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An der Riviera im Bereich von Repino kann man auch einsame Bilderbuchstrände finden (Foto: Deeg/rufo)
An der Riviera im Bereich von Repino kann man auch einsame Bilderbuchstrände finden (Foto: Deeg/rufo)
Mittwoch, 22.08.2007

Petersburgs Strände: Sand und Sonne ja, Wasser naja

St. Petersburg. Noch ist es heiß. Wir haben uns deshalb die beliebtesten Badeplätze der Petersburger angesehen – mit Ausnahme der Peter-Pauls-Festung. Denn deren Strand ist genauso zentral wie zum Baden ungeeignet.

Petersburg ist ja die „russische Meereshauptstadt“ und das „Venedig des Nordens“. Wasser muss also in gebührender Menge vorhanden sein – auch wenn man es manchmal in den endlos scheinenden steinernen Schluchten dieser Stadt aus den Augen verliert. Doch wo viel Wasser ist, sollte es auch die Möglichkeit geben, an geeigneten Stellen einmal hineinzuspringen – wenn möglich bitte ohne Gefahr für Leib und Leben und mit gewissem Spaß.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, in bzw. um eine Fünf-Millionen-Metropole einen Traumstrand zu finden: Entweder ist es zu voll oder zu einsam. In Stadtnähe ist es zu dreckig und weit draußen fehlt es vor lauter Natur wieder an der nötigen Infrastruktur. Die SPZ-Redaktion hat versucht, die besten Kompromisse ausfindig zu machen.

Oserki: Für Städter, die nichts Besseres kennen



Vor- wioe Nachteil: Die Strände von Oserki liegen noch auf Stadtgebiet. (Foto: mv/SPZ)
Vor- wioe Nachteil: Die Strände von Oserki liegen noch auf Stadtgebiet. (Foto: mv/SPZ)
Eines muss man den drei Seen am nördlichen Stadtrand von Petersburg lassen: Günstig zu erreichen sind sie. Mit der blauen Linie zur Station „Oserki“ gefahren, beim Ausstieg links gehalten und die Wyborger Chaussee überquert, schon ist man am Ziel. Die Erfüllung aller Träume? Das wäre wohl zu viel des Guten. Mit einem Minimum an Kombinationsvermögen kann man sich ausrechnen, was einen hier erwartet: Am Horizont hohe Neubauten, im Hintergrund die raue Melodie dahinrasender Autos.

Beim Spaziergang am Ufer bietet sich ein ideales Spielterrain für Kinder: Verstecken hinter größeren, manchmal auch kleineren Müllbergen. Soviel Abfall lässt auf viele Menschen schließen. Und richtig, bei Sonnenschein und vor allem am Wochenende ist hier hübsch was los. Berührungsangst? Rettung könnte die Flucht aufs Wasser bieten, je nach Tageszeit und Wetter zu unterschiedlichen Preisen ab 50 Rubel pro Boot. Wer lieber schwimmt, kann sich über einige Umkleidekabinen freuen.

Die Wasserqualität? „Mmh“, überlegt Kostja. „Wer gesund hineingegangen ist, kam nicht krank wieder heraus“. Das ist ja schon was. Für einen Strandtag lohnt sich auch die kurze Fahrt hierher also nicht, ein Grillabend in Oserki ist da schon eher zu empfehlen. Unser Fazit: Von fünf möglichen deponieren wir hier
2 Badetücher

Ladogasee: Der Lohn der langen Reise


Nach gut 80 Minuten Fahrt in der Elektritschka ist endlich die Endstation Ladoshskoje Osero erreicht. Vom Bahnhofsgebäude, das an eine reformierte Kirche mit Baujahr 1970 erinnert, führt eine kleine Straße zum See, der nur ca. 500 Meter entfernt ist. Auf dieser kurzen Strecke kann man sich bei zwei kleinen Lebensmittelläden mit Proviant für den Strandtag eindecken.

Doch empfiehlt es sich nicht, gleich beim ersten Strand, der einen nach wenigen Metern empfängt, Halt zu machen, sondern noch einige Meter rechts die Hauptstraße (Doroga Shisni) entlang zu gehen. Dieser Weg führt am Museum zur „Straße des Lebens“ vorbei, Leningrads einziger Lebensader während der Blockade. Ein Besuch ist wegen schlechter Beleuchtung und wenig spektakulären Exponaten aber kein Erlebnis.

Allerdings führt direkt nach diesem Museum ein kleiner Weg zu einem schönen Strand, der für russische Verhältnisse ziemlich sauber ist und fernab von Lärm und Getümmel echte Erholung von der Großstadt verspricht: nur das Rauschen der Wellen und das Pfeifen des Windes (Pullover oder Windjacke sollten im Gepäck sein) im Ohr und den Blick auf den gigantischen – und sauberen – See gerichtet, kann man sich bestens entspannen. Links vom Leuchtturm findet sich direkt an der Felsküste in einer Blockhütte übrigens ein gutes Restaurant, das sich aber schlicht „Kafe“ nennt. Wir lohnen es mit
5 Badetüchern.
In Repino kann es auch ganz nett sein-  wnn nicht gerade die Algen blühen (Foto: ld/rufo)
In Repino kann es auch ganz nett sein- wnn nicht gerade die Algen blühen (Foto: ld/rufo)

Repino: Alptraum am Traumstrand



Nach dem amtlichen der Sanitärbehörde kann man sich am „Traumstrand“ (Tschudny Pljash) in der Nähe von Repino am Nordufer des Finnischen Meerbusens nicht nur sonnen, sondern auch baden. Das kann nur eines bedeuten – es gibt Strände, wo es also noch weit schlimmer ist – was aber nur schwer vorstellbar ist! Selbst wenn man die Müllberge in den angrenzenden Wäldchen und das Fehlen von Umkleidekabinen tolerieren kann und auch keine Angst vor muffelnden Algen und Tang hat, dieser Strand erweckt einfach kaum den Wunsch, sich hier ins kühle Nass zu werfen.

So trifft man hier auch nur auf (wenige) Menschen in Badekleidung, die - obwohl das Wetter heiß genug für stundenlanges Baden wäre - lieber lässig am Strand spazieren und dabei die Beine etwas im Wasser anfeuchten. Und auf einen kleinen Jungen, der hier einen Turm nicht aus Sand, sondern aus dunkelgrünen Wasserpflanzen baut... Auch der Finnische Meerbusen erscheint an diesem Tag leer und grau – wir belassen es also besser beim Luft- und Sonnenbad.

Eine gebührenpflichtige (und deshalb saubere) Toilette gibt es hier übrigens in der Nähe der Repin-Villa „Penaten“. Und verpflegen kann man sich bei den diversen Schaschlik-Grills an der Straße. Das scheint das einzige zu sein, was hier wohl Spaß machen kann. Wir opfern
2 Badetücher.

Krestowski-Insel: Strandleben ohne Badewasser



Defibnition erfüllt. Auch auf der Krestowski-Insel trifft sandiges Land auf Wasser. Also ist das ein Strand (Foto: ps/SPZ)
Defibnition erfüllt. Auch auf der Krestowski-Insel trifft sandiges Land auf Wasser. Also ist das ein Strand (Foto: ps/SPZ)
Der Stand am südlichen Ufer der Krestowski-Insel hat vor allem einen Vorteil: Die Lage. Nicht in Sachen Natur, sondern Verkehrsanbindung: Von der Metrostation sind es kaum zehn Minuten zu Fuss und man gelangt an einen erholsamen Flecken, den man durchaus als „Strand“ benennen könnte. Die meisten Besucher sind aber Radfahrer, die hier nur eine kleine Pause machen.

Ansonsten bestimmen Cliquen biertrinkender Jugendlicher das Strandbild. Vereinzelt sind auch Familien auf Sonntagsausflug vorzufinden. Die Hauptbeschäftigungen hier sind Volleyball spielen und grillen. Es kann auch vorkommen, dass von einem verlangt wird, seinen Platz auf dem ohnehin sehr kleinen Strand aufzugeben, weil ein Herr gerne seinen Drachen steigen lassen möchte und dafür Platz benötigt . Ansonsten ist die Stimmung aber entspannt – die Gruppen kommen friedlich aneinander vorbei.

Schwimmen ist an der Mündung der kleinen Newka in die Ostsee jedoch weniger angesagt: weder Farbe noch Geruch des Wassers sind besonders einladend. Auch die Aussicht auf Werften, Hafenanlagen und die Plattenbauten auf der Wassili-Insel gegenüber erinnert eher an ein Industriegebiet als an einen Badestrand. Trotzdem traut sich doch der eine oder andere ins Wasser - unsere Tester haben das Newabad ohne bleibende Schäden überstanden.

Sauberkeit ist allgemein nicht die Hauptqualität dieses Strandes. Im vorderen Teil liegt jede Menge Treibgut und um die Picknickplätze fehlen Mülleimer. Der hintere Teil ist jedoch erfreulich sauber und der feinkörnige Sand lädt zum Sonnenbad ein. Positiv ist auch die Infrastruktur: Selbst wenn man Vergnügungspark, Yachtklub und Edeldisco in der Nähe ignoriert, sind Strandbars und eine saubere 10-Rubel-Toilette direkt am Strand vorhanden.

Weniger zu empfehlen sind die Garderoben, die anscheinend die Funktion der Toilette nach deren Schliessung um 22 Uhr übernehmen. Doch der Charme dieses Ortes hat uns sofort gepackt. Wir kommen sicher bald wieder, schließlich lohnt sich die Anfahrt auch schon für wenige Stunden. Deshalb
3 Badetücher.

Solnetschnoje: Beach mit allem was dazugehört



Abendsonne am Strand von Solnetschnoje - echtes Urlaubsgefühl! (foto: ld/rufo)
Abendsonne am Strand von Solnetschnoje - echtes Urlaubsgefühl! (foto: ld/rufo)
“Laskowy“ wurde dieser Strand von irgendeinem Leningrader Erholungsbeamten mal getauft - „der Zärtliche“ also. Warum und wieso ist nicht recht nachzuvollziehen. Obwohl: Die blühenden Heckenrosen, die sich in den Randbereichen dieses breiten und weiten Strands in die Dünen ducken, haben schon etwas Rühriges an sich. Ansonsten ist eher Beach-Remmidemmi angesagt: Von der Strandbar dröhnt der Rap, Frisbees und Volleybälle fliegen herum, durchs Wasser pflügt das eine oder andere Aquabike und selbst am Strand liegend kann man plötzlich mal einem Quadrocycle in die Augen schauen. Sobald eine einigermaßen steife Brise bläst, darf man Windsurfern bei der Arbeit zusehen. Aber eigentlich ist dieser Strand groß genug, dass jeder sich seinen Lieblingsplatz je nach Ruhe- oder Unterhaltungsbedürfnis wählen kann.

Toiletten und Umkleidekabinen sind im Zentralbereich vorhanden, in den mediterran scheinenden Kiefernuferwald duckt sich auch noch ein nobles Strandrestaurant. Das Wasser ist, wenn man nicht gerade die Zeit der Algenblüte und ablandigen Wind erwischt, erfreulich sauber – und so flach wie es hier hineingeht, kann man diesem Sandstrand durchaus das Prädikat kindersicher verleihen.

Solnetschnoje scheint also das ideale Ziel für einen echten Strandtag. Das Problem ist nur – das wissen definitiv zu viele Leute in St. Petersburg: An heißen Sommerwochenenden ist die An- und Abfahrt sowohl auf der Straße (Bus 211 ab Metro Tschornaja Retschka) als auch per Elektritschka (45 km vom Stadtzentrum oder 40 Min. ab Finnländischen Bahnhof plus 15 min. Fußweg) eine Tortur, die alle Erholung zunichte macht.
Unter der Woche lassen wir hier aber gerne unsere
5 Badetücher.

(SPZ)


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