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Petersburg geht mit der Zeit - dank Schweizer Uhren (Foto: von Arb/.rufo)
Petersburg geht mit der Zeit - dank Schweizer Uhren (Foto: von Arb/.rufo)
Montag, 19.11.2007

Petersburg tickt richtig – dank Schweizer Uhren

St. Petersburg. Zwar ticken in Russland die Uhren bekanntlich anders. Doch dass man bei der Pünktlichkeit keinen Vergleich scheuen muss, dafür sorgt in Petersburg eine Schweizer Uhrenfirma. Sie betreut 300 Straßenuhren.

Ihre Arbeit verläuft rasch und unauffällig: Gestell montieren, die alte Uhr von der Wand lösen und per Flaschenzug abseilen, die neue Uhr hochziehen, Löcher für die Verankerung bohren, anschrauben, verkabeln, Gestell wegräumen – fertig!

Zwischen der Zeit, welche die verstaubten Zeiger der Uhr am Boden nach ihrem Stillstand anzeigt und jener auf dem neuen glänzenden Zifferblatt liegt genau eine Stunde. So lange dauert die Montage einer Straßenuhr durch das dreiköpfige Team von Mobatime Systems.

Schweiz seit vier Jahren mit Straßenuhren präsent in Petersburg


Es ist eine von 37 Uhren in St. Petersburg, welche die Firma im Auftrag der Stadt komplett ersetzt, andere werden lediglich gereinigt oder repariert. „Diese Unterhaltsarbeiten sind zwar relativ aufwändig, verschaffen uns aber eine starke Präsenz in der Stadt“, meint der Direktor von Mobatime Systems Alexander Reichberg.

Präsent ist die Firma bereits seit 2003 - damals stattete die Schweiz, die zum 300 Jahre-Stadtjubiläum offiziell nicht eingeladen worden war, Petersburg einen Höflichkeitsbesuch ab und brachte als Geschenk 100 Straßenuhren mit. „Mit einer Hörerumfrage am Radio ermittelten wir damals, die richtigen Standorte“, erzählt Reichberg. „Die Aktion war ein Erfolg, weil die Bevölkerung die Uhren als ein sehr nützliches Geschenk empfand und sich einbezogen fühlte.“ Höhepunkt der Aktion war die Instandsetzung der kostbaren Mendelew-Uhr, die im Torbogen des Generalstabs hängt..

Mit Hilfe von Alpinisten wird das Zifferblatt befestigt. (Foto: von Arb/.rufo)
Mit Hilfe von Alpinisten wird das Zifferblatt befestigt. (Foto: von Arb/.rufo)

Fast alle Bahnhöfe Peterburgs mit „Schweizer Zeit“


Im selben Jahr wurde die Mobatime-Tochterfirma mit zwanzig Angestellten gegründet, nachdem die Schweizer bereits zwei Jahre mit deren russischen Vorgängerin Chronotron zusammen gearbeitet hatten. Neben den Straßenuhren wurden auch sämtliche Bahnhöfe Peterburgs bis auf den Moskauer Bahnhof von Mobatime ausgerüstet. Auch die großen Fassadenuhren an den Bahnhofsgebäuden stammen aus ihrer Produktion.

Die runden Uhren mit dem roten Sekundenzeiger sind das bekannteste Produkt von Mobatime, und werden in alle Welt verkauft. So lassen neben den Schweizer Bundesbahnen auch die Deutsche Bahn und die französische SNCF ihre Bahnhöfe mit ihnen bestücken. Neben Bahnhöfen haben Flughäfen, Untergrundbahnen, Krankenhäuser und Universitäten, Betriebe, Kraftwerke oder Fernseh- und Radiostationen Bedarf an genauer Zeit.

Monatelanges Warten auf Genehmigungen


Die Uhren sind aber nur das eine - dahinter verbergen sich ganze Zeitsysteme, die über so genannte „Mutteruhren“, Relais und Satellitensteuerung (GPS) den exakten Gang der Zeiger überwachen. Sämtliche Komponenten, bis hin zu Zeitservern bietet Mobatime an. Aus der kleinen Drei-Mann-Firma Moser-Baer, die 1938 im emmentalischen Sumiswald ihre Produktion von Pendulen aufnahm, ist ein internationales Unternehmen mit über 200 Angestellten und Standorten in Deutschland, Tschechien, Russland und Indien geworden.

Montage in Rostow: Russland bietet schwindelerregende Perspektiven, aber auch jede Menge bürokratische Schwierigkeiten für Uhrenbauer. (Foto: von Arb/.rufo)
Montage in Rostow: Russland bietet schwindelerregende Perspektiven, aber auch jede Menge bürokratische Schwierigkeiten für Uhrenbauer. (Foto: von Arb/.rufo)
Ein Land wie Russland, in dem momentan viel gebaut, umgebaut oder renoviert wird, ist zweifellos ein interessanter Markt für die Uhrenfirma. Andererseits sorgen Kompetenzen-Wirrwarr und Bürokratie für Probleme. „Um unsere Uhren montieren zu können, brauchen wir oft unzählige Genehmigungen, selbst wenn der Standort öffentlich ist“, kritisiert Reichberg.

„Manchmal müssen wir monatelang darauf warten – das kann den Zeitplan ganz schön auf den Kopf stellen. Zudem sind die Kompetenzen bei den Behörden oft unklar. Wenn wir uns für einen Auftrag bewerben wollen, investieren wir meist sehr viel Zeit, um heraus zu finden, wer nun wirklich für das Projekt zuständig ist.“

„Russische Uhren ticken auch richtig“



Auch Urs Moser, Direktor der Mobatime-Gruppe in der zweiten Generation, musste sich erst an die Gegebenheiten in Russland gewöhnen. „Interessanterweise müssen wir manche russische Kunden erst davon überzeugen, dass jene Uhren, die in Russland fabriziert werden, nicht minderwertiger sind als jene aus Schweizer Produktion – sie misstrauen den eigenen Leuten“, erklärt er. Insgesamt ist er zufrieden mit der russischen Tochter: „Der Betrieb arbeitet gut, und kann durchaus noch wachsen.“

Nachdem in den Kassen der öffentlichen Hand lange gähnende Leere geherrscht hat, ist nun deutlich mehr Geld für Bauvorhaben vorhanden – auch für Uhren. Nach Aufträgen in den russischen Hauptstädten streckt Mobatime nun die Fühler nach der Provinz aus. Im Mai wurde in Rostow am Don an einem Business-Center eine 2.5 Meter große Fassadenuhr montiert, davor in Krasnojarsk und Nowosibirsk. „“Solche Bestellungen zeigen, dass nun auch in Provinzstädten deutlich mehr Geld vorhanden ist als früher“, meint Alexander Reichberg optimistisch.

Zweimal Moser in Russland


Moser-Baer (Mobatime) in Sumiswald wird oft mit einer anderen Schweizer Uhrenmarke verwechselt, die ebenfalls eine russische Geschichte haben – die Schaffhauser Firma H. Moser & Co. Heinrich Moser wurde 1805 in Schaffhausen in einer Uhrenmacherfamilie geboren. Nach der Ausbildung bei seinem Vater zog er weiter nach Le Locle, um sein Wissen zu erweitern.

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Da ihm das Amt des Schaffhausener Stadtuhrenmachers, das seine Vorfahren versehen hatten, nicht wie vorgesehen zugestanden wurde, zog er 1827 nach Petersburg. Nachdem er ein Jahr an verschiedenen Orten gearbeitet hatte, eröffnete er sein eigenes Geschäft und stellte kostbare Präzisions- und Schmuckuhren sowie einfachere Uhrenmodelle. Er hatte großen Erfolg und gehörte bald zu den führenden Uhrenherstellern in Russland. 1829 eröffnete er eine eigene Uhrenfabrik in Le Locle, deren Produkte nach Russland, Persien, China, Japan, Amerika und Frankreich exportiert wurden.

1848 kehrte Moser als wohlhabender Geschäftsmann nach Schaffhausen zurück, wo er durch seine Pioniertaten als Industrieller bekannt wurde. Unter anderem ließ er 1851 einen Wasserkanal bauen, mit dem eine Turbine angetrieben wurde. Er gehörte außerdem zu den Mitbegründern der Schweizerischen Waggonfabrik, der Schweizerischen Industriegesellschaft (SIG) und der International Watch Company.

Schweizer Uhrenfabriken in Russland nach der Revolution verstaatlicht


Nach seinem Tod 1874 werden seine Firmen verkauft. 1920 wird aus früheren Moser-Uhrengeschäften in Moskau die staatliche Uhrenreparatur-Werkstatt gegründet. Erst 2002 wird die ursprüngliche Marke des Gründers Heinrich Moser wieder international registriert.

Die neue Firma bietet Armbanduhren an. In der Sowjetunion wurde ein Großteil der Uhren in verstaatlichten Manufakturen aus der Zeit vor der Revolution hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfrachtete die russische Besatzungsmacht die technische Ausstattung zahlreicher Betriebe und Werkstätten als Reparationsleistung aus Deutschland nach Russland. Dort wurden viele Erzeugnisse unter neuem Namen weiterproduziert – auch Uhren. Bekannte russische Uhrenmarken wie „Slawa“ oder „Wostok“ haben solche deutsche Wurzeln. (Fotogalerie zum Thema >>> )
(eva/St. Petersburg/SPZ)


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