky-prospekt.com)
Die gezeigte Bahn-Hardware umfasst eine Zeitspanne von 80 Jahren (die älteste Dampflok der Ausstellung stammt aus dem Jahre 1897) und gibt damit allgemein einen guten Überblick über die technische Entwicklung der Eisenbahn im 20. Jahrhundert. Die vor jedem Exponat stehenden Tafeln sind neben Russisch meistens auch noch auf Englisch beschriftet und erteilen neben den technischen Daten (Geschwindigkeit, Gewicht etc.) auch noch darüber Auskunft, wo und wann das Objekt in Gebrauch war.

Im Güterwaggon steckt eine Raketenstartrampe



Die Meisten der gezeigten Loks und Waggons sind leider nicht zu besteigen, ein Foto „ich-vor-meiner-Lieblingslok“ ist aber allemal auch ein schönes Souvenir. Das eindrucksvollste Exponat ist wohl die schienentaugliche Raketenstartrampe: aus einem unscheinbaren silberfarbigen Güterwaggon ragt eine 23 Meter lange Rakete heraus, die beliebig ein- und ausfahrbar ist.

Wenn man sich die Hersteller der sowjetischen Elektroloks und der dazu gehörigen Passagierwagen anschaut, ist man erstaunt, dabei oft den Namen Skoda zu lesen – verbindet doch der mitteleuropäische Besucher mit dieser tschechischen Marke vor allem die Herstellung von Autos. Sowjet-eigene Produktionsstandorte für Lokomotiven waren daneben in Tiflis, Tula, Dneprodscherschinsk, Leningrad oder im Kolomenskojer Distrikt (in der Region Moskau): es waren also gleich vier Sowjetrepubliken an dieser wichtigen Aufgabe beteiligt.

Lenin kaufte Loks im Westen



In den Frühzeiten der UdSSR wurden Lokomotiven sogar in großer Zahl aus dem „kapitalistischen Ausland“ eingekauft: So erfährt man, dass die junge Sowjetunion zwischen 1921 und 1924 über 1200 Stück eines Lokomotivtyps in Deutschland und Schweden bauen ließ.

Die Koordinaten
Adresse: Nab. Obwodnogo Kanala 118
Nächste Metro: Baltijskaja
Geöffnet: täglich von 11-18 Uhr, von Oktober bis Mai Mo und Di. geschlossen.
Telefon: 768 20 63
Eintritt: ca. 5 $
Führungen auf Englisch oder Finnisch, ca. 12 $
Gerade für Familien mit großen und kleinen Jungs empfiehlt sich ein Besuch dieses Museums, ist doch für sie das Besteigen eines gepanzerten Bahnwaggons meist bedeutend interessanter als das stundenlange Pirschen durch die endlosen Gängen der Ermitage. Doch da die Exponate dieses Museums unter freiem Himmel stehen, sollte man diesen Ort besser an einem Tag ohne Regen oder Schneegestöber aufsuchen.

Erstaunlich ist auf jeden Fall der exzellente Zustand, in dem sich die Loks und Wagen befinden. Anders als in einigen anderen Museen in Petersburg, wo die Ausstellungsobjekte mangels Geld immer mehr verwahrlosen (so etwa im Zoologischen Museum), werden hier die Exponate offensichtlich gehegt und gepflegt:

Bei unserem Besuch des Warschauer Bahnhofs waren jedenfalls mehrere Leute damit beschäftigt, ein paar Loks auf den hinteren Plätzen von Hand neu zu lackieren.


(Ben Wyttenbach/SPZ)