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| August Knot (Foto: Garten/SPZ) | |
Mittwoch, 10.05.2006
SPB: Russlanddeutsche Vereine kooperieren schlecht
St. Petersburg. Schon seit über 50 Jahren lebt der Russlanddeutsche August Knot (78) in St. Petersburg. Mit dem ehemaligen Metrobauer sprach die SPZ über sein persönliches Schicksal und russlanddeutsches Engagement.
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Herr Knot, wie kam es, dass Sie nach St. Petersburg gekommen sind?
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Knot: Dies hatte damals ausschließlich berufliche Gründe. Ich bin gelernter Eisenbahningenieur und als ich 1955 hörte, dass in Leningrad eine Metro gebaut werden sollte, habe ich mich auf ein Angebot hin sofort dazu entschieden, hier zu arbeiten. Dabei hatte ich zuvor nie gedacht, dass es mich einmal hierher verschlagen könnte.
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Ich bin in der Ukraine in einer deutschen Kolonie als Kind von Russlanddeutschen aufgewachsen, ich habe dort meine Kindheit verbracht und die Fachschule beendet. Nachher habe ich dann lange Zeit bei der Eisenbahn in Taschkent, in Odessa und in der Mongolei gearbeitet, bevor ich schließlich hier in St. Petersburg gelandet bin.
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Sie engagierten sich Ihrer Herkunft wegen auch aktiv in der „Deutschen Gesellschaft“ – was hat es damit auf sich?
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Die „Deutsche Gesellschaft“ ist einer vor vier russlanddeutschen Vereinen hier in St. Petersburg. Ich bin seit der Gründung 1989 Mitglied und stellvertretender Vorsitzender. Uns ging es hauptsächlich darum, die Belange und Probleme der Russlanddeutschen, die hier leben, zu vertreten. Ich habe zum Beispiel vielen Russlanddeutschen geholfen, ihre deutschen Familiennamen wiederzuerlangen oder war bei der Erledigung von Formalitäten behilflich, die eine Ausreise nach Deutschland ermöglichten.
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Wie viele Mitglieder hat der Verein?
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Vor zehn Jahren zählte der Verein noch über 1500 Mitglieder, wir hatten damals unseren Sitz im Kirow-Kulturhaus. Seit 2000 treffen sich die Russlanddeutschen einmal pro Woche in der Petrikirche.
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Doch es ist ein wenig schade, dass die russlanddeutschen Vereine hier so schlecht zusammenarbeiten. Der Kontakt untereinander könnte besser sein, dann wäre vielleicht auch die gesamte Situation der Russlanddeutschen etwas besser. Ich bin aber nun auch schon seit längerer Zeit nicht mehr im Verein aktiv dabei – jetzt engagiere ich mich für die Gedenkstätte in Lewaschowo.
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Was hat es damit auf sich? Wie sieht Ihre Tätigkeit dort aus?
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Lewaschowo ist ein Ort, der mich persönlich tief berührt. Hier gibt es einen Friedhof mit Stalin-Opfern, auf dem tausende Russlanddeutsche begraben liegen. Lange Zeit hatte sich die Öffentlichkeit damit wenig beschäftigt und diesen Teil der Geschichte nicht sehr wahrgenommen. Mein persönliches Anliegen ist es nun, das in Vergessenheit Geratene aufzuarbeiten. Hier geht es mir vor allem auch um Einzelschicksale.
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Ich habe durchgesetzt, dass seit ein paar Jahren dort ein Kreuz an das Geschehene erinnert. Auch gibt es ein Museum, das ich gegründet habe und das die Hintergründe der Russlanddeutschen etwas näher beleuchtet. Jetzt treffen sich dort alle an diesem Projekt Beteiligten einmal pro Jahr – und auch ich fahre regelmäßig nach Lewaschowo, um dort den Verstorbenen zu gedenken.
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Inwieweit fühlen Sie sich als Kind Russlanddeutscher mit diesen Schicksalen verbunden?
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Mir geht das sehr nahe. Und obwohl ich kein typischer Russlanddeutscher bin – in dem Sinne, dass ich kein deutsch spreche – fühle ich mich natürlich mit diesen Schicksalen sehr verbunden. Ich selbst musste miterleben, wie die deutsche Kolonie in der Ukraine, wo ich aufwuchs, später im Kommunismus zerstört wurde. Meine Mutter starb schon in meiner jüngsten Kindheit. Und nachdem mein Vater verhaftet wurde, denn man fälschlicherweise der Spionage verdächtigte, kamen ich und meine Geschwister in verschiedene Kinderheime in der Ukraine und in Kasachstan. Dann verloren wir uns aus den Augen – und heute ist ein Foto alles, was mir noch geblieben ist.
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Herr Knot, wie sehen Sie die Zukunft der Russlanddeutschen hier in St. Petersburg?
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Eher kritisch. Ich denke, den Russlanddeutschen gelingt es ganz gut, sich hier zu assimilieren, aber ich befürchte, dass sie sich mit der Zeit einfach im russischen Volk auflösen werden. Außerdem sind schon sehr viele Russlanddeutsche nach Deutschland ausgewandert.
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Haben Sie sich selbst auch überlegt, nach Deutschland zu emigrieren?
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Ja, seit 1994 mache ich mir darüber konkrete Gedanken. Ich habe schon oft versucht, einen Ausreiseantrag zu stellen. Doch der wurde immer wieder abgelehnt, mit der Begründung, ich spräche doch kein Deutsch. So lebe ich weiterhin in St. Petersburg.
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Herr Knot, vielen Dank für das Gespräch!
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(Interview: Julia Garten/SPZ)
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